Diplomarbeit, 2006
116 Seiten, Note: 1,15
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1 Einleitung
1.1 Fragestellung und Aufbau
1.2 Begriffsabgrenzungen
2 Deutsche Umfrageforschung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs
2.1 Erste Umfragen in der Kaiserzeit
2.2 Anfänge akademischer Sozialforschung in der Weimarer Zeit
2.3 Umfrageforschung im Nationalsozialismus
2.3.1 Die Frage nach der Kontinuität empirischer Sozialforschung
2.3.2 Die Institutionalisierung der Marktforschung
3 Umfrageforschung in den USA
3.1 Der Ursprung der amerikanischen Umfrageforschung
3.2 The Polish peasant in Europe and America
3.3 Methodische Innovationen
3.3.1 Skalentechnik
3.3.2 Die Entdeckung der Repräsentativität
4 Amerikanische Umfrageforschung in Deutschland
4.1 Das Re-Education-Konzept
4.2 Die Umfrageforschung der amerikanischen Streitkräfte
4.3 Ziele der amerikanischen Surveys und die Einbeziehung deutscher Wissenschaftler
5 Die Entstehung und Etablierung einer eigenständigen deutschen Umfrageforschung
5.1 Weinheim und die Diskussion über das richtige Auswahlverfahren
5.2 Akademische Umfrageforschung
5.2.1 Zwei Gründungsphasen
5.2.2 Die Blütezeit
5.3 Institutionelle und methodische Entwicklung der Markt- und Meinungsforschung
5.3.1 Institutionelle Entwicklung
5.3.2 Methodische Entwicklung
5.4 Meinungsforschung
5.4.1 Pro und Contra „Meinungsforschung“
5.4.2 Theorien über Beeinflussung durch Meinungsforschung
5.4.3 Der Einsatz von Umfragen im politischen Alltag
5.4.4 Meinungsforschung und die Parteien
6 Schlussbetrachtung und Ausblick
Diese Arbeit legt eine historische Studie zur Entwicklung der modernen Umfrageforschung in Deutschland von den 1930er bis in die 1970er Jahre vor. Dabei wird untersucht, ob sich die Entwicklung als kontinuierlicher Prozess darstellen lässt oder von systematischen Brüchen gekennzeichnet ist, wobei insbesondere die Rolle von Kulturtransfer aus den USA beleuchtet wird.
3.3.1 Skalentechnik
Die Ausbreitung empirischer Untersuchungen regte zwangsläufig auch methodische Innovationen an. Im Mittelpunkt stand dabei besonders die Idee der Quantifizierung, d.h. die Umwandlung qualitativer Daten in quantitative. Diese versprach eine deutliche Optimierung der Messbarkeit und Verbesserungen bei der Datenaufnahme und -aufbereitung durch mehr Möglichkeiten zur Anwendung mathematischer Verfahren.105
Der erste systematische Ansatz zur Konstruktion einer Einstellungs-Skala zur Messung der sozialen Distanz wurde von Emory BOGARDUS106 1926 vorgelegt. Die theoretische Basis zur Einstellungs-Messung legte Adolphe QUÊTELET, in dem er die grundsätzliche Möglichkeit der Messung des gesamten menschlichen Verhaltens formulierte:107 „Mit den moralischen Fähigkeiten steht es […] ungefähr ebenso wie mit den physischen, und man kann sie unter der Voraussetzung schätzen, daß sie im Verhältnis zu ihren Wirkungen stehen.“108
„Soziale Distanz“ bezeichnet bei BOGARDUS einen Indikator, der die Einstellung einer Person zu einer bestimmten Gruppe (z.B. einer nationalen Minorität) wieder gibt. Dabei gilt das Kontaktverhältnis109 als Maßstab, mit dessen Hilfe die soziale Distanz erfasst werden kann. BOGARDUS unterschied bei der Messung der Kontaktdichte sieben Intimitätsgrade, die anschließend 110 Amerikanern vorgelegt wurden. Mit Hilfe dieser Skala sollten sie jeweils ihr Verhältnis zu anderen Nationen ausdrücken. Obgleich die Mängel der Skala, beispielsweise die Frage, ob die Abstände zwischen den Einstellungsgraden wirklich groß sind, erkannt wurden, übte die Skala eine große Anziehungskraft auf Einstellungsforscher aus.110
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die historische Entwicklung der Umfrageforschung in Deutschland ein und begründet die gewählte Zeitspanne sowie die Einteilung in Phasen.
2 Deutsche Umfrageforschung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs: Das Kapitel behandelt die frühen Ansätze in der Kaiserzeit, die Weimarer Zeit und die kritische Situation während der NS-Diktatur.
3 Umfrageforschung in den USA: Hier werden die methodischen Entwicklungen und Pionierarbeiten in den USA analysiert, die maßgeblich die moderne Umfrageforschung prägten.
4 Amerikanische Umfrageforschung in Deutschland: Dieses Kapitel beschreibt den Kulturtransfer amerikanischer Methoden nach Deutschland durch die Besatzungsbehörden nach dem Zweiten Weltkrieg.
5 Die Entstehung und Etablierung einer eigenständigen deutschen Umfrageforschung: Es wird die Etablierung der akademischen und privatwirtschaftlichen Institute sowie die Entwicklung der Meinungsforschung in der Bundesrepublik analysiert.
6 Schlussbetrachtung und Ausblick: Eine abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse zur Entwicklung der Umfrageforschung in Deutschland und ein Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Umfrageforschung, empirische Sozialforschung, Marktforschung, Meinungsforschung, Repräsentativität, Stichprobenverfahren, Kulturtransfer, Historische Studie, USA, Deutschland, Nachkriegszeit, Wahlforschung, Skalentechnik, Demoskopie, Soziologie.
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der Umfrageforschung in Deutschland von den 1930er bis in die 1970er Jahre, insbesondere unter Berücksichtigung von Phasenbrüchen und dem Einfluss internationaler Entwicklungen.
Die Studie deckt drei Hauptbereiche ab: die akademische empirische Sozialforschung, die privatwirtschaftliche Marktforschung und die politische Meinungsforschung.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob die Entwicklung der Umfrageforschung ein kontinuierlicher Prozess war oder durch historische Zäsuren, wie das NS-Regime oder den Einfluss der amerikanischen Besatzungsmacht, maßgeblich unterbrochen und neu geformt wurde.
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die institutionelle Veränderungen, methodische Innovationen (wie Stichprobenverfahren) und fachspezifische Diskursentwicklungen darstellt.
Der Hauptteil gliedert sich in vier Teile, die chronologisch die Entwicklungen in Deutschland bis 1945, die Fortschritte in den USA, die amerikanische Beeinflussung in Deutschland nach 1945 sowie die Etablierung einer eigenständigen deutschen Forschung bis in die 1970er Jahre beschreiben.
Die wichtigsten Schlagworte sind Umfrageforschung, empirische Sozialforschung, Kulturtransfer, Repräsentativität und Demoskopie.
Die Arbeit reflektiert die hitzige wissenschaftliche Debatte darüber, ob von einer faktischen Auflösung der Soziologie oder einer erzwungenen Formierung unter dem Nationalsozialismus gesprochen werden muss.
Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) spielte durch den Beratervertrag mit Erich Peter Neumann eine zentrale Rolle in der demoskopischen Beratung von Konrad Adenauer.
Der Sponsorship effect bezeichnet den Einfluss, den die Nationalität des Interviewers – in diesem Fall deutsch oder amerikanisch – auf das Antwortverhalten der Befragten bei der politischen Meinungsforschung haben konnte.
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