Examensarbeit, 2005
98 Seiten, Note: 1,5
1. EINLEITUNG
2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
2.1. Verhaltensstörungen
2.1.1. Eine Begriffsklärung – Verhaltensstörungen
2.1.2. Erklärungsansätze für die Entwicklung von Verhaltensstörungen
2.2. Das Selbstkonzept
2.2.1. Der Begriff des Selbstkonzeptes
2.2.2. Die Entstehung von Selbstkonzepten bei Kindern und Jugendlichen
2.2.3. Bedingungsfaktoren für die Ausprägung des Selbstkonzeptes
2.3. Auswirkungen des Selbstkonzeptes auf das Verhalten eines Menschen
2.4. Der Zusammenhang zwischen dem Selbstkonzept eines Kindes bzw. Jugendlichen und der Entwicklung von Verhaltensstörungen
3. PRAKTISCHER TEIL
3.1. Fragestellung: Wie gestalten sich die Selbstkonzepte von Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensstörungen?
3.2. Untersuchungsvorgehen
3.2.1. Das Verfahren
3.2.2. Voraussetzungen für dieses Interview
3.2.3. Rahmenbedingungen
3.3. Kurzbeschreibung der Schüler für das Interview
3.4. Besonderheiten bei der Durchführung
3.5. Darstellung der Ergebnisse
3.5.1. Interview mit Marco
3.5.2. Interview mit Samuel
3.5.3. Interview mit Paul
3.5.4. Interview mit Erik
3.6. Qualitative Inhaltsanalyse
3.6.1. Leitfadenaspekte
3.6.2. Weitere Aspekte
4. INTERPRETATION DER ERGEBNISSE UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DER THEORETISCHEN GRUNDLAGEN
5. KONSEQUENZEN, EMPFEHLUNGEN, VERÄNDERUNGSVORSCHLÄGE
5.1. Modifikation subjektiver Theorien
5.3. Training von Verfahren zur Selbsteinschätzung
5.2. Bewusstmachung persönlicher Ressourcen
6. ZUSAMMENFASSUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht den engen Zusammenhang zwischen dem individuellen Selbstkonzept und der Entwicklung von Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Die zentrale Forschungsfrage widmet sich der Ausgestaltung der Selbstkonzepte dieser Zielgruppe und der Frage, inwiefern ein gestörtes Selbstbild ursächlich für abweichendes Verhalten ist oder durch soziale Stigmatisierungsprozesse innerhalb von Erziehungshilfesystemen verstärkt wird.
2.1.1. Eine Begriffsklärung – Verhaltensstörungen
Neben dem in der Literatur am häufigsten verwendeten Begriff Verhaltensstörungen, existieren eine Vielzahl anderer Termini, die ebenso gebräuchlich sind bzw. waren, denn der Begriff unterliegt, ebenso wie andere soziale Phänomene, historisch-kulturellen Veränderungen (vgl. Vernooij 2000, 33). Ältere Begriffe wie psychopathisch, dissoziales Verhalten, gemeinschaftsschädigend, verhaltensbehindert und schwererziehbar sind im Laufe der Zeit durch neuere ersetzt worden wie zum Beispiel Verhaltensschwierigkeit, erziehungsschwierig, Devianz, abweichendes Verhalten, emotional gestört oder verhaltensauffällig (vgl. Bach 1993, 9 und Hillenbrand 1999, 26). Der ausschließlich für Kinder, Jugendliche und Heranwachsende angewandte Begriff Verhaltensstörung, taucht erstmals 1950 als Fachterminus bei einem großen Kongress für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Paris auf und ist seitdem dominierend (vgl. Hillenbrand 1999, 29). Das Gemeinsame all dieser bislang gebräuchlichen Begriffe und ihrer Definitionen ist eine Abweichung von den so genannten normalen Verhaltensweisen (vgl. Mutzeck 2000, 18) und die Einigkeit in der Forderung, die Termini nicht als Wertung einer Person und seiner Persönlichkeit zu verstehen, sondern lediglich als eine zusammenfassende Kennzeichnung dieser von der Norm abweichenden Verhaltensweisen (vgl. Hillenbrand 1999, 27). Ein Mensch soll nicht als „verhaltensgestört“ benannt werden, sondern als ein Kind, Jugendlicher oder Heranwachsender mit Verhaltensstörungen (vgl. Hillenbrand 1999, 27). Vernooij greift in einer sehr einfachen Definition von Verhaltenstörung die Normabweichung auf:
„Unter Verhaltensstörung wird ein Verhalten verstanden, welches von den formellen Normen einer Gesellschaft und/oder den informellen Normen innerhalb einer Gruppe nicht nur einmalig und in schwerwiegendem Ausmaß abweicht.“ (Vernooij 2000, 33)
Neben der Abweichung von der Norm spielt das Ausmaß und die Zeitebene eine Rolle in dieser Definition. In der Klärung des Begriffes von Myschker findet man diese Aspekte wieder, er hat sie jedoch noch um einige Punkte ergänzt.
1. EINLEITUNG: Darstellung der zentralen Problematik und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich des Einflusses des Selbstkonzepts auf Verhaltensstörungen.
2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Umfassende Begriffsbestimmung von Verhaltensstörungen sowie theoretische Einordnung der Entwicklung und Stabilität des Selbstkonzepts im Kindes- und Jugendalter.
3. PRAKTISCHER TEIL: Durchführung und Auswertung qualitativer Interviews mit vier Schülern einer Schule für Erziehungshilfe zur explorativen Untersuchung ihrer individuellen Selbstsicht.
4. INTERPRETATION DER ERGEBNISSE UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DER THEORETISCHEN GRUNDLAGEN: Zusammenführung der theoretischen Annahmen mit den gewonnenen Interviewdaten und Reflexion über die Stigmatisierungsprozesse.
5. KONSEQUENZEN, EMPFEHLUNGEN, VERÄNDERUNGSVORSCHLÄGE: Ableitung pädagogischer Interventionsmöglichkeiten, insbesondere zur Stärkung der Selbsteinschätzung und Bewusstmachung eigener Ressourcen.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Kernergebnisse und Schlussfolgerungen zur Bedeutung einer positiven Identitätsfindung bei Schülern mit Verhaltensstörungen.
Selbstkonzept, Verhaltensstörungen, Erziehungshilfe, Qualitative Inhaltsanalyse, Stigmatisierung, Subjektive Theorien, Selbstbild, Handlungsmodell, Erziehungsstil, Resilienz, Identitätsentwicklung, Sozialverhalten, Selbstwirksamkeit, Kindesentwicklung, Pädagogische Intervention.
Die Arbeit untersucht das Selbstkonzept von Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensstörungen und den wechselseitigen Zusammenhang zwischen dieser inneren Sichtweise und ihrem tatsächlichen Sozialverhalten.
Im Zentrum stehen die theoretischen Grundlagen zu Verhaltensstörungen und Selbstkonzepten, die methodische Durchführung qualitativer Interviews mit betroffenen Schülern sowie die daraus abgeleiteten pädagogischen Empfehlungen.
Die Forschungsfrage lautet, wie sich die Selbstkonzepte von Kindern mit Verhaltensstörungen gestalten und ob das bestehende Selbstbild als ursächlich für das abweichende Verhalten angesehen werden kann.
Die Arbeit nutzt ein qualitatives Forschungsdesign mit strukturierten Interviews, deren Ergebnisse mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet und systematisch gebündelt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Theoriearbeit sowie den praktischen Teil, in dem die Lebensrealität und Selbstwahrnehmung von vier Schülern durch Interviews exploriert und interpretiert werden.
Wichtige Fachbegriffe sind Selbstkonzept, Verhaltensstörung, Stigmatisierung, Kausalattribution, Identitätsentwicklung und die Theorie subjektiver Theorien.
Die Untersuchung zeigt, dass die befragten Jungen dazu neigen, Misserfolge "internal" zu attribuieren, was das Risiko für eine sich selbst erfüllende Prophezeiung erhöht, wenn sie sich als unfähig oder wertlos empfinden.
Obwohl die kleine Gruppe der vier Jungen keine repräsentative Allgemeingültigkeit beanspruchen kann, verdeutlicht sie die Tendenz, dass Schüler in Erziehungshilfesystemen oft ein schwieriges Selbstbild haben und Unterstützung beim Erkennen eigener Ressourcen benötigen.
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