Wissenschaftlicher Aufsatz, 1997
21 Seiten
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Einleitung
Administrative Gliederung Tibets
Ethnische Struktur des tibetischen Hochlands
Historische Migrationen
Demographische Struktur in den tibetischen Gebieten des Hochlandes bes. TAR
Erwerbsstruktur
Han-chinesische Kolonisation in Tibet
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die demographischen und ethnographischen Grundlagen des tibetischen Hochlandes, um eine differenzierte Bewertung der Bevölkerungsstruktur zu ermöglichen, die über populäre Klischees hinausgeht. Das primäre Ziel ist es, die komplexen soziopolitischen Zusammenhänge, Probleme der Identität sowie die Auswirkungen der politischen Integration und Migration unter Berücksichtigung der verfügbaren statistischen Daten kritisch zu beleuchten.
Probleme der räumlichen Abgrenzung
Wie nur bei wenigen anderen Ländern der Welt wird die Ausdehnung Tibets sehr unterschiedlich eingeschätzt - was politische, ethnische und kulturelle Gründe hat. Als selbstverständlich gilt im Westen, dass das einstige unabhängige Tibet den gesamten Raum im Hochland von Tibet umfasste, ohne sich vor Augen zu halten, dass weite Gebiete im Norden und Osten durchaus nicht von Tibetern besiedelt waren oder sind. Gleichwohl ist ein Hauptpunkt der Kritik, dass Tibet auf die Fläche der Tibetischen Autonomen Region (TAR) verkleinert worden sei (Kelsang Gyaltsen 1988, S. 162), deren chinesischer Name Xizang sich auf die tibetischen Zentralprovinzen Ü und Tsang bezieht und soviel bedeutet wie Westliches Tibet. Eine Bezeichnung, die gemessen an den immer noch gewaltigen Gebieten im Nordosten und Osten des Hochlandes durchaus treffend ist.
Die Kultur zur Bestimmung der Grenzen Tibets zugrunde zu legen, bietet sich nicht an, denn mit tibetischer Kultur als der einheitlichen Lebensform Zentraltibets kann wegen der verschiedenen Ausprägungen selbst innerhalb Tibets doch nur jene lamaistisch geprägte Zivilisation gemeint sein, die sich bis nach Südsibirien (Burjätien) und damit weit über das tibetische Hochland hinaus verbreitet hat.
Die sprachliche Eingrenzung ist gleichfalls schwierig, denn Tibet ist keine Selbstbezeichnung, sondern ein aus dem Mongolisch-Türkischen kommendes Wort. Bö-Yül (Bod-Yul) lautet der tibetische Eigenname, was etymologisch betrachtet als „Land des Bön (-Glaubens)" bzw. zu deuten wäre. Auch daraus lassen sich keinerlei Schlüsse auf die Ausdehnung des heutigen Tibet ziehen, da es doch seit Jahrhunderten eine ausgeprägt buddhistisch-lamaistische Kultur besitzt und der Bön-Glaube nur noch ein kümmerliches Dasein fristet. Außerdem war er keineswegs auf die Tibeter selbst beschränkt, sondern auch Völker wie die Tu, Qiang, Monguor u.a. hingen ihm an, ganz davon abgesehen, dass den Bön-Vorstellungen ähnliche religiöse Inhalte sowohl den alten Chinesen und den aus der zentralen Mongolei nach Turkestan eingewanderten Turkvölkern, als auch den Mongolen und nordasiatischen Ethnien (Tungusen u.a.) eigen waren bzw. noch sind.
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik ein, dass Tibet im Westen oft durch idealisierte Klischees wahrgenommen wird, während eine fundierte Auseinandersetzung mit der demographischen Realität und der Geschichte fehlt.
Administrative Gliederung Tibets: Der Abschnitt erläutert die geografische und politische Einteilung des Hochlandes, einschließlich der Kerngebiete Zentraltibets sowie der Randregionen Amdo und Kham.
Ethnische Struktur des tibetischen Hochlands: Hier wird die ethnische Vielfalt des Hochlandes analysiert, die über das Bild eines rein einheitlichen tibetischen Siedlungsgebietes weit hinausgeht.
Historische Migrationen: Das Kapitel beleuchtet jahrtausendelange Völkerbewegungen und Wanderungsströme, die das Hochland maßgeblich ethnisch geformt haben.
Demographische Struktur in den tibetischen Gebieten des Hochlandes bes. TAR: Es werden statistische Daten zu Bevölkerungsdichte, Wachstum, Geburtenraten und Altersstrukturen innerhalb der Tibetischen Autonomen Region analysiert.
Erwerbsstruktur: Der Text analysiert die Verteilung der Erwerbstätigen auf die drei Wirtschaftssektoren und zeigt die Unterschiede zwischen der tibetischen und der han-chinesischen Bevölkerung auf.
Han-chinesische Kolonisation in Tibet: Dieses Kapitel kritisiert die Schwierigkeiten der Datenerfassung bezüglich der Han-Zuwanderung und warnt vor den soziopolitischen Gefahren der illegalen Zuwanderung für die kulturelle Identität.
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Die Arbeit bietet eine fundierte demographische und ethnographische Analyse des tibetischen Hochlandes, um ein realistisches Bild jenseits westlicher Mythen zu zeichnen.
Die Schwerpunkte liegen auf der administrativen Gliederung, der ethnischen Zusammensetzung, historischen Wanderungen, der demographischen Struktur sowie der aktuellen Erwerbs- und Siedlungssituation.
Das Ziel ist eine wissenschaftlich fundierte Einordnung der aktuellen sozialen und politischen Situation Tibets auf Basis verfügbarer statistischer Daten.
Der Autor nutzt eine geografisch-demographische Analyse unter Auswertung bestehender Statistiken, Literaturquellen und eigener Feldforschungserfahrungen.
Der Hauptteil analysiert die demographischen Merkmale, die ethnische Diversität im Nordosten und Osten sowie die wirtschaftlichen Tätigkeitsfelder der verschiedenen Bevölkerungsgruppen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Tibet, Demographie, Ethnographie, Bevölkerungsstruktur, Migration und Han-Kolonisation charakterisiert.
Es bestehen signifikante Unterschiede, insbesondere durch die Familienplanungspolitik, die in Städten restriktiver gehandhabt wird als in ländlichen Regionen, was sich in den Fertilitätsraten widerspiegelt.
Die Kulturrevolution wird als ein wesentlicher Faktor für das niedrige Bildungsniveau und das Versäumnis bei der schulischen Ausbildung in der TAR benannt.
Der Autor unterscheidet zwischen staatlich gelenkter Politik und der illegalen Zuwanderung, wobei letztere als die größere Gefahr für die kulturelle Desintegration in den Städten angesehen wird.
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