Examensarbeit, 2006
64 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung und Struktur
2. Begriffsbestimmung
2.1 Primärer/totaler Analphabetismus
2.2 Sekundärer oder funktionaler Analphabetismus?
2.2.3 Funktionaler Analphabetismus
2.3 Kompetenzgruppeneinteilung
2.4 Legasthenie in Abgrenzung zum funktionalen Analphabetismus
3. Entdeckung des Analphabetismus in Deutschland
3.1 Analphabetismus als historisch wandelbare Größe
3.2 Quantitative Dimension von Analphabetismus
3.3 IALS und PISA-Studie zur Ermittlung der Lese- und Schreib-kenntnisse
3.3.1 IALS-Studie
3.3.2 PISA-Studie
3.3.3 Bewertung der Studien
4. Kausalanalyse
4.1 Familiensituation
4.1.1 „Lesesozialisation in der Familie“
4.1.2 Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Analphabetismus
4.2 Schulsituation
4.2.1 Schulimmanente Faktoren
4.3 Individuelle Faktoren
5. Alltagsstrategien von Analphabeten
5.1 Kompensation schriftsprachlicher Defizite
6. Prävention und Fördermaßnahmen
6.1 Alphabetisierung in VHS-Kursen
6.1.1 Methodische Ansätze an den Volkshochschulen
6.1.2 Praxis in den Alphabetisierungskursen
6.2 Family Literacy
6.3 E-Learning, www.ich-will-schreiben-lernen.de
6.3.1 Umsetzung
6.3.2 Aufbau
6.4 Pilotprojekt „Elementare Schriftkultur“
6.4.1 Durchführung des Projektes
7. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und Erscheinungsformen des Analphabetismus in Deutschland, trotz bestehender Schulpflicht. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das komplexe Ursachengefüge, welches neben individuellen Voraussetzungen auch schulische, familiäre und soziale Faktoren umfasst, um daraus pädagogische Förderkonzepte abzuleiten.
4.1 Familiensituation
Döbert-Nauert spricht von negativen Lebenswelt- und Ich-Erfahrungen der Betroffenen, die in Vergangenheit und Gegenwart zu finden sind. Damit sind Erfahrungen gemeint, die durch desolate Familienverhältnisse (z.B. Vernachlässigung, Ablehnung, Gleichgültigkeit) verursacht werden, in der Schule ihre Fortsetzung finden und sich im Erwachsenenalter (Abwertung der eigenen Person) manifestieren. Es entsteht eine Diskriminierungskette, die sich vom Elternhaus, über die Schule bis in das Erwachsenenalter erstrecken kann.
Die familiäre Situation funktionaler Analphabeten ist durch typische Parameter geprägt, die sich in fast allen Biographieanalysen funktionaler Analphabeten finden lassen. Neben Gewalterfahrungen und Vernachlässigung sind die Familien der Betroffenen häufig von Armut gekennzeichnet.
Genuneit unterscheidet zwei Kategorien von Armut, unter denen die Familien funktionaler Analphabeten zu leiden haben. Zum einen macht er eine ökonomische Armut aus, da funktionale Analphabeten oft von unsicheren wirtschaftlichen Bedingungen berichten, in denen sie aufgewachsen sind. In der Vergangenheit mussten Kinder schon sehr früh das familiäre Budget durch Nebenverdienste aufbessern, was sie daran hinderte, regelmäßig am Unterricht teilzunehmen. Man kann von einer Deckungsgleichheit der Landkarte des Analphabetismus und der Armut sprechen.
Als zweite Kategorie nennt der Autor die kommunikative Armut. Bezüglich dieser beschreiben Betroffene eine Familiensituation, in der weder gelesen noch vorgelesen wurde und in der die verbale Kommunikation zwischen den einzelnen Familienmitgliedern verkümmerte.
1. Einleitung und Struktur: Die Einleitung beleuchtet das Paradoxon des Analphabetismus trotz Schulpflicht und skizziert das multikausale Ursachengefüge sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Begriffsbestimmung: Hier werden zentrale Begrifflichkeiten wie primärer und funktionaler Analphabetismus definiert, gegeneinander abgegrenzt und in Kompetenzgruppen eingeteilt.
3. Entdeckung des Analphabetismus in Deutschland: Das Kapitel behandelt die historische Wahrnehmung sowie die quantitative Erfassung durch PISA- und IALS-Studien und bewertet deren Aussagekraft.
4. Kausalanalyse: Es wird untersucht, wie familiäre Sozialisationsinstanzen und schulische Rahmenbedingungen zur Entstehung von Analphabetismus beitragen können.
5. Alltagsstrategien von Analphabeten: Dieses Kapitel erläutert, wie Betroffene ihre Schriftsprachdefizite im Alltag durch Vermeidung und Kompensation tarnen.
6. Prävention und Fördermaßnahmen: Hier werden Strategien zur Prävention und verschiedene Förderkonzepte wie VHS-Kurse, Family Literacy und E-Learning vorgestellt.
7. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über das mangelnde Problembewusstsein in Politik und Bildungswissenschaft.
Analphabetismus, funktionaler Analphabetismus, Schulpflicht, Lesesozialisation, Schriftspracherwerb, Bildungsbenachteiligung, Kausalanalyse, Alphabetisierung, Prävention, Fördermaßnahmen, IALS, PISA, Vermeidungsstrategien, Familienmilieu, Erwachsenenbildung
Die Arbeit analysiert das Phänomen des funktionalen Analphabetismus in Deutschland trotz bestehender Schulpflicht und beleuchtet dessen Ursachen sowie Möglichkeiten der Förderung.
Die Schwerpunkte liegen auf der Begriffsbestimmung, der Ursachenanalyse (Familie, Schule, Individuum), den Alltagsstrategien Betroffener und bestehenden Förderkonzepten.
Das Ziel ist es, das komplexe Ursachengefüge hinter dem Analphabetismus aufzudecken und zu zeigen, dass es sich nicht um eine einfache Intelligenzfrage handelt, sondern um ein multifaktorielles Problem.
Es handelt sich primär um eine Literaturarbeit, die auf biographieanalytischen Studien, PISA- und IALS-Daten sowie pädagogischen Fachbeiträgen basiert.
Im Hauptteil werden neben den Begriffsdefinitionen die sozialen und schulischen Faktoren analysiert, die als Nährboden für Analphabetismus fungieren, sowie Kompensationsstrategien im Alltag und Interventionsmöglichkeiten diskutiert.
Die zentralen Begriffe sind funktionaler Analphabetismus, Lesesozialisation, Prävention, Fördermaßnahmen, Bildungsbenachteiligung und Alphabetisierung.
Oft wirken ungünstige familiäre Voraussetzungen (kommunikative Armut, mangelnde Lesekultur) mit einer schulischen Umgebung zusammen, die individuelle Lernblockaden oder Störungen nicht frühzeitig erkennt oder mangelnd differenziert.
Das Internet, insbesondere Portale wie www.ich-will-schreiben-lernen.de, bietet eine niedrigschwellige, anonyme und unvorbelastete Möglichkeit für Betroffene, ihre Lese- und Schreibkompetenzen außerhalb klassischer Institutionen zu verbessern.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

