Masterarbeit, 2006
75 Seiten, Note: 1,1
I Einleitung und Fragestellung
II Westlicher Sicherheitsdiskurs
2.1 Aufstieg des Sicherheitsdiskurses
2.1.1 Gespaltener Westen
2.1.2 Positionen anhand von National Security Strategy (NSS) und European Security Strategy (ESS): Indikatoren für unterschiedliches Verständnis von Sicherheit
2.1.3 Positionen anhand von NSS und ESS: Idee des westlichen Staatsmodells
2.1.4 Positionen anhand von NSS und ESS: Indikatoren für unterschiedliche Wahrnehmung von Bedrohungen
2.2 Westliches Staatenmodell im Sicherheitsdiskurs
2.3 Fortschrittsglaube und Souveränitätsgebot im westlichen Sicherheitsdiskurs
2.4 Demokratisierung und Modernisierung
III Moderne Sicherheit und postmoderne Bedrohung
3.1 Das Konstrukt von Sicherheit und Bedrohung
3.1.1 Definition von Sicherheit, Risiko und Gefahr nach Luhmann
3.1.2 Definition von Risiko und reflexiver Modernisierung nach Beck
3.1.3 Westliche Theorien über Sicherheit
3.1.4 Erweiterter Sicherheitsbegriff
3.1.5 Postmoderne Gefährdungslagen
3.1.6 Handlungsmacht durch Deutungshoheit
3.1.7 Kontrollillusion im Sicherheitsdiskurs
3.2 Vergesellschaftung des Sicherheitsbegriffs
3.3 Moderne Erwartungen an die Entwicklungspolitik
IV Europäische Nachbarschaftspolitik: Lösung der Moderne als Antwort auf die Postmoderne
4.1 Kurze Einführung in die ENP
4.1.1 Funktion und Ziele der ENP
4.1.2 Entwicklung der ENP und Ausdehnung
4.1.3 Methode der ENP
4.2 Instrumente und Vorgehensweisen in der ENP
4.2.1 Global Governance
4.2.2 Multilateralismus
4.2.3 Institutional Capacity Building
4.3 Europäisierung und Demokratisierung
4.3.1 Sozialisierung
4.3.2 Konditionalisierung
4.4 Nebenwirkungen der ENP
4.4.1 Sicherheitspolitische Aspekte der ENP
4.4.2 Entwicklungspolitische Aspekte der ENP
4.4.3 Nicht-intendiertes Risiko durch Global Governance
4.4.4 Die Welt außerhalb des Westens
Die Arbeit untersucht, ob und in welcher Weise die europäische Sicherheitspolitik die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) instrumentalisiert, um auf postmoderne Bedrohungslagen zu reagieren. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob die EU dabei an einem überholten westlichen Staatsmodell festhält und welche Konsequenzen diese Instrumentalisierung für die betroffenen Nachbarstaaten hat.
3.1 Das Konstrukt von Sicherheit und Bedrohung
Sicherheit kann nicht thematisiert werden ohne ihre Gegenbegriffe Unsicherheit, Bedrohung und Gefahr. Ihnen gemeinsam ist, dass es sich um soziale Konstrukte handelt, für die wissenschaftlich keine eindeutige Definition vorliegt, sondern im Gegenteil eine jede Disziplin mit eigenen Begriffsdeutungen arbeitet. Sicherheit lässt sich qualitativ nicht messen, weil immer unspezifizierte Formen von Unsicherheiten auftreten können. Eine quantitative Messung lässt sich ebenso wenig durchführen, da Menge, Intensität und Eintrittswahrscheinlichkeit eine variablenreiche Funktion ergeben. Es können nur Näherungswerte, also Maße erstellt werden.
Und doch beschäftigen sich ganze Industrien wie die Versicherungsbranche damit, Sicherheit quantitativ zu berechnen. Zu diesem Zweck wird sich des Tricks bedient, Sicherheit als die potentielle Eintrittswahrscheinlichkeit von Risiken zu definieren und Wahrscheinlichkeitsrechnungen vorzunehmen. An verschiedene skalierte Richtwerte für Eintrittswahrscheinlichkeiten von Risiken werden Handlungsempfehlungen geknüpft, so dass der Eindruck entsteht, Relevanzniveaus für Entscheidungen festlegen zu können. “More generally, it is important to identify conclusions that are insensitive to the uncertainties and approximations in assumptions and scope defined by the [risk] model.” (Cox, L., 2002: 121). Als theoretischer Überbau fungiert hier häufig der Rational Choice-Ansatz (Uckun, S. et al, 1991/ Johnson, R., 1991). Mittel-Zweck-Kalküle treffen auf Nutzenpräferenzniveaus, so dass dementsprechend ein logisch-rechnerischer Prozess (vom Aufbau der Risikodefinition bis zur Planung der Kommunikation) abläuft, der die Kontrollfähigkeit des Risikos simuliert.
I Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in die Thematik der Instrumentalisierung der Entwicklungszusammenarbeit durch die europäische Sicherheitspolitik ein und formuliert die zentralen Arbeitsthesen.
II Westlicher Sicherheitsdiskurs: Es werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Sicherheitsverständnis der USA und der EU anhand zentraler Strategiepapiere (NSS und ESS) analysiert.
III Moderne Sicherheit und postmoderne Bedrohung: Dieses Kapitel untersucht die soziologische Konstruktion von Sicherheit, Risiko und Gefahr sowie deren Auswirkungen auf die Entwicklungspolitik.
IV Europäische Nachbarschaftspolitik: Lösung der Moderne als Antwort auf die Postmoderne: Hier wird die ENP als praktisches Beispiel für die instrumentelle Nutzung von EZ im Rahmen europäischer Sicherheitsinteressen detailliert untersucht.
Europäische Sicherheitspolitik, Entwicklungszusammenarbeit, Sicherheitsdiskurs, Europäische Nachbarschaftspolitik, Risikogesellschaft, Modernisierung, Global Governance, Multilateralismus, Postmoderne Bedrohung, Staatlichkeit, Institutionelle Reformen, Demokratieförderung, Konditionalisierung, Sozialisierung, Instrumentalisierung.
Die Arbeit analysiert, inwieweit die europäische Sicherheitspolitik Entwicklungshilfe als strategisches Instrument nutzt, um auf transnationale Risiken zu reagieren.
Zentrale Themen sind der Sicherheitsdiskurs von EU und USA, das Verständnis von Risiken und Sicherheit in der Postmoderne sowie die konkrete Ausgestaltung der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP).
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass die EU versucht, durch die Instrumentalisierung der Entwicklungshilfe ein westliches Staatsmodell als Sicherheitsgarantie zu exportieren, und aufzuzeigen, welche unerwünschten Nebenwirkungen dies haben kann.
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Diskursanalyse, die auf soziologischen Theorien (insbesondere zu Risiko und Moderne) basiert und diese auf sicherheitspolitische Strategiepapiere anwendet.
Der Hauptteil beleuchtet den Aufstieg des Sicherheitsdiskurses, theoretische Konzepte von Sicherheit nach Luhmann und Beck sowie die Instrumente der ENP, wie Global Governance und Konditionalisierung.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Europäische Sicherheitspolitik, Risikogesellschaft, ENP, Instrumentalisierung, Global Governance und das westliche Erfolgsmodell des Nationalstaats.
Die Autorin argumentiert, dass die EU versucht, moderne Antworten auf postmoderne, globale Herausforderungen zu geben, was zu ineffektiven und teilweise kontraproduktiven Ergebnissen führt.
Dies beschreibt den Prozess, in dem entwicklungspolitische Themen und Mittel aus ihrem originären, humanitären Kontext herausgelöst und zweckentfremdet werden, um sicherheitspolitische Interessen zu verfolgen.
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