Fachbuch, 2021
82 Seiten
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziele der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Wildnis: Einst Bedrohung, nun Sehnsucht – eine Kulturgeschichte der Natur
3 Wildnistypen
3.1 Berge
3.2 Dschungel
3.3 (Ur-)Wald
4 Argumentationsraum der Umweltethik
4.1 Instrumentelle anthropozentrische Werte
4.1.1 Werte aufgrund von Produktionsfunktionen
4.1.2 Werte aufgrund von Regulationsfunktionen
4.2 Eudaimonistische anthropozentrische Werte
4.2.1 Naturästhetik
4.2.2 Heimat-Argument
4.2.3 Argument der Zukunftsethik
4.2.4 Differenz-Argument
4.3 Theozentrische Werte
4.4 Physiozentrische Werte
4.4.1 Pathozentrismus/Sentientismus
4.4.2 Biozentrismus
4.4.3 Ökozentrismus
4.4.4 Holismus
5 Argumente gegen Wildnis
5.1 Instrumentelle anthropozentrische Werte
5.1.1 Werte aufgrund von Produktionsfunktionen
5.1.2 Werte aufgrund von Regulationsfunktionen
5.2 Eudaimonistische anthropozentrische Werte
5.2.1 Naturästhetik
5.2.2 Heimat-Argument
5.2.3 Argument der Zukunftsethik
5.2.4 Differenz-Argument
5.3 Theozentrische Werte
5.4 Physiozentrische Werte
5.4.1 Pathozentrismus/Sentientismus
5.4.2 Biozentrismus
5.4.3 Ökozentrismus
5.4.4 Holismus
6 Argumente für Wildnis
6.1 Instrumentelle anthropozentrische Werte
6.1.1 Werte aufgrund von Produktionsfunktionen
6.1.2 Werte aufgrund von Regulationsfunktionen
6.2 Eudaimonistische anthropozentrische Werte
6.2.1 Naturästhetik
6.2.1.1 Argument der ästhetischen Kontemplation
6.2.1.2 Aisthesis-Argument
6.2.2 Heimat-Argument
6.2.3 Argument der Zukunftsethik
6.2.4 Differenz-Argument
6.3 Theozentrische Werte
6.4 Physiozentrische Werte
6.4.1 Pathozentrismus/Sentientismus
6.4.2 Biozentrismus
6.4.3 Ökozentrismus
6.4.4 Holismus
7 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der Bewahrung von Wildnis und der Erhaltung von Kulturlandschaften. Ziel ist es, durch eine interdisziplinäre Analyse einen fundierten Einblick in das Pro und Contra von Wildnisschutz zu geben, um in gesellschaftlichen Konfliktsituationen ein tieferes Verständnis für die verschiedenen ethischen Argumentationslinien zu schaffen.
3.1 Berge
Anhand des Wildnistyps Berge lassen sich sehr gut die unterschiedlichen Auffassungen von Wildnis im Laufe der Kulturgeschichte erkennen. Berge, die einst Ort des Schreckens waren, haben sich, besonders durch Bergsteigen, Klettern, Trekking und Skifahren zu einem attraktiven Reise- und Ausflugsziel entwickelt. Bis in die frühe Neuzeit hinein wurden Berge noch als Ort des Schreckens bezeichnet und seit Luther behauptete die Natur sei durch den Sündenfall mit ins Verderben gezogen worden, verbreitete sich eine noch pessimistischere Sichtweise zu Wildnis. Hohe und raue Berge seien „nichts als Warzen auf der Oberfläche der Erde“ (Groh/Groh 1991: 113). Wildnis aus dieser Sichtweise konnte nicht als schön wahrgenommen werden (Kangler/Vicenzotti 2007: 291, Haß et al. 2012: 118 f.)
Besonders beigetragen zu einem Wandel der Wahrnehmungen hat die, um die Mitte des 17. Jahrhunderts entstandene, Physikotheologie. Entgegen der Auffassung, nach der die Natur durch den Sündenfall ins Verderben gezogen wurde, entstand hier die Sichtweise eines zweckmäßigen Schöpfungsplans Gottes (Kangler/Vicenzotti 2007: 291). Hiernach ergibt sich eine Vorstellung von einem optimal funktionierenden Zusammenhang der gesamten Natur. Auch die Wildnis, als unkultivierte und unzugängliche Natur, erhält nun Bewunderung. Um einem Hochgebirge eine solche Bewunderung zuzusprechen, reichte aber die alleinige Zweckmäßigkeit nicht aus. Eine ästhetische Auffassung von Natur entstand erst durch „die Vorstellungen eines unendlichen, allgegenwärtigen Schöpfergottes“ (Groh/Groh 1991: 122), aus der sich eine Identifizierung der Prädikate Gottes mit denen des Raumes entwickelte. Dies war der Ursprung des Naturerhabenen. Die Erhabenheit bildet die zweite zentrale Kategorie der Asthetik neben dem Schönen (Kangler/Vicenzotti 2007: 291). Im Laufe des 18. Jahrhunderts findet sich, neben einer Bewunderung der Kulturlandschaften, auch ein Gefallen an der bedrückenden und fürchterlichen Wildnis. Es entsteht eine Bewegung, nach der besonders die bisher gemiedene wilde Natur an Bedeutung und Zuneigung erlangt. Noch im gleichen Jahrhundert werden die Alpen touristisch erschlossen. Die gefährliche und schaurige Wildnis beginnt sich zu einer erhabenen Natur zu entwickeln (Kangler/Vicenzotti 2007: 291 f.).
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Ambivalenz des Begriffs Wildnis in heutigen Naturschutzdebatten und definiert das Ziel, ein interdisziplinäres Verständnis für das Für und Wider des Wildnisschutzes zu fördern.
2 Wildnis: Einst Bedrohung, nun Sehnsucht – eine Kulturgeschichte der Natur: Dieses Kapitel analysiert den historischen Wandel der Wildniswahrnehmung vom gefürchteten Ort des Bösen hin zu einem Sehnsuchtsort in der modernen Freizeitkultur.
3 Wildnistypen: Anhand der Beispiele Berge, Dschungel und (Ur-)Wald werden unterschiedliche Ausprägungen und kulturelle Deutungsmuster von Wildnis untersucht.
4 Argumentationsraum der Umweltethik: Es erfolgt eine systematische Einführung in umweltethische Kategorien wie anthropozentrische und physiozentrische Werte, die als Basis für die spätere Pro- und Contra-Argumentation dienen.
5 Argumente gegen Wildnis: Hier werden die Gründe dargelegt, die für eine bevorzugte Nutzung und Erhaltung von Kulturlandschaften gegenüber einer unregulierten Wildnisentwicklung sprechen.
6 Argumente für Wildnis: Dieses Kapitel beleuchtet die Gegenargumente, die den Schutz unberührter Natur aus ethischer, ästhetischer und ökologischer Sicht als notwendig erachten.
7 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass keine pauschale Lösung existiert und eine fallbezogene, interdisziplinäre Abwägung zwischen Naturschutz und der Erhaltung wertvoller Kulturlandschaften essentiell ist.
Wildnis, Naturschutz, Kulturlandschaft, Umweltethik, Anthropozentrik, Physiozentrik, Biozentrismus, Ökozentrismus, Holismus, Naturgeschichte, Nachhaltigkeit, Artensterben, Naturästhetik, Zukunftsethik, Wildnistypen.
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Begründung des Wildnisschutzes und analysiert das Spannungsfeld zwischen dem Erhalt unbeeinflusster Natur und der kulturell geprägten Nutzung der Landschaft.
Die zentralen Themen umfassen die Kulturgeschichte der Wildnis, die verschiedenen Typen von Wildnis (Berge, Dschungel, Wald) sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit umweltethischen Argumentationsmodellen.
Ziel ist es, ein umfassendes, interdisziplinäres Verständnis für das Pro und Contra von Wildnisschutz zu vermitteln, um Akzeptanzprobleme in Konfliktsituationen besser verstehen und konstruktiv angehen zu können.
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Analyse, die kulturgeschichtliche Untersuchungen mit einer kritischen Rekonstruktion umweltethischer Argumentationsmuster kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-kulturelle Einordnung, die phänomenologische Untersuchung verschiedener Wildnistypen sowie eine detaillierte philosophische Debatte, unterteilt in Argumente gegen Wildnis und Argumente für Wildnis.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Wildnis, Umweltethik, Anthropozentrik, Physiozentrik, Holismus und Kulturlandschaft definiert.
Die Arbeit betont, dass viele wertvolle Lebensräume in Deutschland erst durch jahrhundertelange menschliche Bewirtschaftung entstanden sind. Ein reiner Fokus auf Wildnisentwicklung könnte diese kulturell und ökologisch bedeutsamen Lebensräume gefährden.
Die Zukunftsethik fordert eine Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen ein. Da die Folgen der Verwilderung von Kulturlandschaften langfristig ungewiss sind, argumentiert der Autor für eine nachhaltige Pflege, um auch künftigen Menschen eine reiche Naturwelt zu hinterlassen.
Der Autor zeigt auf, dass das Heimat-Argument oft gegen Wildnisgebiete ins Feld geführt wird, da Menschen eine emotionale Bindung zur gewohnten Kulturlandschaft haben. Der Schutz von Wildnis wird dabei teilweise als Bedrohung der vertrauten Identität wahrgenommen.
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