Wissenschaftlicher Aufsatz, 2005
57 Seiten
1. Einleitung
1.1 Argumente gegen einen altägyptischen Schamanismus
1.2 Argumente für einen altägyptischen Schamanismus
2. Hinweise auf einen altägyptischen Schamanismus
2.1 Jenseitsbeschreibungen
2.2 Weltenebenen
2.3 Hilfsgeister
2.4 Seelenaspekte
2.5 Initiation: Zerstückelung und Wiedergeburt
2.6 Erleuchtung
2.7 Räumlichkeiten, Kleidung und Hilfsmittel
3. Schamanische Elemente im Totenkult und in der Medizin
3.1 Das Statuenherstellungsritual I: Kunst und Meditation
3.2 Das Statuenherstellungsritual II: Schamanismus und Wiedergeburt
3.3 Das Rezept Nr. 216 des Medizinischen Papyrus Hearst
4. Versuch einer Rekonstruktion der historischen Entwicklung des Schamanismus
5. Résumée
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Hypothese eines frühzeitigen altägyptischen Schamanismus quellenkritisch zu untersuchen und nachzuweisen, dass bestimmte rituelle Handlungen – insbesondere das Statuenherstellungsritual – als institutionalisierte Überreste schamanischer Praktiken zu verstehen sind, die im Laufe der Zeit in den offiziellen Kult integriert wurden.
2.3 Hilfsgeister
Um erfolgreich zu sein, müssen Schamanen nicht nur die Jenseitstopographie, sondern auch die verschiedenen Geister, die sich in der anderen Welt aufhalten, genau kennen. „Kein Schamane konnte bei seinen – immer auch riskanten, gefährlichen – Jenseitsreisen irgend etwas ausrichten ohne den Beistand seiner Hilfs- und Schutzgeister.“ Diese sprechen eine eigene Sprache, die nur der Schamane verstehen kann. „Die Nachahmung von Tierstimmen und der Gebrauch einer Geheimsprache bei der Sitzung ist ein weiteres Zeichen dafür, daß der Schamane zwischen den drei kosmischen Zonen Unterwelt, Erde und Himmel freie Bahn hat. Das heißt, er kann ungestraft dorthin vordringen, wo nur die Toten und die Götter Zugang haben.“
Die Aufgabe der Schamanen-Helfer besteht unter anderem darin, „während der Schamanen-Zeremonie die Geistersprache zu deuten und sie den Zuhörern verständlich zu machen (das heißt zu „übersetzen“).“ Denn, so der Ethnologe Klaus Müller, alle Geister „sprachen entweder eine allgemeine oder je spezifische ‚Geistersprache’, die der Schamane beherrschen mußte, um sich mit ihnen verständigen zu können“. Nur „in seltenen Fällen bedienten sich die Geister der Sprache der Menschen, aber in einer besonderen, nur dem Schamanen verständlichen Metaphorik.“ Dazu meint auch der Ethnologe Alfred Stolz: Der Schamane bediente sich einer altertümlichen Syntax, ungebräuchlicher Worte oder auch besonderer Begriffe, die in der Alltagssprache nicht vorkamen. Dies machte seinen Vortrag oft schwer verständlich, erhöhte aber zweifellos die Wirkung auf das Auditorium, artikulierte der Schamane sich doch in der Sprache der Jenseitigen oder sprachen gar die Geister durch seinen Mund. Einem bei der Séance assistierenden Helfer (oder im Anschluß daran ihm selbst) oblag es dann, den Sinn des Gesagten verständlich zu machen.
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die methodischen Schwierigkeiten bei der Untersuchung schamanischer Phänomene im Alten Ägypten und stellt die Forschungsfrage nach der Existenz eines solchen Schamanismus.
2. Hinweise auf einen altägyptischen Schamanismus: Dieses Kapitel prüft verschiedene Indikatoren wie Jenseitsbeschreibungen, Seelenvorstellungen und schamanische Hilfsmittel als potenzielle Relikte frühzeitlicher schamanischer Praktiken.
3. Schamanische Elemente im Totenkult und in der Medizin: Hier wird das Statuenherstellungsritual sowie medizinische Texte als schamanische Séancen und Exorzismen neu interpretiert, die über den handwerklichen Aspekt hinausgehen.
4. Versuch einer Rekonstruktion der historischen Entwicklung des Schamanismus: Dieses Kapitel zeichnet nach, wie der Schamanismus im Zuge der staatlichen Zentralisierung im Alten Reich zugunsten eines institutionalisierten Kults verdrängt wurde.
5. Résumée: Das Resümee fasst die Argumente zusammen und bekräftigt die Notwendigkeit, altägyptische Rituale unter dem Aspekt des Schamanismus neu zu bewerten, um ihr tieferes, transformatives Wesen zu verstehen.
Schamanismus, Altes Ägypten, Mundöffnungsritual, Sem-Priester, Jenseitsreise, Seelenaspekte, Ka, Ba, Ekstase, Initiation, Hilfsgeister, Statuenherstellungsritual, Meditative Konzentration, Totenkult, Schamanische Séance.
Die Arbeit untersucht, inwieweit sich schamanische Praktiken und Denkweisen im Alten Ägypten nachweisen lassen, obwohl diese offiziell durch den institutionalisierten Staatskult verdrängt wurden.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Mundöffnungszeremonie, das Statuenherstellungsritual, die ägyptische Jenseitsvorstellung und die Rolle von Priestern als vermutliche Nachfolger schamanischer Spezialisten.
Ziel ist es, den Nachweis zu führen, dass scheinbar rein handwerkliche oder kultische Handlungen im Alten Ägypten ihre Wurzeln in schamanischen Initiations- und Seelenreiseritualen der Frühzeit haben.
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische und komparative Methode, indem sie ethnologische Erkenntnisse über den Schamanismus auf ägyptologische Texte und ikonographische Befunde anwendet.
Der Hauptteil analysiert detailliert Indikatoren wie Jenseitsbeschreibungen, das Wesen der Hilfsgeister, Seelenkonzepte sowie die rituellen Aspekte der Statuenherstellung und deren Bedeutung für die Wiedergeburt.
Wichtige Begriffe sind Schamanismus, Mundöffnungsritual, Seelenreise, Ekstase, Sem-Priester und die Interpretation von Ritualen als transformatives Drama.
Während Fischer-Elfert das Statuenherstellungsritual als rein handwerkliche oder symbolische Tätigkeit einstuft, argumentiert die Autorin für einen spirituellen, schamanischen Hintergrund, bei dem der Priester in Trance tatsächlich in die jenseitige Welt eingreift.
Das Leopardenfell wird als die spezifische Tracht des Schamanen gedeutet, die dessen Überwindung der Todesgrenze und seine Fähigkeit zur Seelenreise symbolisiert, was im Totenkult später auf den Verstorbenen übertragen wurde.
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