Magisterarbeit, 2006
120 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Annäherung an den Untersuchungsgegenstand
1.2 Fragstellung und methodisches Vorgehen
2. Theoretische Konzeptionen
2.1 Der Begriff der „neuen Kriege“
2.2 Grundlegende theoretische Überlegungen: Der Staatsbegriff und die Interessen von herrschenden Eliten
2.2.1 Die Rolle des Staats im Kontext der Debatte über die „neuen Kriege“
2.2.2 Transnationale Faktoren: Der Prozess der Globalisierung und dessen Auswirkungen auf Staat und Individuum
2.3 Die Merkmale der „neuen“ Kriege
2.4 Die Instrumentalisierung von ethnischen und religiösen Gegensätzen
2.4 Die ökonomischen Interessen im und am Krieg
2.4.1 Finanzierung des Krieges: Die Kriegsökonomie der „neuen Kriege“
2.4.2 Theoretischer Erklärungsansatz: „Die politische Ökonomie des Krieges“
2.5 Zusammenfassung
3. Der Sudan als Untersuchungsgegenstand
3.1 Strukturelle Daten
3.2 Die sudanesische Wirtschaft
3.3 Die politische Geschichte des Sudans
3.3.1 Das britisch-ägyptische Kondominium (1898-1955)
3.3.2 Die Herrschaft unter Jafaar Al Numeiri (1969–1985)
3.3.3 Das Regime Al Bashir (seit 1989)
3.3.4 Der Sudan im Kontext der bipolaren Weltordnung
3.3.5 Das Interesse an Sudan seit den 90er Jahren
3.4 Die am Krieg (1983–2005) beteiligten Akteure
3.4.1 Sudanese People’s Liberation Movement/Army (SPLM/A)
3.4.2 Die reguläre Armee und die Milizen der Regierung
3.5 Zusammenfassung
4. Politische Ökonomie des Krieges: Der innerstaatliche Krieg in Sudan als Fallbeispiel
4.1 Das Verwendete Material zur Analyse der Kriegsökonomie in Sudan
4.2 Die Kriegsökonomie in Sudan und die damit einhergehenden ökonomischen Interessen an der Kriegswirtschaft
4.2.1 Raub und Menschenhandel als Erwerbstätigkeit
4.2.2 Die Instrumentalisierung der humanitären Hilfe durch die Kriegsakteure
4.2.3 Die Entdeckung von Erdölvorkommen in Sudan und deren Bedeutung für den Ausbruch und Verlauf des innerstaatlichen Krieges
4.2.4 Der billige Krieg: Die militärische und finanzielle Versorgung der Kriegsakteure
4.2.5 Die Bedeutung von Gewalt
4.3 Die regionalen Folgen des Krieges
4.4 Zusammenfassung
5. Neuere Entwicklungen in Sudan
5.1 Der Ablauf der Friedensverhandlungen
5.2 Die Teilabkommen des Comprehensive Peace Agreement (CPA)
5.2.1 Das Machakos Protokoll (Juli 2002)
5.2.2 Agreement on Security Arrangements (September 2003), Agreement on Wealth Sharing (January 2004) und Protocol on Power Sharing (May 2004)
5.3 Die Interessen externer Akteure im Rahmen des Sudan Konflikts
5.4 Zusammenfassung
6. Fazit
7. Ausblick
Diese Arbeit analysiert aus einer akteurs- und interessenzentrierten Perspektive, welche Rolle wirtschaftliche Faktoren im langjährigen innerstaatlichen Krieg in Sudan spielen. Die Forschungsfrage untersucht, ob der Konflikt primär auf Verteilungskämpfen basiert und inwiefern wirtschaftliche Profiteure – sowohl intern als auch extern – an der Aufrechterhaltung des Kriegszustandes interessiert sind.
4.2.3 Die Entdeckung von Erdölvorkommen in Sudan und deren Bedeutung für den Ausbruch und Verlauf des innerstaatlichen Krieges
Die sudanesische Regierung unter Al Numeiri gewährte 1974, zwei Jahre nach dem Friedensabkommen von Addis Abeba, dem US-Unternehmen Chevron umfangreiche Konzessionen für die Exploration von Erdöl. Im Jahr 1978, einige Jahre vor dem Ausbruch des zweiten innerstaatlichen Krieges, wurden im Süden des Landes in der Nähe von Bentiu Erdölvorkommen entdeckt. Nach dem Ausbruch des zweiten Krieges zog sich Chevron 1984 wegen gravierender Sicherheitsprobleme aus dem Sudan zurück. Ausschlaggebend hierfür war ein Rebellenangriff, bei dem drei Mitarbeiter des Unternehmens ihr Leben verloren.
Die Regierung Al Bashirs erreichte 1993, dass Chevron seine erworbenen Konzessionen an das Kanadische Unternehmen Arakis verkaufte. Somit konnte die Erdölexploration in Sudan weiter vorangetrieben werden. Arakis verkaufte aus ökonomischen Gründen 1996 75 % ihrer Rechte an drei weitere Unternehmen (alle in Staatsbesitz). An die China National Petroleum Company (CNPC) 40 %, an die malaysische Petronas Carigali Overseas Sudan Berhad 30 % und an das sudanesische Unternehmen Sudapet Limited 5 %. Mit diesen gründete Arakis die Greater Nile Petroleum Operating Corporation (GNPOC). Der Hauptanteil an Förderkonzessionen in Sudan befindet sich bis heute in chinesischem Besitz.
Nachdem 1998 das kanadische Großunternehmen Talisman Arakis übernommen hatte, wurde das Projekt mir größerem finanziellen Einsatz verfolgt, so dass es bereits 1999 zur Fertigstellung der Ölpipeline kam, die das Erdöl in den Nord-Osten des Landes, nach Port Sudan, transportiert, von wo es exportiert wird.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik innerstaatlicher Kriege und Darstellung der Forschungsfrage sowie des methodischen Vorgehens.
2. Theoretische Konzeptionen: Erörterung der Konzepte „neue Kriege“, Staatszerfall und die politische Ökonomie von Gewaltmärkten zur theoretischen Fundierung der Analyse.
3. Der Sudan als Untersuchungsgegenstand: Historischer und struktureller Überblick über den Sudan, seine politische Entwicklung und die beteiligten Konfliktakteure.
4. Politische Ökonomie des Krieges: Der innerstaatliche Krieg in Sudan als Fallbeispiel: Empirische Analyse der Kriegsökonomie, insbesondere der Rolle von Raub, humanitärer Hilfe und Erdölvorkommen.
5. Neuere Entwicklungen in Sudan: Analyse des Friedensprozesses und der Interessen externer Akteure unter Berücksichtigung des Comprehensive Peace Agreement (CPA).
6. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse und Beantwortung der Ausgangsfragen zur Ökonomisierung des Krieges.
7. Ausblick: Identifikation weiterer Forschungsfelder, insbesondere zur Prävention innerstaatlicher Konflikte.
Sudan, neue Kriege, Kriegsökonomie, Gewaltmärkte, Erdöl, Rent-Seeking, SPLM/A, Al Bashir, politische Ökonomie, Ressourcenkonflikt, Friedensprozess, Geopolitik, Staatszerfall, Humankapital, Konfliktdynamik.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der ökonomischen Dimensionen und Interessen, die hinter dem langjährigen innerstaatlichen Krieg im Sudan stehen.
Zentrale Felder sind die Kriegsökonomie, die Rolle von Rohstoffen (insbesondere Erdöl), die Instrumentalisierung von ethnischen Differenzen und die Interessen externer Akteure.
Das Ziel ist es zu analysieren, ob und wie wirtschaftliche Interessen den Verlauf des Konflikts bestimmen und ob einige Akteure vom Krieg profitieren und somit Frieden verhindern.
Die Arbeit verfolgt eine deduktive Vorgehensweise und nutzt Sekundärliteratur sowie Berichte von Organisationen wie der UN und Human Rights Watch, um die ökonomischen Dimensionen des Konflikts zu untersuchen.
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung Sudans, die Rolle der am Konflikt beteiligten Akteure und untersucht empirisch die Mechanismen der Kriegsfinanzierung, wie Raub, Ausbeutung von Hilfsgütern und Erdölexploitation.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kriegsökonomie, neue Kriege, Rent-Seeking, Ressourcenkonflikte und die geopolitische Einbettung des Sudan-Konflikts charakterisiert.
Die Entdeckung von Erdöl und die anschließende Ausbeutung durch internationale Konsortien haben den Konflikt massiv verschärft, da die Kontrolle über diese Ressourcen und die damit verbundenen Einnahmen zur Finanzierung der Kriegsparteien genutzt wurden.
Die Arbeit zeigt, dass humanitäre Hilfe von verschiedenen Akteuren instrumentalisiert wurde, indem Hilfskonvois geplündert oder Hilfsgüter abgezweigt wurden, was diese Hilfe zu einer paradoxen Einnahmequelle im Krieg machte.
Der Friedensschluss ermöglichte der Regierung eine Konsolidierung ihrer Macht und die Schaffung sicherer Rahmenbedingungen für ausländische Investitionen in den Erdölsektor, ohne den Konflikt zwingend rein militärisch zu beenden.
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