Magisterarbeit, 2006
109 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Erster Teil: Zimzum in der Lurianischen Kabbala
2.1 Ursprung
2.1.1 Präfigurationen
2.1.2 Isaak Luria
2.2 Geschichte
2.3 Topographie
2.3.1 Zimzum
2.3.2 Schevirath ha-Kelim
2.3.3 Tikkun
2.4 Diskussion
3. Zweiter Teil: Zimzum im Judentum
3.1 Die Verbreitung der Lurianischen Kabbala
3.2 Sabbatianismus
3.3 Chassidismus
3.4 Spätere Entwicklungen
4. Zur Rezeption in der christlichen Gelehrtenwelt Europas
4.1. Christliche Kabbala
4.2. Protestantische Theosophie, idealistische Philosophie und die deutsche Romantik
4.3. Die Naturwissenschaften
5. Zur Rezeption im 20. Jahrhundert und in der Gegenwart
5.1. Offizialkultur
5.2. Populärkultur
Die Arbeit untersucht die interkulturelle Rezeptionsgeschichte des lurianischen Konzepts der Selbstverschränkung Gottes (Zimzum) aus religionswissenschaftlicher Perspektive und fragt nach seiner Funktion, Bedeutung und Wandelbarkeit als Denkfigur in verschiedenen kulturellen und philosophischen Kontexten.
1.3.1 Zimzum
Vor aller Schöpfung ist nur En Sof (סוף אין, das ´Unendliche´), die verborgene Gottheit, das Absolute in seinem Urzustand, das in sich alle Kräfte und Attribute, die später offenbar werden sollten, in einem undifferenzierten Zustand und in „ungeschiedener Einheit“ faßt. Da es nichts als Gott gibt, kann es auch nichts außerhalb Gottes geben; damit aber fehlt der Raum, in dem Schöpfung – als ein von Gott auch Verschiedenes – existieren könnte. Jede Schilderung einer ausschliesslichen Emanation eines Schöpfers übersieht hier die Frage des Wohin?, des Wo-hinein?.
Diese an sich rationalistische, ja „naturalistische“ Frage wird von Luria mit Zimzum beantwortet. Denn um diesen Schöpfungsraum zu schaffen, beginnt Gott nun sich selbst auf sich selbst zurückzuziehen. War in den bereits erwähnten Midraschim die Rede, daß Gott seine Schechinah an einen Ort konzentriert habe, so vollzieht sich hier nachgerade das Gegenteil: Gott kontrahiert sich von einem Ort weg, ja um der Schöpfung Raum zu lassen, gibt er solchen von sich selbst frei. Wir wollen uns den Basistext hierzu von CHAJIM VITAL seiner Wichtigkeit wegen in der hebräischen Originaldiktion betrachten, da er der als erstes geschriebene Text ist, der das Konzept vom Zimzum umfassend beschreibt.
Kapitel 1 Zimzum in der Lurianischen Kabbala: Untersuchung der Entstehung und grundlegenden Bedeutung des Zimzum-Motivs bei Isaak Luria sowie dessen Voraussetzungen in der jüdischen Mystik.
Kapitel 2 Zimzum im Judentum: Analyse der weiteren Verbreitung innerhalb jüdischer Strömungen wie dem Sabbatianismus und Chassidismus sowie der späteren Ansätze.
Kapitel 3 Zur Rezeption in der christlichen Gelehrtenwelt Europas: Darstellung der Rezeption durch christliche Kabbalisten, Naturwissenschaftler und Philosophen, insbesondere unter Berücksichtigung der Verbindung zur idealistischen Philosophie und Romantik.
Kapitel 4 Zur Rezeption im 20. Jahrhundert und in der Gegenwart: Erörterung der modernen und post-modernen Rezeptionslinien in Wissenschaft, Philosophie sowie der kommerzialisierten Verwendung in der Populärkultur.
Zimzum, Isaak Luria, Lurianische Kabbala, Selbstverschränkung Gottes, Schöpfung, En Sof, Religionswissenschaft, Rezeptionsgeschichte, Christliche Kabbala, Theodizee, Mystik, Kosmogonie, Identitätsphilosophie, Weltbild, Symbolsystem.
Die Arbeit analysiert das jüdisch-mystische Konzept des Zimzum – die Selbstverschränkung Gottes – und dessen historische sowie philosophische Rezeptionsgeschichte über die Jahrhunderte hinweg.
Zentrale Themen sind die lurianische Kabbala, die Verbreitung des Konzepts im Judentum, die Aufnahme in die christliche Gelehrtenwelt sowie die moderne Rezeption in Philosophie und Popkultur.
Ziel ist es, die interkulturelle Rezeptionsgeschichte dieser spezifischen Denkfigur religionswissenschaftlich aufzuarbeiten und ihren Wandel von einer mystischen Lehre zu einem philosophischen Begriff nachzuzeichnen.
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre, empirisch orientierte religionswissenschaftliche Methode, die Quellenanalyse mit kulturwissenschaftlichen Ansätzen verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in die lurianischen Grundlagen, die jüdische Binnengeschichte, die christliche Rezeption durch Gelehrte und Philosophen sowie die heutige Bedeutung des Begriffs in der Gegenwartskultur.
Die zentralen Begriffe umfassen Zimzum, Isaak Luria, Schöpfung, En Sof, Religion, Rezeption und Mystik.
Der Begriff beschreibt den notwendigen Akt Gottes, sich selbst zu kontrahieren, um überhaupt erst einen Raum für eine von ihm verschiedene Schöpfung zu ermöglichen.
Sie diente ab dem 17. Jahrhundert als wichtiges Bindeglied, um das jüdische Konzept des Zimzum in den europäischen philosophischen Diskurs zu integrieren und zu transformieren.
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