Bachelorarbeit, 2017
82 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Wissensstand
2.1 Sexualität
2.2 Sexualität in unterschiedlichen Lebensphasen
2.2.1 Kindliche Sexualität
2.2.2 Kinder in der Vorpubertät
2.2.3 Jugendliche Sexualität
2.2.4 Erwachsene Sexualität
2.3 Sexuelle Übergriffe, sexuelle Grenzverletzung, sexuelle Gewalt, sexueller Missbrauch?
2.3.1 Sexuell belästigendes Verhalten (sexual harassment) / sexuell grenzverletzendes Verhalten
2.3.2 Sexuelles Problemverhalten
2.3.3 Sexuelle Übergriffe / sexuell aggressives Verhalten / sexuelle Gewalt
2.3.4 Sexueller Missbrauch
2.3.5 Hands-on / Hands-off-Taten
2.3.6 Peer offenders und child offenders
2.4 Rechtliche Aspekte
2.5 Rahmenbedingungen einer stationären Wohngruppe der Jugendhilfe
3. Hintergründe von sexuellen Übergriffen durch Kinder und Jugendliche
3.1 Warum kommt es zu sexuellen Übergriffen – Risikofaktoren
3.2 Sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen wahrnehmen
3.3 Übergriffige Kinder und Täterinnen oder Täter
3.3.1 Täterstrategien
3.3.2 Testerinnen oder Tester oder Täterinnen oder Täter
3.3.3 Täterinnen
3.3.4 Übergriffe unter Geschwistern
3.4 Folgen sexueller Übergriffe
4. Fachlicher Umgang mit sexuellen Übergriffen unter Kindern und Jugendlichen
4.1 Einschätzung von sexuellen Übergriffen
4.2 Auswirkungen unterschiedlicher Intensitäten auf die Beurteilung sexueller Übergriffe
4.3 Ablauf zum Vorgehen bei sexuellen Übergriffen unter Kindern und Jugendlichen
4.4 Umgang mit sexuellen Übergriffen
4.4.1 Umgang mit dem betroffenen Kind/Jugendlichen (Opfer)
4.4.2 Umgang mit dem übergriffigen Kind/Jugendlichen (Täter)
4.4.3 Umgang in der Wohngruppe
4.4.4 Umgang mit Eltern/Zusammenarbeit
5. Prävention
5.1 Stabile Beziehungen, sichere Bindung
5.2 Stärkung der Persönlichkeit
5.3 Empathiefähigkeit
5.4 Klare Haltung
5.5 Intervention
5.6 Rollenklischees auflösen
5.7 Sexualerziehung – sexuelle Bildung
5.8 Strukturelle Prävention – Rahmenbedingungen
6. Schlussfolgerung
Die Arbeit untersucht die Problematik sexueller Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen in stationären Wohngruppen der Jugendhilfe. Ziel ist es, professionelle Handlungsstrategien und notwendige Rahmenbedingungen zu identifizieren, die pädagogische Fachkräfte befähigen, solche Übergriffe frühzeitig wahrzunehmen, angemessen zu intervenieren und präventiv tätig zu werden.
3.3.1 Täterstrategien
Finkelhor (1998) stellte fest, dass alle Täterinnen oder Täter ein bestimmtes Muster durchlaufen, bis es zum tatsächlichen Übergriff kommt. Dieses Muster hat er in vier Stufen beschrieben (vgl. Egli-Alge 2014, S. 32):
„Stufe 1: Gedanken und Phantasien über sexuellen Missbrauch Stufe 2: Überwinden von internen Hemmungen - die Gewissensstufe Stufe 3: Überwinden von externen Hemmungen - die Planungsstufe Stufe 4: Überwinden des Widerstands des Opfers" (Finkelhor 1998 zitiert nach: Egli-Alge 2014, S. 32).
In der dritten Stufe kommt es konkret zur Planung eines sexuellen Übergriffs. In dieser Phase spricht man auch von Grooming und beschreibt den Prozess zur Vorbereitung der Tat. Dazu werden verschiedene Strategien angewendet, um an das Ziel der (kurzfristigen) Bedürfnisbefriedigung zu kommen (vgl. Kohlhofer u. a. 2008, S. 46, zitiert nach Egli-Alge 2004):
„Vertrauen und Abhängigkeit schaffen Macht durch Geheimnisse/Verträge erlangen Manipulieren/Instrumentalisieren Druck ausüben/erpressen Verdunkeln/unglaubwürdig machen“ (Finkelhor 1984 zitiert nach: Kohlhofer u. a. 2008, S. 45).
Diese Strategien dienen dazu, die ‚Schwachstellen‘ des Opfers und der Umgebung herauszufinden. Täterinnen oder Täter täuschen und verwirren das Opfer und ihre Umgebung nach ihren Bedürfnissen. Dadurch verhindern sie eine Aufdeckung und erlangen Macht durch Geheimnisse. Kommt es doch zu einer Aufdeckung, wälzen die Täterinnen oder Täter die Verantwortung des sexuellen Übergriffs auf „… die Opfer, die Gesellschaft, die Familie, die Anderen, den Alkohol/Drogen, die Kindheit, die Mutter, die Kollegen, die Überforderung etc. …“ (Kohlhofer u. a. 2008, S. 48) ab. Dass sie selbst die Verantwortung übernehmen, ist selten (vgl. ebd., S. 47f.).
Des Weiteren ist es wichtig zu wissen, dass zu jedem Tatzeitpunkt auch jugendlichen Tätern bewusst ist, dass sie Grenzen überschreiten und es Unrecht ist, was sie tun. Sie haben zu jedem Zeitpunkt die Macht über sich und darüber, wie sie über ihr Verhalten entscheiden. Was jugendlichen Tätern teilweise (noch) unbewusst ist, ist der Planungsprozess vor einer Tat. Dies kann sich verändern, wenn die Täterinnen oder Täter in ihrem Tun gestoppt werden (vgl. hierzu insg. Kohlhofer u. a. 2008, S. 49).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des Themas sexuelle Gewalt in der Jugendhilfe und formuliert die Forschungsfrage zur Wahrnehmung und Prävention von Übergriffen.
2. Wissensstand: Dieses Kapitel vermittelt ein theoretisches Grundverständnis zu Sexualität in verschiedenen Lebensphasen, definiert fachliche Begriffe wie Grenzverletzung oder Übergriff und erläutert rechtliche sowie strukturelle Rahmenbedingungen.
3. Hintergründe von sexuellen Übergriffen durch Kinder und Jugendliche: Hier werden Risikofaktoren, Täterstrategien, Machtgefälle und die spezifischen Dynamiken bei Übergriffen unter Geschwistern oder innerhalb von Gruppen analysiert.
4. Fachlicher Umgang mit sexuellen Übergriffen unter Kindern und Jugendlichen: Das Kapitel bietet konkrete Handlungshilfen, von der Einschätzungssituation über Ablaufschemata bei Vorfällen bis hin zur professionellen Kommunikation mit Betroffenen, Tätern und Eltern.
5. Prävention: Es werden verschiedene präventive Bausteine vorgestellt, die von der Beziehungsarbeit bis zur strukturellen institutionellen Absicherung reichen, um eine sichere Umgebung zu schaffen.
6. Schlussfolgerung: Die Arbeit fasst zusammen, dass kein Patentrezept existiert, betont aber die Notwendigkeit einer dauerhaften, fachlich fundierten Auseinandersetzung und kontinuierlichen Sensibilisierung im pädagogischen Alltag.
Sexuelle Übergriffe, Jugendhilfe, Wohngruppe, Prävention, Grenzverletzung, Kindeswohlgefährdung, Pädagogische Fachkräfte, Sexualerziehung, Täterstrategien, Intervention, Machtgefälle, Adoleszenz, Kinderschutz.
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Umgang und der Prävention von sexuellen Übergriffen durch Kinder und Jugendliche innerhalb von stationären Wohngruppen der Jugendhilfe.
Zu den Kernbereichen gehören das Verständnis von kindlicher und jugendlicher Sexualität, die Abgrenzung zwischen einvernehmlichem Verhalten und Übergriffen, rechtliche Grundlagen sowie konkrete Handlungskonzepte für pädagogische Fachkräfte.
Die Autorin untersucht, welche Maßnahmen und Rahmenbedingungen in einer Wohngruppe erforderlich sind, um sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen rechtzeitig wahrzunehmen und diese möglichst zu verhindern.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und dem Transfer theoretischer Erkenntnisse in den pädagogischen Alltag der stationären Jugendhilfe, unter Einbezug von anonymisierten Beispielen aus der eigenen Berufspraxis der Autorin.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Wissensbasis (Sexualentwicklung, Definitionen), eine Analyse der Hintergründe (Risikofaktoren, Täterstrategien) sowie eine detaillierte Ausarbeitung des fachlichen Umgangs (Einschätzung, Interventionsschritte, Elternarbeit) und präventiver Strukturen.
Die Arbeit ist geprägt durch Fachbegriffe wie Grenzverletzung, Hands-on/Hands-off-Taten, pädagogische Haltung, Kinderschutzauftrag, Risikofaktoren und präventive Schutzkonzepte.
Die Arbeit nutzt Klassifizierungen, etwa nach Finkelhor oder Egli-Alge, die verschiedene Stufen (von sexualisierten Beleidigungen bis hin zu penetrativen Handlungen oder Gewaltanwendung) zur Einschätzung der Intensität definieren.
Die Zusammenarbeit mit den Eltern wird als kritischer Erfolgsfaktor eingestuft, wobei Transparenz, sachliche Information und der Fokus auf das Kindeswohl auch bei der Einbindung von Eltern übergriffiger Kinder im Vordergrund stehen.
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