Magisterarbeit, 2004
149 Seiten, Note: 1,0
0. Einleitung
1. Stereotypisierende Indianerbilder in der nordamerikanischen Literatur
1.1. Der „teuflische Wilde" der Puritaner
1.2. Der „edle Wilde" der europäischen Aufklärung
1.3. Der „edle Wilde" der Amerikaner und andere amerikanisch-indianische Stereotypen
1.3.1. The vanishing American
1.3.2. Der „gute" Indianer
1.3.3. Der blutrünstige und der degenerierte Indianer
2. Coopers problembewusste Indianer-Bearbeitung
2.1. Coopers Informationsquellen
2.2. Festschreibung und Verarbeitung der Quellen
2.2.1. Captivity narratives und melodramatische
2.2.2. Der Missionar Heckewelder
3. Indianer-Typen in The Last of the Mohicans
3.1. Stereotype Charakterisierung des indianischen Wesens
3.1.1. „Typische" Indianer und die „guten" Delawaren
3.2. Naturgebundenheit und Statik als Merkmale der indianischen Zivilisation
4. Magua: Der „teuflische Wilde" mit komplexem Charakter
4.1. Äußere Erscheinung und Verhalten
4.2. Negative Charakterentwicklung und Widerspruch
5. Uncas: Der zivilisationswillige „edle Wilde"
5.1. Äußere Erscheinung und Verhalten
5.2. Positiver Entwicklungsprozess und Affiliation mit der angloamerikanischen Zivilisation
6. Chingachgook: Der unzivilisierbare „edle Wilde"
6.1. Ambivalentes Wesen des nicht zivilisierbaren „guten" Indianers
6.2. Vom „guten" zum degenerierten Indianer
7. Resümee
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht die Bedeutung stereotypisierender Indianerdarstellungen sowie deren Modifizierung in James Fenimore Coopers Romanen "The Pioneers" und "The Last of the Mohicans". Dabei wird analysiert, wie Cooper über die gängigen, rassistisch geprägten Dichotomien des "guten" und "bösen" Indianers hinausgeht, indem er seine indianischen Hauptfiguren individualisiert und in den historischen Kontext des Untergangs ihrer Lebensweisen stellt.
4.2. Negative Charakterentwicklung und Widerspruch zur angloamerikanischen Zivilisation
Magua kommt in The Last of the Mohicans eine zweifache Funktion zu. Er erscheint in diesem Roman sowohl als größter Schurke als auch als größtes Opfer. Magua ist aber auch schon deshalb mehr als nur ein „böser" Indianer beziehungsweise ein grausamer Wilder, weil er erst aufgrund des Unrechts, das ihm vonden Weißen widerfahren ist, zum bösartigen Widersacher der Hauptfiguren geworden ist. Hierbei zeigt Maguas Charakterentfaltung, im Laufe der Handlung entwickelt er sich nämlich von einem identitätslosen „Indian runner" zu einem würdevollen „Prince of Darkness" (vgl. Mohicans, Kap. I, S. 22; Kap. XXVII, S. 321), dass erst das Eindringen der Weißen in den Lebensbereich der Indianer in ihm zur Zerstörung seiner indianischen Identität geführt hat. Aus diesem Grund kann Magua, wie unter anderem im Folgenden zu zeigen sein wird, nur eine zum Unrecht der Gewalt, zum Bösen pervertierte Identität zurückgewinnen, die jedoch stets auch als Reaktion auf die Tat der Weißen erscheint, die die Einheit des indianischen Lebens vernichten und entfremden.
Bei seinem ersten Auftritt erscheint Magua lediglich als ein anonymer indianischer Scout (vgl. Mohicans, Kap. I, S. 22) im Dienst der britischen Armee. Somit ist er zunächst nur eine identitätslose Gestalt ohne individuellen Namen und Genealogie, über die Heyward nur vage Auskunft zu geben vermag. Heyward kennt Maguas Hintergrund nämlich nur vom Hörensagen, so dass ein entlarvendes „He is said to be" (Mohicans, Kap. II, S. 25) seinen Beschreibungsversuch von Magua einleitet. Darüber hinaus wird Magua zunächst in knappen, nur skizzenhaft hingeworfenen Sätzen als stereotyper indianischer Krieger dargestellt, was ihn wiederum wenig individuell erscheinen lässt.
0. Einleitung: Hinführung zur Fragestellung über die Bedeutung und Modifizierung stereotypisierender Indianerbilder in Coopers Lederstrumpf-Romanen.
1. Stereotypisierende Indianerbilder in der nordamerikanischen Literatur: Historischer Überblick über die Traditionen des "teuflischen" und "edlen" Wilden in der Literatur.
2. Coopers problembewusste Indianer-Bearbeitung: Untersuchung von Coopers Quellenlage, insbesondere "captivity narratives" und der Einfluss des Missionars Heckewelder.
3. Indianer-Typen in The Last of the Mohicans: Analyse der stereotypen Charakterisierung und der Rolle der Naturgebundenheit als statisches Element.
4. Magua: Der „teuflische Wilde" mit komplexem Charakter: Dekonstruktion der Figur Magua, der sowohl als Antagonist als auch als Opfer weißer Einflüsse gezeichnet wird.
5. Uncas: Der zivilisationswillige „edle Wilde": Betrachtung von Uncas als Hoffnungsträger und Symbol einer ansatzweisen Akkulturation.
6. Chingachgook: Der unzivilisierbare „edle Wilde": Analyse der Figur Chingachgook, der zwischen seiner glanzvollen Vergangenheit und seinem degenerierten Zustand in "The Pioneers" zerrissen ist.
7. Resümee: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und der kritischen Funktion von Coopers Indianerdarstellung.
James Fenimore Cooper, The Last of the Mohicans, The Pioneers, Indianerdarstellung, Stereotypisierung, edler Wilder, teuflischer Wilder, captivity narratives, Akkulturation, Zivilisationskritik, American frontier, Magua, Uncas, Chingachgook, Indianerbild.
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Indianern in James Fenimore Coopers Romanen "The Last of the Mohicans" und "The Pioneers" und analysiert, wie der Autor literarische Klischees seiner Zeit nutzt, um sie gleichzeitig zu hinterfragen und zu modifizieren.
Zentrale Themen sind die historische Einbettung des Indianerbildes, der Einfluss von Quellen wie "captivity narratives", die symbolische Rolle der Protagonisten Magua, Uncas und Chingachgook sowie das Spannungsfeld zwischen indigener Kultur und angloamerikanischer Zivilisation.
Die Arbeit fragt, inwiefern Coopers Indianerfiguren über die damals übliche Schwarz-Weiß-Malerei ("gute" vs. "böse" Indianer) hinausgehen und ob er damit eine Kritik an der rücksichtslosen Expansion der weißen Zivilisation verbindet.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Quellenanalyse angewandt, die Coopers Texte mit zeitgenössischen Reiseberichten, historischer Literatur und philosophischen Konzepten (wie Rousseaus Naturphilosophie) vergleicht.
Der Hauptteil analysiert detailliert drei zentrale Figuren: den "bösen" Huronen Magua, den "edlen" Mohikaner Uncas und den alternden Chingachgook, wobei deren jeweilige soziale Stellung, ihr Bezug zur Natur und ihre Entwicklung im Spannungsfeld der Zivilisation untersucht werden.
Schlüsselwörter sind unter anderem Stereotypisierung, "noble savage", "captivity narratives", Akkulturation, Zivilisationskritik, American frontier und Identitätswandel.
Magua wird als "Gegenwartsindianer" und politischer Demagoge gezeichnet, der die Zerstörung der indianischen Welt verkörpert, während Uncas als idealisierter "Vergangenheitsindianer" dargestellt wird, dessen Tod den Untergang seines Stammes besiegelt.
In "The Pioneers" wird Chingachgook als alkoholkranker, an den Rand der weißen Gesellschaft gedrängter Indianer gezeigt, was seine Unfähigkeit zur Integration und den gewaltsamen Verlust seiner kulturellen Identität durch den Einfluss der Siedler verdeutlicht.
Nein, die Arbeit stellt fest, dass Cooper zwar versucht, aus ethnozentrischen Mustern auszubrechen, aber letztlich im Denken des 19. Jahrhunderts verhaftet bleibt und die "historische Notwendigkeit" des weißen Sieges prinzipiell teilt.
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