Examensarbeit, 2006
98 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung
2.1 Auditive Verarbeitung und Wahrnehmung
2.1.1 Akustische Signale
2.1.2 Der Hörvorgang
2.1.3 Entwicklung der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung
2.1.4 Teilfunktionen der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung
2.2 Störungen der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung
2.2.1 Definition der auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)
2.2.2 Ätiologie und Pathogenese
2.2.3 Überblick über ausgewählte diagnostische Verfahren
3 Förderung von Schulkindern mit AVWS
3.1 Beratung und Elternarbeit
3.1.1 Auswirkungen der Störung im persönlichen und schulischen Bereich
3.1.2 Interdisziplinarität in der Erkennung und Behandlung von AVWS
3.1.3 Konkrete Empfehlungen für Eltern von Schulkindern mit AVWS
3.2 Ausgewählte Therapieansätze und ihre Einsetzbarkeit in Schule und Unterricht
3.2.1 Übende Therapie mit sprachlichen Übungen
3.2.1.1 Therapiekonzept nach ANDREAS BURRE
3.2.1.2 Therapiekonzept nach NORINA LAUER
3.2.1.3 Therapiekonzept nach DOLORES HEBER und JUTTA BURGER-GARTNER
3.2.1.4 Amerikanische Programme
3.2.1.5 Psychomotorische Entwicklungsförderung – Auditive Wahrnehmung und Sprache nach INGRID OLBRICH
3.2.1.6 Therapie auditiver Wahrnehmungsstörungen nach ERWIN BREITENBACH
3.2.1.7 Förderung der phonologischen Bewusstheit nach SANDRA KÜSPERT und WOLFGANG SCHNEIDER
3.2.1.8 Hörtraining als Komponente der Förderung bei Lese-Rechtschreib-Störung nach MARIA KLATTE und UTE DINGEL
3.2.1.9 Psycholinguistisch orientierte Phonologie Therapie (P. O. P. T.) nach ANETTE V. FOX
3.2.1.10 Computergestützte Therapieprogramme
3.2.1.10.1 Audio 1
3.2.1.10.2 AudioLog 3, AudioLog Home
3.2.1.10.3 Fast ForWord
3.2.1.10.4 Earobics Step 1, Earobics Step 2 und Sound Smart
3.2.2 Hörtraining/Klangtherapie
3.2.2.1 Audio-Psycho-Phonologie nach ALFRED TOMATIS
3.2.2.2 Lateraltraining nach FRED WARNKE
3.2.2.3 AUDIVA
3.2.3 Kompensation durch Technische Hilfsmittel und Raumakustik
3.2.4 „Hörerziehung“ im Unterricht
3.2.5 Übersicht zu durch die vorgestellten Konzepte abgedeckten Förderbereichen
4 Zusammenfassung
6 Anlagen
6.1 Verzeichnis der genannten Therapiematerialien und Software
6.2 Spielvorschläge für zu Hause und einige Hinweise für Eltern
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Möglichkeiten der Förderung von Schulkindern mit auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS) zu beleuchten und verschiedene Therapiekonzepte sowie Fördermaterialien hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Einsetzbarkeit im schulischen Kontext und in der Einzelförderung zu diskutieren.
1 Einleitung
Während eines vierwöchigen Blockpraktikums an einer Lernbehindertenschule lernte ich Johanna kennen. Sie war zu dem Zeitpunkt 8 Jahre und 4 Monate alt und besuchte die Klasse 1.2 der Diagnose- und Förderstufe. Vom Wesen her war Johanna hilfsbereit, freundlich und sowohl anderen Menschen als auch neuen Inhalten im Unterricht gegenüber sehr aufgeschlossen. Im Rechnen mit Rechenmaterial oder mit Hilfe von Bilddarstellungen sowie beim Rechnen vorgegebener Aufgaben auf einem Arbeitsblatt war sie im Vergleich zur Klasse gut und machte schnelle Fortschritte. Auch beim Erarbeiten von Inhalten anderer Fachbereiche im Sitzkreis brachte sie sich gut ein.
Schwierigkeiten hatte sie allerdings beim Erwerb der Schriftsprache. Das Schreiben von lauttreuen Wörtern gelang ihr selten fehlerfrei, die Analyse der einzelnen im Wort vorkommenden Laute war ihr nicht möglich. Auch das Erlesen von Wörtern und einfachen Sätzen und die zu Grunde liegende Synthese fielen ihr schwer. Trotz ihres Alters substituierte Johanna noch immer [g] und [k] mit [d] und bei der Aussprache von [z] und [ʃ] fehlte ihr die notwendige artikulatorische Schärfe. Ihre Stimmlage war ungewöhnlich hoch und nasal gefärbt. Während meiner Beobachtungen in Unterrichtssituationen fiel mir auf, dass Johanna im Morgenkreis, wenn die Klasse regelmäßig auf das Ticken der Klassenzimmeruhr lauschte, um zur Ruhe zu kommen, das Geräusch nahezu immer entweder als letztes von 10 Kindern wahrzunehmen schien oder es gar nicht hörte. In entsprechenden Spielsituationen konnte sie die Richtung, aus der ein Geräusch kam, nicht bestimmen.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, indem sie die Beobachtungen einer Schülerin mit Schwierigkeiten bei der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung schildert und die Forschungsabsicht der Arbeit darlegt.
2 Begriffsbestimmung: Hier werden die Grundlagen der auditiven Wahrnehmung, der Hörvorgang, die Entwicklung dieser Fähigkeiten sowie Störungsbilder und diagnostische Verfahren detailliert erläutert.
3 Förderung von Schulkindern mit AVWS: Dieser Hauptteil widmet sich der Beratung, Elternarbeit sowie einer umfassenden Vorstellung und Diskussion verschiedenster Therapieansätze, technischer Hilfsmittel und Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung.
4 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die Notwendigkeit einer interdisziplinären Diagnostik sowie einer individuell angepassten Förderung für betroffene Kinder.
6 Anlagen: Dieser Teil bietet praktische Unterstützung in Form eines Verzeichnisses der Therapiematerialien und konkreter Spielvorschläge für die Arbeit zu Hause.
AVWS, auditive Verarbeitung, auditive Wahrnehmung, Förderung, Therapiekonzepte, Schulkind, Sprachwahrnehmung, Hörtraining, Diagnostik, Lernbehinderung, Elternberatung, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Lese-Rechtschreib-Schwäche, phonologische Bewusstheit, auditive Diskrimination.
Die Arbeit befasst sich mit der Förderung von Schulkindern, die unter auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS) leiden, und diskutiert wissenschaftliche Hintergründe sowie praktische Therapiemöglichkeiten.
Zentrale Themen sind die physiologischen Grundlagen des Hörens, die Definition und Diagnose von AVWS, die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit sowie eine detaillierte Analyse spezifischer Therapieprogramme.
Das Ziel ist es, Lehrkräften und Therapeuten einen Überblick über wirksame Therapieansätze und Fördermaterialien zu geben, um Kinder mit AVWS gezielt im schulischen Alltag und in der Einzelförderung unterstützen zu können.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, die Zusammenführung bestehender Forschungsmodelle und die kritische Diskussion evaluativer Studien zu den vorgestellten Therapiekonzepten.
Im Hauptteil werden neben der Elternberatung zahlreiche spezifische Therapiekonzepte (wie z.B. nach Lauer, Burre, Olbrich) sowie computergestützte Programme und Maßnahmen zur Verbesserung des akustischen Umfelds vorgestellt.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie AVWS, auditive Wahrnehmungsförderung, interdisziplinäre Diagnostik, Hörtraining und individuelle Therapieplanung charakterisiert.
Eltern werden durch Beratung, die Bereitstellung konkreter Empfehlungen und die Anleitung zu häuslichen Übungen als unterstützende Partner im therapeutischen Prozess eingebunden.
Die Arbeit betont, dass eine ungünstige Raumakustik die Symptomatik von AVWS verstärken kann, weshalb Maßnahmen wie Sitzplatzoptimierung oder der Einsatz technischer FM-Systeme als wesentliche Kompensationshilfen angesehen werden.
Aufgrund von Komorbiditäten wie LRS oder ADS/ADHS ist eine genaue Differentialdiagnose oft komplex, weshalb die Arbeit für eine gründliche und individuell ausgerichtete Diagnostik plädiert.
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