Diplomarbeit, 2002
97 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
2. Begründung des systemtheoretischen Rahmens
3. System-Umwelt Problematik
3.1. Systemgrenzen
4. Verhältnis zwischen Politik, Massenmedien und Öffentlichkeit
4.1. Das Funktionssystem der Politik
4.2. Das Funktionssystem der Massenmedien
4.3. Die Funktion von Öffentlichkeit und öffentlicher Meinung für Politik und Massenmedien
4.3.1. Öffentlichkeit und öffentliche Meinung
4.3.2. Die Bedeutung von öffentlicher Meinung für das politische System
4.3.3. Öffentlichkeit und Massenmedien
4.3.4. Die Funktion der Massenmedien für die politische Kommunikation
5. Organisation
5.1. Interaktion und Organisation
5.2. Organisation und Entscheidung
5.3. Grenzstellen
5.3.1. Unsicherheitsabsorption
5.3.2. Adaption
6. Problemstellung
6.1. Formale Organisation
6.2. Informale Organisation
6.3. Rollenverflechtung
6.4. Methoden zur Bewältigung des Rollenkonflikts
6.5. Presse-Partei-Paralellismus
7. Zwischenfazit
8. Empirische Analyse
8.1. Auswahlverfahren
8.2. Erhebung
9. Problembewältigungsmechanismen innerhalb der politischen Pressestelle
9.1. Verschiebung auf andere Ebenen der Organisation
9.2. Freiräume durch Intransparenz
9.3. Generierung des Bewußtseins für massenmediale Anforderungen innerhalb der Fraktion
9.4. Rücksprache / Dialog innerhalb der Fraktion
9.5. „Unter 3“ - Ein Code.
9.6. „Miteinander auf ein Bier gehen“ - der persönliche Kontakt zu Medienvertretern
10. Die Pressestellen
10.1. „Kreativität und versicherungsfremde Leistungen“
10.2. „Kontakte statt Meldungen!“
10.3. „Die Pressestelle als Koordinator“
10.4. „Suche nach Anschluß“
11. Vergleich der Strategien zur Problembewältigung innerhalb der unterschiedlichen Pressestellen
11.1. Tabellarische Darstellung des Vergleichs der Strategien zur Problembewältigung innerhalb der unterschiedlichen Pressestellen
12. Schlußbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der politischen Pressestelle als ein für die Reproduktion der politischen Partei essentielles Subsystem. Im Fokus steht dabei die Analyse der Informationsverarbeitung und die Frage, wie politische Pressestellen an relevante Informationen gelangen und diese verarbeiten, um im Spannungsfeld zwischen der parteiinternen Organisation und den Erwartungen der Massenmedien erfolgreich zu agieren.
9.2. Freiräume durch Intransparenz
Im Theorieteil der Arbeit wurde gezeigt, daß aufgrund der Berührungspunkte mit einer hochgradig dynamischen Umwelt der Bestandteil der formalen Organisation einer Grenzstelle vergleichsweise gering ist. Dies wirkt sich wiederum auf die Beobachtbarkeit bestimmter Arbeitsabläufe innerhalb des Subsystems aus. Die Dominanz informaler Organisation trägt dazu bei, die Undurchschaubarkeit der angetroffenen Erwartungskomplexe zu begünstigen, u.a. weil informale Organisation sich schlecht darstellen läßt. Es gibt wenige fixierte Regelungen, an denen sich die Referenten orientieren können. So müssen eine Vielzahl der Entscheidungen aufgrund persönlicher Erfahrung, „aus dem Bauch heraus“ getroffen werden. Dazu kommt, daß private Kontakte für ihre Arbeit eine wesentliche Rolle spielen, deren Inanspruchnahme für die Organisation jedoch nicht (oder nur schlecht) auf formalem Wege eingefordert werden kann. Daher bleibt ein großer Teil der Arbeit der Pressereferenten für Journalisten, wie auch für die übrigen Mitglieder der politischen Organisation im Verborgenen.
Intransparenz schafft Handlungsfreiräume für die Angehörigen der politischen Pressestelle. Weil einzelne Entscheidungen innerhalb der Partei oder Fraktion in der Regel zunächst unter Ausschluß der Öffentlichkeit getroffen werden, wird es den Pressereferenten möglich, Medienvertretern Information vorzuenthalten, was verhindert, daß diese davon erfahren und sich vor den Kopf gestoßen fühlen. Auf diese Weise wird das positive Verhältnis zu ihnen nicht bedroht. Andererseits können die Referenten ihre persönliche Beziehung zu Journalisten durch die vertrauliche Weitergabe von Hintergrundinformationen festigen30, ohne daß andere Kreise innerhalb der politischen Organisation davon erfahren. Diese Form des Informationstransfers ermöglicht letztlich die enge Bindung des Journalisten an den Referenten, vermeidet aber zugleich, durch die Intransparenz der Situation, eine Gefährdung der Beziehung zu den politischen Stellen.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Professionalisierung politischer Öffentlichkeitsarbeit und die wachsende Bedeutung der Pressestellen.
2. Begründung des systemtheoretischen Rahmens: Erläuterung der Relevanz der modernen Systemtheorie zur Analyse funktionaler Differenzierungen.
3. System-Umwelt Problematik: Theoretische Abgrenzung von System und Umwelt zur Analyse politischer Organisationen.
4. Verhältnis zwischen Politik, Massenmedien und Öffentlichkeit: Untersuchung der strukturellen Kopplung und der spezifischen Funktionen der Massenmedien für die politische Kommunikation.
5. Organisation: Anwendung des Organisationsbegriffs auf politische Parteien und die Rolle von Grenzstellen.
6. Problemstellung: Analyse der widersprüchlichen Erwartungshaltungen an die Pressestelle und der Notwendigkeit informaler Bewältigungsstrategien.
7. Zwischenfazit: Theoretische Zusammenfassung der Notwendigkeit informaler Handlungsspielräume.
8. Empirische Analyse: Beschreibung des explorativen Forschungsdesigns mittels Fallstudien unter den Bundestagsfraktionen.
9. Problembewältigungsmechanismen innerhalb der politischen Pressestelle: Detaillierte Darstellung der identifizierten Strategien zur Konfliktentschärfung und Informationssteuerung.
10. Die Pressestellen: Konkrete Analyse und Typisierung der Arbeitsweisen in den verschiedenen Fraktionspressestellen.
11. Vergleich der Strategien zur Problembewältigung innerhalb der unterschiedlichen Pressestellen: Synoptische Darstellung und vergleichende Analyse der gefundenen Mechanismen.
12. Schlußbetrachtung: Reflektion der Ergebnisse über die Bedeutung informaler Organisation für die Stabilität und Handlungsfähigkeit politischer Parteien.
Systemtheorie, politische Pressestelle, informale Organisation, Massenmedien, Öffentlichkeitsarbeit, Rollenkonflikt, Grenzstelle, Informationsverarbeitung, Kommunikation, politische Partei, Intransparenz, Strategien, Fallstudie, Bundestagsfraktionen, Vertrauen.
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und Arbeitsweise politischer Pressestellen als Grenzstellen zwischen der politischen Organisation (Partei/Fraktion) und den Massenmedien.
Zentrale Themen sind die systemtheoretische Analyse politischer Kommunikation, die Unterscheidung zwischen formaler und informaler Organisation sowie Strategien zur Bewältigung von Rollenkonflikten.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Pressestellen durch informale Mechanismen und Handlungsspielräume eine komplexe Umwelt bewältigen und zur Reproduktion der politischen Partei beitragen.
Die Arbeit basiert auf einer systemtheoretischen theoretischen Auseinandersetzung und nutzt explorative Fallstudien durch leitfadengestützte Interviews mit Referenten verschiedener Bundestagsfraktionen.
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Herleitung die spezifischen Bewältigungsmechanismen der Pressestellen sowie deren Arbeitsweisen in der Praxis detailliert beschrieben und vergleichend analysiert.
Systemtheorie, Pressestelle, informale Organisation, Rollenkonflikt, Grenzstelle und politische Kommunikation.
Sie arbeitet die spezifische Situation der PDS-Pressestelle heraus, die sich aus einer historischen "Medienblockade" in eine Phase der zunehmenden gesellschaftlichen Öffnung und Kooperation mit Journalisten begibt.
Er dient als Beispiel für einen informalen Code zur Informationssteuerung, der es ermöglicht, Journalisten Hintergrundwissen vertraulich zu vermitteln, ohne offizielle Konflikte mit der eigenen Organisation zu riskieren.
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