Diplomarbeit, 2005
88 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Theorie der geldwirtschaftlichen Entwicklung
2.2 Das internationale Währungssystem
2.3 Schuldnerwährung und Überbewertung als „Hemmschuh“ nachhaltiger Entwicklung
2.4 Theorieansätze wechselkursbasierter Stabilisierung
2.4.1 Eine theoretische Fundierung des Systems des currency board (CB)
2.4.2 Eine monetärkeynesianische Antwort zur Entperipherisierung der Ökonomie
2.5 Das Problem des dutch disease
2.6 Zusammenfassung und Ausblick
3. Höhepunkt der Argentinienkrise und Entwicklung bis heute
3.1 Gründe für das Scheitern des Systems des currency board in Argentinien
3.2 Kritik am IWF
3.3 Krisenbewältigung nach der Erklärung des default
3.4 Schuldenverhandlungen mit privaten Gläubigern
3.5 Schuldenverhandlungen mit dem IWF
3.5.1 Makroökonomisches Rahmenkonzept 2003-2006
3.5.2 Wirtschafts- und Finanzpolitik in der Periode 2003-2004
3.5.3 Steuerreformen
3.5.4 Reformen des Finanzsystems
3.6 Zusammenfassung und aktueller Stand
4. Handlungsspielräume der aktuellen Wirtschaftspolitik
4.1 Möglichkeiten einer Unterbewertungsstrategie
4.2 Innere Stabilität, Produktionsdiversifizierung und Wertschöpfung
4.3 Sojaboom und dutch disease?
4.4 Möglichkeiten einer monetären Kooperation innerhalb des Mercosur
5. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Handlungsspielräume argentinischer Wirtschaftspolitik unter Berücksichtigung der historischen und theoretischen Hintergründe, insbesondere der Währungshierarchie und der Peripherisierung, um zu evaluieren, ob ein nachhaltiger Entwicklungsprozess über die Wahl spezifischer Wechselkursregime möglich ist.
2.1 Theorie der geldwirtschaftlichen Entwicklung
Die theoretische Fundierung erfolgt im Licht des monetärkeynesianischen Ansatzes. „Grundlage dieses Ansatzes bildet die keynesianische Annahme, dass Marktprozesse nicht, wie im neoklassischen Modell, über den Tauschprozess von durch eine Erstausstattung gegebenen Ressourcen erklärt werden können, sondern vielmehr über die Entstehung von Gläubiger-Schuldner-Beziehungen, die eine Dominanz der Geld- über die Gütersphäre erzeugen.“ Es war John M. Keynes, der schon in „Treatise on Money“ (1930) den monetären Charakter der Einkommensbildung hervorhob. Nicht die Ressourcen (wie das vorhandene Arbeitskräftepotenzial oder die Rohstoffe) begrenzen die Einkommensbildung, sondern der reale Wert der Geldvorschüsse, die geleistet werden müssen, um die Ressourcen zu beschäftigen. In einer Geldwirtschaft steht am Anfang der Einkommensbildung somit nicht die Ersparnis (vererbtes Vermögen, „Ressourcen“ etc.) der Vermögenseigentümer, sondern Geschäftsideen tüchtiger Unternehmer (als „Vikare der Vermögensbesitzer“), die allen beteiligten Akteuren Profite versprechen.
Es handelt sich im Schumpeterschen Sinne um „Unternehmer“, in Abgrenzung zu „Wirten“. Diese kombinieren innovativ aus dem „Nichts“ mit Hilfe der Bank gegebene Produktionsfaktoren - und setzen somit die Existenz einer Geldverfassung voraus die Eigentum und Besitz trennt. Der Vermögenseigentümer, der in der Regel selbst keine unternehmerische Kompetenz hat, muss einen Anreiz haben, auf Liquidität in Gestalt von Geld und Sachvermögen zu verzichten und es stattdessen den Geschäftsbanken oder anderen Finanzintermediären in Form von für ihn ertragbringenden Finanzvermögens zur Verfügung zu stellen. Ist er dazu bereit, können Unternehmer sich bei den Geschäftsbanken verschulden, Investitionen tätigen und Einkommen und Beschäftigung stimulieren. Getätigte Investitionen müssen den Unternehmern eine Profitmarge ermöglichen und die Banken müssen in Erwartung auf ein bestimmtes späteres Zinseinkommen den Kredit refinanzieren.
1. Einleitung: Historischer Überblick über die argentinische Wirtschaftsentwicklung, die durch Instabilitäten, Verschuldung und wechselnde Geldverfassungen geprägt war, und Herleitung der Forschungsfrage.
2. Theoretische Grundlagen: Erarbeitung eines monetärkeynesianischen Rahmens zur Analyse von Geldwirtschaften, der Währungshierarchie und der Problematik der Abhängigkeit von Gläubigerwährungen.
3. Höhepunkt der Argentinienkrise und Entwicklung bis heute: Detaillierte Analyse des Zusammenbruchs des Currency Boards im Jahr 2002, der Rolle des IWF und der darauf folgenden Krisenbewältigung sowie Umschuldungsmaßnahmen.
4. Handlungsspielräume der aktuellen Wirtschaftspolitik: Evaluierung aktueller Optionen wie Unterbewertungsstrategien und regionaler monetärer Kooperation im Mercosur zur Förderung der wirtschaftlichen Souveränität.
5. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, wonach eine erfolgreiche Entwicklung eine Kombination aus funktionsfähiger Geldwirtschaft, gesellschaftlichem Konsens und stabilitätsorientierter Politik jenseits neoliberaler Universalrezepte erfordert.
Argentinienkrise, Currency Board, Währungshierarchie, Geldpolitik, Schuldnerökonomie, IWF, Wechselkursregime, Monetärkeynesianismus, Importsubstituierende Industrialisierung, Staatsverschuldung, Dutch Disease, Dollarisierung, Wirtschaftsreformen, Entwicklungsökonomie, Leistungsbilanz
Die Arbeit analysiert die Handlungsspielräume argentinischer Wirtschaftspolitik, insbesondere vor dem Hintergrund der verheerenden Finanzkrise von 2002, unter Verwendung eines monetärkeynesianischen Analyserahmens.
Zentrale Themen sind die Währungshierarchie im internationalen Finanzsystem, das Scheitern wechselkursbasierter Stabilisierungsprogramme (wie das Currency Board) und die Notwendigkeit, eine eigenständige, binnenwirtschaftliche Akkumulationsdynamik zu entwickeln.
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob und wie ein tragfähiger Entwicklungsprozess in einer Schuldnerökonomie wie Argentinien durch die gezielte Wahl eines Wechselkursregimes und einer entsprechenden Wirtschaftspolitik unterstützt werden kann.
Die Arbeit nutzt einen monetärkeynesianischen Ansatz, wie er maßgeblich von der Berliner Schule (Hajo Riese) geprägt wurde, um die Abhängigkeit der Peripherie von den Gläubigerländern und deren Währungen theoretisch und empirisch aufzuarbeiten.
Im Hauptteil werden das Scheitern des Currency Boards in Argentinien, die Kritik an der IWF-Politik, die Auswirkungen der Krise, die Umschuldungsmaßnahmen mit privaten Gläubigern sowie mögliche Handlungsspielräume durch Unterbewertungsstrategien und regionale Kooperation im Mercosur analysiert.
Zu den Schlüsselbegriffen zählen Schuldnerökonomie, Peripherisierung, Currency Board, IWF-Konditionalität, Währungssubstitution (Dollarisierung) und Dutch Disease.
Der Autor übt scharfe Kritik am IWF, da dessen stures Festhalten an orthodoxen Modellen (Washington Consensus) und die späte oder falsche Diagnose der Krise als reine Liquiditätsprobleme den Zusammenbruch des argentinischen Systems eher verschlimmert als abgefedert haben.
Das System scheiterte an der strukturellen Überbewertung der Währung, die zu permanenten Leistungsbilanzdefiziten und exzessiver Auslandsverschuldung führte, wodurch das notwendige Vertrauen der Vermögenseigentümer trotz rigider Fixierung erodierte.
Der Autor hält eine Währungskooperation innerhalb des Mercosur zwar langfristig für eine sinnvolle Vision, um den Wettbewerbsdruck zu entschärfen, warnt aber davor, dass dies kurzfristig aufgrund der hohen Abhängigkeit von internationalen Krediten und fehlender stabiler Leitwährungen keine einfache Lösung für die fundamentalen Probleme bietet.
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