Magisterarbeit, 2006
110 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Abriss über die Entwicklung des Klassikmarktes seit Einführung der CD
2.1. Die erste CD war eine Klassik-CD
2.2. Siegeszug der CD – Euphorie in der Musikindustrie
3. Gründe für die Krise
3.1. Klassikhörer sind zu alt
3.2. Der Fachhandel verschwindet
3.3. Große Labels und Billiganbieter
3.4. Ein Werk – Einhundert Interpretationen
4. Stars – Forschungsstand
4.1. Was ist ein Star? Erklärungsversuche
4.2. Das Starimage
4.2.1. Der Star als Zeichenkomplex
4.2.2. Rollenimage und Privatimage
5. Weitere Dimensionen des Starphänomens
5.1. Kontinuität
5.2 Der Star als Zeichen der Zeit
5.3. Erfolg und Rezeption
5.3.1. Wirtschaftlicher Erfolg
5.3.2. Rezeption
5.3.3. Psychologische Ansätze zur Erklärung des Starkults
5.3.4. Zuhörer-Typologie nach Adorno
5.4. Die rätselhafte Dimension – der Mythos
5.5. Beispiel: Der Dirigent als mythischer Held
6. Der Klassikstar
6.1. Der Klassikstar – ein neues Phänomen?
6.2. Exkurs – das Geschäft mit den Klassikstars
6.2.1. Ronald Wilford und CAMI
6.2.2. Mark McCormack und IMG
6.2.3. Neuer Manager-Typus: Jeffrey Vanderveen
6.2.4. Vermarktungsmöglichkeiten von Klassik-Künstlern
7. Kleine Typologie der Klassikstars
7.1. Anna Netrebko
7.2. Anne-Sophie Mutter
8. Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des "Klassikstars" und seine Bedeutung für den zeitgenössischen Klassikmarkt. Angesichts einer anhaltenden Krise der Musikindustrie analysiert die Autorin, wie Stars inszeniert werden, um ein breiteres Publikum zu erschließen und langfristige wirtschaftliche Erfolge zu sichern.
4.2.1. Der Star als Zeichenkomplex
Eine erste wissenschaftlich fundierte Analyse des Starphänomens lieferte der amerikanische Filmwissenschaftler Richard Dyer, der Ende der 1970er Jahre begann, das Phänomen des Film- und Hollywoodstars zu untersuchen. Erstmals betrachtete Dyer die vielen verschiedenen Aspekte des Phänomens differenziert und versuchte, sie in Beziehung zueinander zu setzen.
Eine zentrale Bedeutung kommt in diesen Untersuchungen dem Begriff „Image“ zu. Ausgehend von diesem Image eröffnete Dyer einen wissenschaftlichen Zugang zum Starthema im Rahmen der Semiotik, der noch heute als wegweisend in der diesbezüglichen Forschung gilt: Dyers Analyse galt der gesamten Struktur des Starphänomens. Er betrachtete den Star als einen Komplex von unendlich vielen Zeichen, mit denen wiederum zahlreiche denotative und konnotative Bedeutungen verbunden sind. Er untersuchte den Star auch im Hinblick auf seine Funktion für die Erzählweise, Bedeutung und Ästhetik des Films, für die Filmindustrie, für Zuschauer, Fans und andere Publika sowie für die Gesellschaft insgesamt.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, was einen Star ausmacht und wie das Phänomen des Klassikstars speziell auf dem aktuellen Musikmarkt zu verstehen ist.
2. Abriss über die Entwicklung des Klassikmarktes seit Einführung der CD: Es wird die technologische und ökonomische Entwicklung seit 1982 sowie die anfängliche Euphorie und der spätere Niedergang der CD-Verkäufe dargestellt.
3. Gründe für die Krise: Dieses Kapitel identifiziert strukturelle Probleme wie die Überalterung der Hörerschaft, das Verschwinden des Fachhandels und die Dominanz großer Konzerte-Konzerne.
4. Stars – Forschungsstand: Eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff „Star“ und der semiotischen Analyse von Starimages als Zeichenkonstrukte.
5. Weitere Dimensionen des Starphänomens: Themen wie diachrone Kontinuität, die Rolle des Stars als Zeitgeist-Indikator, Rezeptionstheorien und die Mythenbildung werden erörtert.
6. Der Klassikstar: Analyse des spezifischen Phänomens der Klassik-Stars, inklusive eines Exkurses zu einflussreichen Managern und Vermarktungsstrategien.
7. Kleine Typologie der Klassikstars: Praxisbezogene Analyse anhand der Biografien und Vermarktungswege von Anna Netrebko und Anne-Sophie Mutter.
8. Schlussbemerkung: Ein Fazit zur wirtschaftlichen Bedeutung von Star-Marketing im Vergleich zur musikalischen Substanz und zum künftigen Umgang mit Klassik im Zeitgeist.
Klassikstar, Musikmarkt, Starimage, Vermarktung, Semiotik, Rezeption, Dirigent, Mythos, Kontinuität, Anna Netrebko, Anne-Sophie Mutter, Künstleragentur, Musikindustrie, Identifikation, Projektion
Die Arbeit untersucht das Phänomen des „Klassikstars“ und analysiert dessen Rolle bei der Vermarktung klassischer Musik in einem wirtschaftlich schwierigen Marktumfeld.
Die Arbeit umfasst die wirtschaftliche Krise des Klassikmarktes, theoretische Ansätze zur Entstehung von Starkult (z.B. nach Richard Dyer), die Rolle von Managern und die mediale Inszenierung von Künstlern.
Ziel ist es zu klären, wie Klassik-Künstler heutzutage als Stars etabliert werden, welche Vermarktungsmechanismen dabei greifen und welche Bedeutung dies für das Publikum hat.
Die Arbeit stützt sich auf medienwissenschaftliche Ansätze (Semiotik), soziologische Konzepte (Adorno, Sennett) und psychologische Theorien zum Modelllernen (Bandura) und zur Identifikation.
Der Hauptteil beleuchtet neben der historischen Entwicklung des Marktes vor allem die semiotische Struktur von Starimages, die spezifische Funktion des Dirigenten als „Mythos“ und die konkrete Vermarktungsarbeit von Agenturen.
Zentrale Begriffe sind Klassikstar, Imagebildung, Vermarktungsstrategien, semiotische Konstruktion und das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Anspruch und kommerzieller Verwertung.
Während Netrebko als ein moderner „Cross-over“-Star durch massenwirksame PR-Inszenierungen (TV, Mode) bekannt wurde, wird Mutter als eine bereits in jungen Jahren aufgebaute, in sich ruhende, seriöse Geigerin dargestellt, deren Image stärker auf „Wunderkind“ und ästhetischer Perfektion basiert.
Der Dirigent fungiert für das Publikum als konkreter, „fassbarer“ Held und Inkarnation von Macht und Autorität, was ihn zu einem idealen Projektionsobjekt macht, auch wenn seine rein musikalische Funktion oft kritisch hinterfragt wird.
Diese Agenturen sind die treibenden Kräfte hinter der Vermarktung; sie nutzen moderne Managementmethoden aus dem Sport- und Finanzsektor, um Künstler als Markenprodukte zu etablieren und maximale Gewinnmargen zu erzielen.
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