Examensarbeit, 2005
66 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Biblische Grundlagen
2.1. Sünde bei Paulus
2.1.1. Römer 7,7 – 25
2.1.2. Kontextbestimmung
2.1.3. Sünde und Gesetz
2.1.4. Der paulinische Sündenbegriff
3. Karl Barth
3.1. Das Nichtige
3.1.1. Das Wesen des Nichtigen
3.1.2. Die Kehrseite der Schöpfung
3.2. Der Ursprung des Nichtigen
3.3. Die Macht der Sünde
3.3.1. Die Sünde als konkrete Gestalt des Nichtigen und als „ontologische Unmöglichkeit“
4. Paul Tillich
4.1. Der Übergang von der Essenz zur Existenz
4.1.1. Essenz und Existenz
4.1.2. Das Symbol des Falls
4.1.3. Freiheit und Schicksal
4.1.4. „Träumende Unschuld“
4.1.5. Das moralische und das tragische Element im Übergang vom essentiellen zum existentiellen Sein
4.1.6. Schöpfung und Fall
4.1.7. Der Ursprung des Bösen
4.2. Die Macht der Sünde
4.2.1. Entfremdung und Sünde
4.2.2. Entfremdung als Unglaube, hybris und Konkupiszenz
4.2.2.1. Unglaube
4.2.2.2. hybris
4.2.2.3. Konkupiszenz
4.2.3. Individuelle und kollektive Entfremdung
4.2.4. Entfremdung und Übel
5. Ursprung und Macht der Sünde – Eine vergleichende Auseinandersetzung
5.1. Wesen und Macht der Sünde
5.2. Ursprung der Sünde
6. Eigene Stellungnahme
7. Die Macht der Sünde und deren religionspädagogische Bedeutung
7.1. Karl Barth
7.1.1. Die Evangelische Unterweisung
7.2. Paul Tillich
7.2.1. Der problemorientierte Religionsunterricht
7.3. Der Sündenbegriff in den religionspädagogischen Konzeptionen
7.3.1. Der hermeneutische Religionsunterricht
7.3.2. Der emanzipatorische Religionsunterricht
7.4. Der Sündenbegriff und seine Bedeutung für den Religionsunterricht
8. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das Sündenverständnis theologisch, insbesondere die Frage nach dem Ursprung und der Macht des Bösen. Im Zentrum steht die kritische Auseinandersetzung mit den Sündenkonzeptionen von Karl Barth und Paul Tillich, deren Erkenntnisse anschließend auf verschiedene religionspädagogische Ansätze übertragen und auf ihre Bedeutung für den Religionsunterricht hin analysiert werden.
3.1.1. Das Wesen des Nichtigen
Es gibt einen Widerspruch und Widerstand gegen Gottes Weltherrschaft. Es gibt ein Element – es handelt sich sogar um ein ganz dunkles System von Elementen – im Weltgeschehen, das von Gottes Vorsehung […] nicht umfaßt wird, […] ein Element, dem Gott die Wohltat dieses Erhaltens, Begleitens und Regierens, die Wohltat seiner väterlichen Herrschaft durchaus verweigert und das sich sogar seinerseits durchaus dagegen sträubt, väterlich […] von ihm erhalten, begleitet und regiert zu werden. Es gibt unter den Gegenständen von Gottes Vorsehung einen Fremdkörper […]: verschieden von der Art, in der sie die Kreaturen und das kreatürliche Geschehen beherrscht […] Wir bezeichnen diesen Widerspruch und Widerstand, dieses störrische Element, diesen Fremdkörper […] als das Nichtige.
Mit diesen Eingangsworten beschreibt Barth sehr anschaulich seine Auffassung von dem Nichtigen. Das Nichtige ist ein Element, das sich faktisch gegen Gott richtet. Dies ist der Ausgangspunkt der barthschen Lehre über das Nichtige.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das zentrale Thema der Arbeit ein, formuliert die Forschungsfrage nach dem Ursprung des Bösen und skizziert das Vorgehen mittels der Theologien von Karl Barth und Paul Tillich.
2. Biblische Grundlagen: Hier wird das paulinische Sündenverständnis analysiert, wobei besonders das Verhältnis von Sünde, Gesetz und der Macht der Sünde beleuchtet wird.
3. Karl Barth: In diesem Kapitel wird Barths Konzept des „Nichtigen“ als Widerspruch gegen Gottes Weltherrschaft sowie die Macht der Sünde als konkrete Gestalt des Nichtigen erarbeitet.
4. Paul Tillich: Dieses Kapitel analysiert Tillichs Lehre, die den Übergang von der Essenz zur Existenz als Sündenfall deutet und Entfremdung als zentrales Merkmal der menschlichen Existenz begreift.
5. Ursprung und Macht der Sünde – Eine vergleichende Auseinandersetzung: Hier werden die theologischen Positionen Barths und Tillichs in einer vergleichenden Gegenüberstellung hinsichtlich ihrer Auffassungen von Sünde und Ursprung des Bösen kritisch analysiert.
6. Eigene Stellungnahme: Die Autorin reflektiert die dargestellten Positionen kritisch und formuliert eine eigene Position zum Sündenbegriff, die den Doppelaspekt von Schicksal und individueller Freiheit hervorhebt.
7. Die Macht der Sünde und deren religionspädagogische Bedeutung: In diesem Hauptteil wird der Sündenbegriff auf verschiedene religionspädagogische Konzeptionen übertragen und seine Bedeutung für den Religionsunterricht diskutiert.
8. Schluss: Diese Zusammenfassung reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die Notwendigkeit, das Thema Sünde sensibel im Kontext der Frohen Botschaft im Unterricht zu behandeln.
Sünde, Nichtige, Entfremdung, Existenz, Essenz, Barth, Tillich, Religionspädagogik, Gnade, Schicksal, Freiheit, Sündenfall, Schuld, Vergebung, Theologie
Die Arbeit beschäftigt sich mit der systematisch-theologischen Frage nach dem Ursprung und der Macht der Sünde unter Einbeziehung der theologischen Perspektiven von Karl Barth und Paul Tillich.
Zentrale Felder sind die Analyse des „Nichtigen“ bei Barth, das Verständnis von Entfremdung und Existenz bei Tillich sowie die Relevanz dieser Begriffe für den modernen Religionsunterricht.
Das Ziel ist es, den Sündenbegriff aus theologischer Sicht zu klären und daraus Konsequenzen für eine zeitgemäße, nicht anklagende religionspädagogische Praxis abzuleiten.
Die Arbeit nutzt eine systematisch-theologische Methode der Quellenanalyse und vergleichenden Auseinandersetzung mit der Fachliteratur der genannten Theologen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Theologie Barths und Tillichs sowie eine anschließende Transferleistung auf die Religionspädagogik.
Zu den prägenden Begriffen zählen Sünde, Entfremdung, Gnade, Schicksal, Freiheit, Das Nichtige und Religionspädagogik.
Diese beiden Theologen des 20. Jahrhunderts bieten zwei fundamental unterschiedliche, aber hochrelevante Ansätze zum Verständnis des Bösen, die den Sündenbegriff weg von einer reinen Gesetzesübertretung hin zu einer existentiellen oder ontologischen Problematik führen.
Die Autorin plädiert für einen Religionsunterricht, der die Sünde nicht als Anklage, sondern im Horizont der Sündenvergebung und der Frohen Botschaft thematisiert, um Befreiung statt Schuldgefühle zu vermitteln.
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