Bachelorarbeit, 2005
40 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Das Sozio-Ökonomische Panel (SOEP)
2.1 Vorgehensweise, Datenbasis und Grenzen
2.2 Befunde zur Bildungspartizipation
2.2.1 Vorschulische Partizipation
2.2.2 Der Übergang in die Sekundarstufe
2.2.3 Universitäts- und Fachhochschulbesuch
2.2.4 Berufliche Bildung, Erwerbstätigkeit, Arbeitslosigkeit
2.2.5 Der Übergang in die Sekundarstufe (1985- 1995)
2.2.6 Nationalitätenunterschiede beim Übergang von der Grundschule zur Sekundarstufe
3. Ursachenanalyse
3.1 Makroebene: Ausländer- und Zuwanderungspolitik
3.2 Mesoebene: Institution Schule
3.2.1 Selektierendes Schulsystem und Bildungspolitik
3.2.2 Institutionalisierte Diskriminierung
3.2.3 Übertrittsempfehlung in die Sekundarstufe: Ursache von Schulnoten und ethnischer Konzentration in der Schule
3.3 Mikroebene: Familie
3.3.1 Rückkehrabsichten
3.3.2 Sozioökonomische Faktoren und soziale Schichtung
3.3.3 Kulturelle Faktoren
3.3.4 Platzierungsverhalten und Sphärendiskrepanz
4. Schlussbetrachtung
Die vorliegende B.A.-Arbeit untersucht die Ursachen für Bildungsungleichheiten bei türkischen Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Ziel ist es, durch eine systematische Analyse auf Makro-, Meso- und Mikroebene die komplexen Faktoren zu identifizieren, die zu einem geringeren Bildungserfolg dieser Personengruppe führen.
3.2.2 Institutionalisierte Diskriminierung
Der Erklärungsansatz der institutionalisierten Diskriminierung stammt aus dem anglo-amerikanischen Gebiet und ist organisationsbezogen. Der Begriff des strukturellen bzw. institutionellen Rassismus wurde Anfang der Sechziger Jahre in den USA geprägt und ist im Hintergrund zu den Bürgerrechtsbewegungen zu sehen. Gomolla et. al. (1999) wenden sich mit diesem Erklärungsansatz von individualisierenden Konzepten ab und schreiben die Produktion von Ungleichheiten Institutionen zu. Einzelakteure und ihre Intentionen sind dabei völlig irrelevant. Vielmehr spielt die historische Dimension eine Rolle. Ausgrenzung und direkte Diskriminierung können sich im Verlauf der Jahre zu einer verfestigten Struktur und Normalität entwickeln, die der einzelne nicht einmal bemerkt. Außerdem bringen bestimmte Beziehungen zwischen Institutionen gewisse Ungleichheitseffekte hervor.
Die Autoren unterscheiden Mechanismen der direkten und indirekten institutionalisierten Diskriminierung. Die direkte Diskriminierung „beruht auf der Anwendung von ungleichen Normen und Regeln.“ (Gomolla et. al. (1999: 326)) Die Benachteiligung von Migranten ist aber erst voll zu erfassen, wenn man die indirekte mit ins Auge fasst. Es sind Formen „verdeckter und nicht intentionaler Diskriminierung“ (Gomolla et. al. (1999: 326)), die dem Lehrer oder Direktor gar nicht bewusst sein müssen, da sie auf der gleichen Anwendung von Regeln für unterschiedliche Gruppen beruhen, die aber dadurch ungleiche Chancen hervorrufen. Überwiegend bilden die beiden Mechanismen ein Zusammenspiel.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Brisanz des Themas Bildungs(miss)erfolg von Migrantenkindern und führt in die multikausale Ursachenanalyse auf verschiedenen Systemebenen ein.
2. Das Sozio-Ökonomische Panel (SOEP): Dieses Kapitel erläutert die Datengrundlage der Analyse und präsentiert deskriptive Befunde zur Bildungspartizipation, die deutliche Nachteile für Kinder mit Migrationshintergrund aufzeigen.
3. Ursachenanalyse: Der Hauptteil analysiert auf Makro-, Meso- und Mikroebene die Zuwanderungspolitik, das institutionelle Schulsystem und familiäre Einflussfaktoren als mögliche Determinanten für Bildungsungleichheiten.
4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Multikausalität der Bildungsbenachteiligung und gibt einen Ausblick auf notwendige zukünftige Forschungsansätze.
Bildungsungleichheit, Migrationshintergrund, SOEP, Schulsystem, Selektion, institutionalisierte Diskriminierung, Bildungsbeteiligung, Sekundarstufe, Bildungsaufstieg, sozioökonomische Faktoren, Zuwanderungspolitik, Sphärendiskrepanz, Platzierungsverhalten, Sozialschicht, Integrationspolitik.
Die Arbeit analysiert die Bildungsungleichheiten von Kindern und Jugendlichen türkischer Herkunft in Deutschland und untersucht, welche Faktoren für deren teils signifikant schlechteren Bildungserfolg im Vergleich zu deutschen Kindern verantwortlich sind.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen der Zuwanderungspolitik, die selektive Struktur des deutschen Schulsystems, Mechanismen institutioneller Diskriminierung sowie der Einfluss sozioökonomischer und familiärer Rahmenbedingungen auf die Bildungskarriere.
Ziel ist es, die "Multikausalität" der Bildungsungleichheit aufzudecken und ein umfassendes Repertoire an Ursachen darzustellen, um die Mechanismen hinter den statistisch belegbaren Bildungsnachteilen besser zu verstehen.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Sekundäranalyse quantitativer empirischer Untersuchungen (insbesondere Daten des Sozio-Ökonomischen Panels, SOEP) und zieht qualitative Studien heran, um die kausalen Zusammenhänge zu untermauern.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Makroebene (Zuwanderungspolitik), eine Mesoebene (Institution Schule, Selektionsmechanismen) und eine Mikroebene (familiäre Faktoren wie Rückkehrabsichten, sozioökonomischer Status und kulturelle Einflüsse).
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bildungsungleichheit, institutionelle Diskriminierung, Migrationshintergrund, Selektionsmechanismen und Bildungschancen charakterisieren.
Der Begriff beschreibt die Diskrepanz, die Jugendliche zwischen ihrer inneren familiären Welt und der äußeren gesellschaftlichen Sphäre wahrnehmen, was ihre Bildungsentscheidungen und -erfolge maßgeblich beeinflussen kann.
Die Befunde zeigen, dass dies nicht allein auf kulturelle Defizite zurückzuführen ist, sondern auf ein Zusammenspiel aus früher selektierendem Schulsystem, institutionellen Diskriminierungsmechanismen und einer unzureichenden Unterstützung durch das soziale Umfeld.
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