Magisterarbeit, 2006
138 Seiten, Note: 1,8
DOGMA 95 – Das Manifest
THE VOW OF CHASTITY – Das Keuschheitsgelübde
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1. Dogma (95)
2.2. Realität – Realismus – Authentizität – Fiktion
2.3. Realismus - filmtheoretische Grundlagen
3. Dogma 95 und die Umsetzung von Realismus und Authentizität - Analyse von Filmbeispielen
FESTEN/ IDIOTERNE Inhaltsangaben
3.1. Problemstellung
3.2. Narration und Dramaturgie
3.3. Darsteller / Figuren
3.4. Kamera
3.5. Betrachter / Zuschauer
3.6. Thematiken
3.7. Interviews
4. Dogma 95 als Differenzqualität
4.1. Realismus: Dogma 95 im Kontext von historischen Bewegungen
4.2. Direct Cinema - Verbindung mit dem Dokumentarfilm/ dokumentarischen Erzählen
4.3. Theoretische Konzepte zur Differenz
4.4. Synthese von Gegensätzen
4.5. Das Spiel mit dem Realismus als Selbstreflexivität
5. Ausblick
6. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht das Projekt Dogma 95 hinsichtlich seines Anspruchs auf Realismus und Authentizität. Dabei wird analysiert, inwieweit die radikalen Regeln des Manifests tatsächlich einen neuen Realismus im Film etablieren oder lediglich eine Form der Selbstinszenierung und bewussten Differenzbildung darstellen.
3.1. Problemstellung
Anhand von jeweils zwei Filmsequenzen der beiden ausgewählten Filme sollen erste Erkenntnisse, die Problemstellung und die Fragestellung der Untersuchung aufgezeigt werden. Hierzu gilt es, die ausgewählten Szenen zu beschreiben und erste Anzeichen des Realismus oder der Authentizität herauszufiltern. Darüber hinaus werden die Dogma-Merkmale der klassischen Narration gegenübergestellt. Die folgenden Sequenzen sind in zwei Kategorien aufzuteilen. Zum einen sind sie Beispiele für die formale, technische Umsetzung des Films, die einen dokumentarischen “realistischen“ Effekt erzeugt. Zum anderen stellen sie die filmische Thematisierung von Fantasie, “Realität“ oder Realismus (Wirklichkeit) und Wahrheitsfindung dar. Das funktioniert einerseits über die außerfilmische thematische Behandlung dieser Begrifflichkeiten, andererseits über die diegetische Diskussion dieser Thematiken seitens der Filmfiguren.
Einer der prägnantesten Szenen in FESTEN im Hinblick auf den formalen Realismus, der gleichzeitig auch in Differenz zum klassischen Realismus gesehen wird, ist die Sequenz 5: Paare auf den Zimmern. Diese Sequenz ist gleichzeitig der erste Höhepunkt, der schon, entgegen der klassischen Narration, am Ende des ersten Akts zu verzeichnen ist. Sie stellt sich als Parallelmontage aus drei unterschiedlichen Handlungen dar, die die drei Geschwister Christian, Helene und Mikael miteinander verbinden. Man beobachtet Christian und Pia bei einer Unterhaltung auf seinem Hotelzimmer, anschließend nimmt Pia dort ein Bad. Helene besichtigt das Zimmer der verstorbenen Schwester Linda. (Hier stellt sich heraus, dass Linda sich in der Badewanne das Leben genommen hat.) Diese Handlung wird mit dem Spiel „Auf der Suche“ weitergeführt. Es werden Zeichen in dem Bade und Schlafzimmer gesucht, die ein Versteck verraten sollen. Helene wird bei der Suche von einem Angestellten des Hotels unterstützt. Er nimmt zum Teil die Positionen der in der Badewanne liegenden Schwester ein. Die dritte Handlung der Parallelmontage zeigt Mikael und seine Frau Mette, wie sie sich durch einen Versöhnungs Geschlechtsakt wieder bei dem anderen entschuldigen. Dieser Szene geht ein Streit des Paares wegen einer Belanglosigkeit voraus.
1. Einleitung: Einführung in das Thema, die Relevanz des Dogma-Manifests im Kontext seiner zehnjährigen Bestehenszeit und die zentralen Forschungsfragen.
2. Begriffsklärung: Theoretische Herleitung der für das Dogma-Projekt zentralen Begriffe wie Dogma, Realität, Realismus, Authentizität und Fiktion.
3. Dogma 95 und die Umsetzung von Realismus und Authentizität - Analyse von Filmbeispielen: Detaillierte Filmanalyse von FESTEN und IDIOTERNE unter Berücksichtigung von Dramaturgie, Kamera und Figuren.
4. Dogma 95 als Differenzqualität: Kontextualisierung des Dogma-Projekts innerhalb filmgeschichtlicher Strömungen und theoretische Reflexion über Differenz und Selbstreflexivität.
5. Ausblick: Untersuchung der Entwicklung post-dogmatischer Produktionen und der Verstetigung von Dogma-Elementen im zeitgenössischen Film.
6. Zusammenfassung: Synthese der Analyseergebnisse und abschließende Bewertung des Scheiterns bzw. der Innovation des Dogma-Experiments.
Dogma 95, Realismus, Authentizität, Fiktion, FESTEN, IDIOTERNE, Filmtheorie, Dokumentarfilm, Narration, Dramaturgie, Lars von Trier, Thomas Vinterberg, Selbstreflexivität, Verfremdung, Differenzqualität.
Die Arbeit untersucht, wie das Dogma-95-Manifest den Anspruch auf Realismus und Authentizität im Spielfilm formuliert und inwieweit die Praxis (am Beispiel der Filme FESTEN und IDIOTERNE) diesem Anspruch gerecht wird oder ihn durch Inszenierung konterkariert.
Zentral sind die theoretische Definition von Realismus, die Analyse filmischer Mittel (Kamera, Dramaturgie) unter dem Dogma-Regelwerk sowie die kritische Auseinandersetzung mit den Begriffen Authentizität und Differenzqualität.
Die Untersuchung zielt darauf ab, zu ergründen, in welcher Form der Realismus in Dogma-Filmen dargestellt wird, welchen Einfluss er auf das Verständnis von Realismus hat und ob die Dogma-Bewegung eine notwendige Neuformulierung von Normen darstellt.
Es wird eine filmanalytische Methode angewandt, die durch historische Kontextualisierung sowie theoretische Konzepte (z. B. aus der Literatur- und Filmwissenschaft, wie die formale Verfremdung) gestützt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Filme FESTEN und IDIOTERNE, wobei narrative Strukturen, Charakterdarstellungen, Kameraarbeit und der Einsatz von Interviews als formale und inhaltliche Differenzierungsmerkmale betrachtet werden.
Die wesentlichen Begriffe umfassen Dogma 95, Realismus, Authentizität, Fiktion, Selbstreflexivität, Filmtheorie sowie die Analyse konkreter Werke von Regisseuren wie Lars von Trier und Thomas Vinterberg.
Der Begriff "Dogma" sowie das "Keuschheitsgelübde" (Vow of Chastity) sind religiös konnotiert. Die Arbeit zeigt auf, wie diese Begriffe ironisch eingesetzt werden, um einen absoluten Wahrheitsanspruch zu suggerieren, der jedoch durch die filmische Praxis in Frage gestellt wird.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass das Projekt in seiner konsequenten Umsetzung scheitert, da es sich letztlich wieder den Mitteln der Bourgeoisie und der klassischen Narration bedient, wodurch das Manifest eher zu einer "Stilübung" oder konzeptuellen Kunst reduziert wird.
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