Wissenschaftlicher Aufsatz, 1994
37 Seiten
1. Einführung
1.1 Zu den Begriffen "Spätzeit" und "Archaismus"
2. Zur Anwendung von Interpretationen
2.1 Adolf Erman
2.2 Walther Wolf
2.3 John A. Wilson
2.4 Hellmut Brunner
2.5 Resumée
3. Zu den Grundlagen der neuen Interpretation
3.1 Einführung
3.2 Soziale Systeme
3.3 Kulturelle Konstanz und Tradition
3.4 Sozialer Wandel und soziale Veränderungen
3.5 Ethnozentrismus und Revitalisationsbewegungen
3.6 Resumée
4. Zu verschiedenen Aspekten der neuen Interpretation
4.1 Einführung
4.2 Zur Individualisierung innerhalb der Religion
4.3 Zur grenzmarkierenden Funktion der Körpersymbolik
4.4 Zur grenzmarkierenden Funktion der Schrift
4.5 Zur Legitimation der Herrschaftsträger
4.6 Resumée
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den altägyptischen Archaismus der Spätzeit jenseits rein ägyptologischer Deutungen durch soziologische und ethnologische Ansätze neu zu interpretieren. Die Forschungsfrage untersucht, ob der Archaismus als bewusster Anpassungsprozess des Herrschaftssystems an sich verändernde gesellschaftliche Bedingungen und als Strategie zur Sicherung elitärer Privilegien verstanden werden kann.
1. Einführung
Keinem Bearbeiter der altägyptischen Geschichte ist der Archaismus, d.h. das Zurückgreifen auf alte Kulturelemente, als ein Charakteristikum der Spätzeit entgangen. Es gibt so viele unterschiedliche Ansichten zum Archaismus und seinen Erscheinungsformen wie es Bearbeiter gibt, jedoch sind die Deutungen der Erscheinungsformen, wie sie in der Nachfolge so bedeutender Ägyptologen wie Adolf Erman oder Gaston Maspero schon seit der Jahrhundertwende (modifiziert) übernommen wurden, heute in erster Linie wissenschaftsgeschichtlich interessant. Bis zu den siebziger Jahren dieses Jahrhunderts wurden zwar die Ausdrucksformen des Archaismus in Kunst oder Literatur untersucht, nicht jedoch der spätzeitliche Archaismus als kulturelles Phänomen.
Der Spätzeit wurde seitens der Ägyptologie in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwar eine immer größer werdende Bedeutung zugesprochen, die Herangehensweise an den Archaismus als ägyptologischen Forschungsgegenstand ist heute dennoch grundsätzlich keine andere, als sie es vor den siebziger Jahren war. Auch in neueren, zeitlich und thematisch sehr begrenzten Untersuchungen werden die Formen des spätzeitlichen Archaismus nicht in einen größeren Kontext gebracht. Hier setzt die vorliegende Arbeit an: mittels soziologischer und ethnologischer Ansätze soll ein neuer Deutungsversuch des Archaismus dargestellt werden.
Zunächst sei der Begriff "Revitalisierung" eingeführt. Revitalisieren meint Wiederbeleben. Alte Kulturelemente werden aufgegriffen und neu belebt, d.h. sie werden mit neuen Inhalten gefüllt: "Wiederbelebung eines Vergangenen bedeutet auch bereits Umdeutung, denn ein kultureller Habitus, der nur noch in der Erinnerung besteht, ist, 'wiederbelebt', nicht mehr mit sich identisch".
1. Einführung: Die Autorin legt die Problematik der bisherigen Archaismus-Forschung dar und stellt ihren neuen, soziologisch orientierten Deutungsansatz vor.
2. Zur Anwendung von Interpretationen: Es werden kritisch die Ansätze bekannter Ägyptologen wie Erman, Wolf, Wilson und Brunner analysiert, deren Theorien zum Teil als überholt oder methodisch unzureichend bewertet werden.
3. Zu den Grundlagen der neuen Interpretation: Hier werden systemtheoretische Begriffe wie Gesellschaft, Kultur, soziale Systeme und Revitalisationsbewegungen definiert, um das Fundament für die Neuinterpretation zu legen.
4. Zu verschiedenen Aspekten der neuen Interpretation: Das Kapitel untersucht anhand von Religion, Körpersymbolik, Schriftgebrauch und Herrschaftslegitimation, wie die Elite den Archaismus zur sozialen Abgrenzung und zum Erhalt ihrer Privilegien einsetzte.
Archaismus, Spätzeit, Altägypten, Revitalisierung, Systemtheorie, soziale Differenzierung, Herrschaftssystem, Priesterschaft, Individualisierung, Frömmigkeit, Körpersymbolik, kulturelles Gedächtnis, Elite, Macht, Privilegien
Die Arbeit untersucht den altägyptischen Archaismus der Spätzeit nicht nur als kunsthistorisches Phänomen, sondern als soziales Anpassungsinstrument der herrschenden Elite.
Im Zentrum stehen die soziologische Analyse des Herrschaftssystems, der Wandel des Zeit- und Religionsverständnisses sowie die bewusste Nutzung von Tradition zur sozialen Abgrenzung.
Die Arbeit fragt, ob der Archaismus eine Reaktion der Elite auf den Verlust ihrer Privilegien im Zuge gesellschaftlicher Wandlungsprozesse darstellt.
Die Autorin nutzt Ansätze aus der allgemeinen Systemtheorie (N. Luhmann) und der historisch-rekonstruktiven Soziologie (G. Dux), um die bisher rein ägyptologische Forschungsperspektive zu erweitern.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen soziologischer Systeme und wendet diese auf ägyptische Phänomene wie die Individualisierung der Frömmigkeit und die Funktion der Schrift an.
Wichtige Begriffe sind Archaismus, Systemtheorie, soziale Abgrenzung, Elite, Priesterschaft und Macht/Privilegien.
Der Begriff impliziert, dass die Rückbesinnung auf alte Formen nicht zufällig geschah, sondern gezielt von der Elite gesteuert wurde, um ihre soziale Distanz zur Umwelt zu wahren.
Die Priesterschaft wird als die bedeutendste soziale Gruppe identifiziert, die den exklusiven Wissensvorrat verwaltete und den Archaismus zur Festigung ihrer eigenen Machtstellung nutzte.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

