Magisterarbeit, 1993
160 Seiten, Note: 1,0
1. Teil
1. Problemstellung
1.1 Einführung
1.2 Thema, methodischer Ansatz, Quellen
1.3 Zu den Begriffen "Spätzeit" und "Archaismus"
2. Forschungsstand und Interpretationen
2.1 Einführung
2.2 Zu den Interpretationen des Archaismus
2.2.1 Adolf Erman
2.2.2 Hermann Junker
2.2.3 Walther Wolf
2.2.4 John A. Wilson
2.2.5 Hermann Kees
2.2.6 Eberhard Otto
2.2.7 Hellmut Brunner
2.2.8 Jan Assmann
2.3 Resumée
2. Teil
3. Grundlagen
3.1 Einführung
3.2 Soziale Systeme, Gesellschaft und Interaktion
3.3 Kulturelle Konstanz und Tradition
3.4 Sozialer Wandel und soziale Veränderungen
3.5 Ethnozentrismus und Revitalisationsbewegungen
3.6 Resumée
4. Zu den gesellschaftlichen Veränderungen
4.1 Einführung
4.2 Geschichtlicher Abriß der 21.-26. Dynastie
4.3 Zur Individualisierung
4.3.1 Zur Religion
4.3.2 Zur Bildniskunst und Literatur
4.3.3 Zu den Gräbern
4.4 Resumée
5. Zur Selbstbeschreibung der herrschaftstragenden Elite
5.1 Einführung
5.2 Zu den Reinheitsvorstellungen
5.3 Zur Literalität
5.4 Zur Legitimation
5.5 Resumée
Die vorliegende Arbeit untersucht den altägyptischen Archaismus in der Spätzeit nicht als isoliertes Phänomen, sondern als einen Ausdruck sozialer Veränderungen und Anpassungsprozesse innerhalb der herrschaftstragenden Elite. Dabei wird hinterfragt, inwiefern diese Rückgriffe auf alte Kulturelemente als Reaktion einer Elite zu verstehen sind, die ihre Privilegien und ihre gesellschaftliche Sonderstellung gegenüber einer sich wandelnden Umwelt absichern wollte.
1.1 Einführung
Keinem Bearbeiter der altägyptischen Geschichte ist der Archaismus, d.h. das Zurückgreifen auf alte Kulturelemente, als ein Charakteristikum der Spätzeit entgangen. Es gibt so viele unterschiedliche Ansichten zum Archaismus und seinen Erscheinungsformen wie es Bearbeiter gibt. In "Zum Verständnis der archaisierenden Tendenzen in der ägyptischen Spätzeit", der ersten konkreten Analyse des Phänomens, schreibt Brunner: All diese Erscheinungen sind dem Fachmann wohlbekannt.... Mannigfaltig in Grundsatz wie in Nuancen sind die in der Forschung bisher vertretenen Deutungsversuche. (Brunner 1970, 155)
Deutungen der Erscheinungsformen, wie sie in der Nachfolge so bedeutender Ägyptologen wie Adolf Erman oder Gaston Maspero schon seit der Jahrhundertwende (modifiziert) übernommen wurden, sind heute in erster Linie wissenschaftsgeschichtlich interessant. Bis zu den siebziger Jahren wurden zwar die Ausdrucksformen des Archaismus in Kunst oder Literatur untersucht, nicht jedoch der spätzeitliche Archaismus als kulturelles Phänomen.
Der Spätzeit wurde seitens der Ägyptologie in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwar eine immer größer werdende Bedeutung zugesprochen, die Herangehensweise an den Archaismus als ägyptologischen Forschungsgegenstand ist heute dennoch grundsätzlich keine andere, als sie es vor den siebziger Jahren war. Auch in neueren, zeitlich und thematisch sehr begrenzten Untersuchungen werden die Formen des spätzeitlichen Archaismus nicht in einen größeren Kontext gebracht.
1. Problemstellung: Dieses Kapitel führt in das Thema des Archaismus ein und definiert die methodische Zielsetzung, das Phänomen unter soziologischen Gesichtspunkten zu betrachten.
2. Forschungsstand und Interpretationen: Hier werden die bisherigen Deutungsansätze in der Ägyptologie chronologisch dargestellt und kritisch hinterfragt.
3. Grundlagen: Die theoretischen Ansätze der Systemtheorie werden eingeführt, um den Archaismus als sozialen Anpassungsprozess zu definieren.
4. Zu den gesellschaftlichen Veränderungen: Dieses Kapitel beleuchtet historische Prozesse wie die Individualisierung und ihre Auswirkungen auf das Herrschaftssystem.
5. Zur Selbstbeschreibung der herrschaftstragenden Elite: Hier wird untersucht, wie die Elite sich durch Reinheitsvorstellungen, Schriftlichkeit und Legitimation als exklusive Gruppe gegenüber der Gesellschaft abgrenzt.
Archaismus, Altägypten, Spätzeit, Herrschaftssystem, Systemtheorie, Individualisierung, Revitalisierung, Elite, Soziokultureller Wandel, Identität, Priesterschaft, Legitimation, Tradition, Kultursystem, Macht.
Die Arbeit untersucht den spätzeitlichen Archaismus als Ausdruck eines sozialen Anpassungsprozesses der herrschaftstragenden Elite.
Zentral sind der Archaismus, die Rolle der Elite, soziale Veränderungen in der Spätzeit, Systemtheorie und Identitätssicherung.
Das Ziel ist ein neuer Deutungsversuch des Archaismus, der ihn von einer bloßen "rückwärtsgewandten Mode" zu einem aktiven sozialen Instrument der Elite erhebt.
Es werden soziologische Ansätze, insbesondere die Systemtheorie nach Niklas Luhmann und historische Analysen nach Gunter Dux, herangezogen.
Im Hauptteil werden die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Individualisierung und die verschiedenen Strategien der Elite zur Abgrenzung und Legitimation detailliert analysiert.
Wichtige Begriffe sind Archaismus, Herrschaftssystem, Priesterschaft, Individualisierung, Identität und soziale Abgrenzung.
Die Priester verfügten als "literale Elite" über den exklusiven Zugang zu alten Wissensbeständen und konnten durch die Kontrolle von Riten und Texten ihre privilegierte Stellung sichern.
Im Gegensatz zu früheren Theorien, die den Archaismus als "Niedergang" oder "Angstpsychose" deuteten, sieht die Autorin darin eine bewusste und organisierte Strategie der Elite zur Wahrung der sozialen Differenzierung.
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