Quellenexegese, 2005
191 Seiten, Note: summa cum laude
Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte
I. Textstelle
II. Übersetzung
III. Erläuterungen zu Autor und Textgeschichte
1. Leben und Werk von Papst Coelestin III.
2. Leben und Werk von Raimund von Peñafort
3. Leben und Werk von Gregor IX.
4. Textgeschichte
IV. Vorbemerkung zur Textauslegung
1. Systematische Stellung der Dekretale
2. Struktur und Aufbau der Textstelle
3. Gesetzeskraft
V. Auslegung der Textstelle
1. Die Wahlgewohnheit und ihr Missstand
a) Rechtshistorischer Hintergrund
b) Beschränkungen des Anwendungs- und Geltungsbereichs
(1) „praelati electio“
(2) „patriarchae vel principis“
(3) „conventualibus ecclesiis“
(4) Zusammenfassung
c) Der Missstand selbst
(1) „conventus, ad quem pertinere dignoscitur, duas personas nominet“
(2) Die Einflussnahme durch Laien
(3) Die Einflussnahme durch Kleriker
(4) Zusammenfassung
d) Ergebnis
2. Vorgaben für künftige kanonische Wahlen „forma electionis canonicae“
a) „quum debet ecclesiae (...) regimen ecclesiae admittatur“
(1) „electores“
(2) „in unum locum, in quo fuerit electio celebranda, conveniant“
(3) „solemniter nominent“
(4) „invocata Spiritus sancti gratia“
(5) „in qua omnes vel [maior] pars sanioris consilii (...) ea sine ullius contradictione“
(6) „dummodo persona idonea fuerit“
(7) „sine simoniaca pravitate“
(8) „ad illius regimen ecclesiae admittatur“
(9) Zusammenfassung
b) „Quod si in persona (...) persona idonea valeant providere“
c) „Quo facto non prohibemus (...) electionem nolumus impediri (...)“
(1) „Quo facto non prohibemus (...) requiratur assensus“
(2) „sed propter hoc ipsam electionem nolumus impediri“
d) Zusammenfassung
VI. Geltendes Recht im Vergleich
1. Die kanonische Wahl im CIC
2. Die kanonische Wahl im CCEO
3. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit widmet sich einer quellenkritischen Analyse und Exegese einer kirchenrechtlichen Dekretale von Papst Coelestin III., die im 13. Jahrhundert in den Liber Extra aufgenommen wurde. Ziel ist es, die Intention des Gesetzgebers bei der Regulierung kanonischer Wahlen zu verstehen, die bestehenden Missstände im Wahlverfahren der damaligen Ostkirchen zu identifizieren und die kirchenrechtliche Verbindlichkeit der Dekretale im historischen sowie geltenden Rechtskontext einzuordnen.
I. Textstelle
Electio debet esse in libertate eligentium, nec valet contraria consuetudine.
Idem.
Quum terra, quae funiculus hereditatis Domini censebatur (Et infra:) Sicut autem ex quarundam literarum tenore pluriumque relatione accepimus, quidam olim in electionibus pravae consuetudinis morbus irrepsit, ut videlicet, quum alicuius praelati electio debet celebrari, conventus, ad quem pertinere dignoscitur, duas personas nominet latenter auribus patriarchae vel principis exprimendas, ut sic illarum alterius eligendae, vel totius electionis penitus irritandae idem patriarcha vel princeps plenariam habeat facultatem. Quia igitur hoc redundat in gravamen et perniciem ecclesiasticae libertatis, praescriptam consuetudinis pravitatem sancimus penitus abolendam, statuentes, ut forma electionis canonicae in omnibus conventualibus ecclesiis observetur, videlicet, ut, quum debet ecclesiae consuli pastoris regimine destitutae, electores in unum locum, in quo fuerit electio celebranda, conveniant, et invocata Spiritus sancti gratia personam solemniter nominent, in qua omnes, vel [maior] pars sanioris consilii potuerint convenire, et ea sine ullius contradictione, dummodo persona idonea fuerit, et electio sine simoniaca pravitate celebrata, ad illius regimen ecclesiae admittatur. Quod si in persona fuerit vel in electionis modo peccatum, tamdiu electores in electione diligentiam inquisitionis apponant, donec secundum praescriptam formam vacanti ecclesiae de persona idonea valeant providere. Quo facto non prohibemus, quin regis seu patriarchae, qui pro tempore fuerit, requiratur assensus; sed propter hoc ipsam electionem nolumus impediri.
I. Textstelle: Wiedergabe des lateinischen Originaltextes der Dekretale Coelestins III. zur Freiheit der Wahl.
II. Übersetzung: Deutsche Übertragung der Dekretale zur Wahl und Macht des Gewählten.
III. Erläuterungen zu Autor und Textgeschichte: Historischer Abriss zum Leben von Papst Coelestin III., Raimund von Peñafort und Gregor IX. sowie zur Entstehung des Liber Extra.
IV. Vorbemerkung zur Textauslegung: Einordnung der Dekretale als Appell an bestehende Rechtsnormen und Erläuterung zur methodischen Auslegung der Textfragmente.
V. Auslegung der Textstelle: Detaillierte juristische Analyse der einzelnen Bestimmungen zur Wahl, den Akteuren und der Gültigkeit des Wahlverfahrens.
VI. Geltendes Recht im Vergleich: Analyse der Relevanz der Dekretale für das moderne Kirchenrecht (CIC und CCEO) und Feststellung der historischen Transformation dieser Rechtsgrundsätze.
Kanonisches Recht, Electio, Coelestin III., Liber Extra, Wahlergebnis, Pars sanior, Wahlfreiheit, Kirchenrecht, Dekretale, Raimund von Peñafort, Gregor IX., Bischofswahl, Investiturstreit, kirchliche Unabhängigkeit, Jurisdiktion
Die Arbeit untersucht eine spezifische Dekretale von Papst Coelestin III. aus dem 12. Jahrhundert, die sich mit der Freiheit und den rechtlichen Rahmenbedingungen kanonischer Wahlen von Prälaten in den östlichen Kirchen befasst.
Zentrale Themen sind die Entwicklung des kanonischen Wahlrechts, die Abgrenzung geistlicher von weltlicher Einflussnahme sowie die historische Transformation von Rechtsnormen vom Mittelalter bis zum modernen Codex Iuris Canonici (CIC).
Ziel ist die präzise rechtshistorische Exegese des Textes, um zu klären, welche Missstände Coelestin III. beseitigen wollte und wie seine Anordnungen in das kanonische Recht des Mittelalters eingebettet waren.
Es handelt sich um eine rechtsgeschichtliche Quellenexegese, die den lateinischen Originaltext detailliert analysiert, in den historischen Kontext setzt und mit zeitgenössischen sowie modernen kirchenrechtlichen Regelungen vergleicht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der historischen Akteure, die systematische Analyse der Dekretalen-Struktur, die detaillierte Auslegung der einzelnen Wahlkriterien (wie „pars sanior“) und eine abschließende Untersuchung der Gesetzeskraft im Liber Extra.
Wichtige Begriffe sind unter anderem kanonisches Recht, Wahlfreiheit (Electio), die Person Coelestins III., der Liber Extra, der Grundsatz der „pars sanior“ (der verständigeren Partei) sowie die Abgrenzung zur weltlichen Macht.
Der Grundsatz besagt, dass bei einer Wahl nicht zwingend die reine Stimmenmehrheit (Maiorität) entscheidend ist, sondern die Qualität der Stimmen (Saniorität). Die Arbeit verdeutlicht, dass dies ein zentrales Instrument war, um geistliche Autorität über bloße arithmetische Mehrheiten zu stellen.
Als Papst und Jurist war Coelestin III. in eine Zeit starker Spannungen zwischen dem Primat Roms und den Rechten östlicher Patriarchen eingebunden; sein Pontifikat und seine Strukturreformen prägten die Art und Weise, wie diese Dekretale zu lesen ist.
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