Examensarbeit, 2006
66 Seiten, Note: 2,0
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
Vorwort
1. Kanon und Kanonbildung
1.1 Definitionen und Probleme
1.2 Zur Geschichte des Kanons im Literaturunterricht
1.3 Die aktuelle Kanondiskussion
1.3.1 Argumente der Kanongegner
1.3.2 Argumente der Kanonbefürworter
1.4 Gegenwärtige Tendenzen in der Kanonbildung
1.4.1 Der Weg ist das Ziel – Ziele und Inhalte
1.4.1.1 Ich-Identität und Bildung als Voraussetzung von Persönlichkeitsbildung
1.4.2 Die zentrale Stellung des Deutschunterrichts bei der Persönlichkeitsbildung
1.4.3 Ausgewählte Kanonvorschläge
1.4.3.1 Konrad-Adenauer-Stiftung: Lektüreempfehlungen
1.4.3.2 Die Zeit-Schülerbibliothek
1.4.3.3 Marcel-Reich-Ranicki: Arche Noah der Bücher
1.5 Fazit
2. Literarische Kanonbildung durch curriculare Vorgaben in Lehrplänen für Gymnasien am Beispiel der deutschsprachigen Literatur ab dem 20. Jahrhundert
2.1 Methodischer Ansatz und Vorgehensweise
2.2 Die Bildungspläne in den Bundesländern – Ein vergleichender Überblick
2.2.1 Verbindlichkeit und Einordnung der empfohlenen Literatur
2.2.2 Umfang der Literaturlisten
2.2.3 Die Bedeutung von DDR-Literatur
2.2.4 Anzeichen der Einigkeit
2.3 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der literarischen Kanonbildung in den gymnasialen Lehrplänen der deutschen Bundesländer. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, inwiefern verbindliche Literaturempfehlungen existieren, welchen Umfang diese haben und ob es trotz regionaler Unterschiede übereinstimmende Tendenzen in der schulischen Literaturrezeption gibt, insbesondere im Hinblick auf Literatur ab dem 20. Jahrhundert und den Stellenwert von DDR-Literatur.
1.2 Zur Geschichte des Kanons im Literaturunterricht
Jörg-Dieter Gauger und Josef Kraus sprechen in der Onlinedokumentation „Initiative Bildung der Persönlichkeit“, das schulpolitische Grundsatzpapier der Konrad-Adenauer-Stiftung, von einer Vielzahl an „Fehlentwicklungen“ im Bildungs- und Wissenschaftssektor, die ein „unbestreitbares Erbe von 1968“ sind. Doch wie kam es zu diesen Entwicklungen?
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte das umfangreiche Studium antiker Literatur zur rhetorisch-stilistischen Schulung von Gymnasiasten. Deutsche Werke wurden zwar behandelt, spielten aber eine untergeordnete Rolle.
Um 1850 kam es zu einer Neuorientierung des Literaturunterrichts. Es bildete sich ein nationaler Schulkanon zugunsten „eines selbstständigeren, literaturhistorisch orientierten Lektüreunterrichts“ aus, der Eingang in den Literaturunterricht von Gymnasien und Realschulen fand. Der Kanon als normatives Instrument hielt sich, trotz entsprechender Akzentuierungen durch die jeweiligen Herrschaftsformen, mit einer gewissen Kontinuität. Die Orientierung an kanonischen Vorgaben war die gängige Praxis im Literaturunterricht. Die gemeinsame Überzeugung in der Gesellschaft, dass man „feste Traditionen pflegt und ihr Selbstverständnis teils aus der Literatur gewinnt, teils an ihr demonstriert“, schaffte die nötige Legitimation für die Existenz eines Kanons.
1. Kanon und Kanonbildung: Dieses Kapitel erläutert die etymologischen und theoretischen Grundlagen des Kanonbegriffs, diskutiert die aktuelle Kanondebatte zwischen Befürwortern und Gegnern und stellt gegenwärtige Tendenzen in der Kanonbildung vor.
2. Literarische Kanonbildung durch curriculare Vorgaben in Lehrplänen für Gymnasien am Beispiel der deutschsprachigen Literatur ab dem 20. Jahrhundert: Der Hauptteil der Arbeit analysiert methodisch die verschiedenen Bildungspläne der Bundesländer, vergleicht den Umfang und die Verbindlichkeit der Literaturempfehlungen und untersucht gezielt die Bedeutung von DDR-Literatur sowie Anzeichen eines gemeinsamen Schulkanons.
Kanonbildung, Literaturunterricht, Bildungspläne, Literaturgeschichte, Deutschunterricht, DDR-Literatur, Lesekompetenz, Klassiker, Curriculum, Literaturdidaktik, Schulkanon, Bildungsauftrag, Kanondebatte, Lektüreempfehlung, Literaturtradition.
Die Arbeit befasst sich mit dem Thema der literarischen Kanonbildung durch curriculare Vorgaben in den Lehrplänen für Gymnasien, insbesondere im Kontext der Literatur ab dem 20. Jahrhundert.
Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Fundierung von Literaturkanones, die Analyse der unterschiedlichen Lektürevorgaben der 16 deutschen Bundesländer sowie die Debatte über den Verlust an Literaturtradition im schulischen Unterricht.
Das Hauptziel besteht darin, anhand einer Analyse der aktuellen Bildungspläne zu klären, ob es verbindliche Literaturvorgaben gibt und ob ein länderübergreifender, faktischer Schulkanon für das 20. Jahrhundert existiert.
Die Autorin verwendet einen vergleichenden, quantitativen Analyseansatz, bei dem sie die Bildungspläne aller 16 Bundesländer systematisch auf Autoren-, Werk- und Genre-Nennungen hin auswertet und filtert.
Der Hauptteil konzentriert sich auf den methodischen Vergleich der Bildungspläne, die Kategorisierung der Literatur nach Verbindlichkeit, Entstehungszeit und die statistische Auswertung der Nennungen, inklusive einer speziellen Analyse der DDR-Literatur.
Wesentliche Begriffe sind Kanonbildung, Literaturdidaktik, Schulkanon, DDR-Literatur und Curriculare Vorgaben.
Die Untersuchung zeigt, dass die neuen Bundesländer im Durchschnitt deutlich mehr Werke der DDR-Literatur in ihren Curricula empfehlen als die alten Bundesländer, was als Spiegelung unterschiedlicher historischer Traditionen interpretiert wird.
Obwohl es keinen offiziell postulierten, bundesweiten Lektüreplan gibt, zeigt die Analyse eine Schnittmenge an Nennungen, die auf einen "heimlichen" oder unausgesprochenen Mindestkanon für das 20. Jahrhundert schließen lässt.
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