Magisterarbeit, 2004
74 Seiten, Note: sehr gut (1,0)
1. Einleitung
2. Wahrnehmung und Gedächtnis
2.1 „Geruchstier Mensch“: Be-Sinnung der Orientierung
2.2 Spracherwerb: Encodierung und Decodierung von Gerüchen
2.3 Gedächtnisarbeit: Analyse und Synthese von Gerüchen
2.4 Die Duftspur: Anwesenheit von Abwesendem
2.5 Das olfaktorische Gedächtnis: Geruch als Erinnerungsmedium
2.6 Grenouille: eine schizophrene Persönlichkeit
3. Die olfaktorische Kommunikation
3.1 Grenouille als ‚Sender’
3.1.1 ‚Nasenangst’: Körperduft als Identitätsbildner
3.1.2 Der Parfümeur als Schöpfer virtueller Identitäten
3.2 Das Parfum als technisch reproduzierbares Kunstwerk
3.2.1 Die Aura als einmalige Ferne
3.2.2 Die kalte Enfleurage: Speicherung des Flüchtigen
3.2.3 Die technische Reproduktion: Verlust der Einmaligkeit
3.2.4 Die Überwindung von Zeit und Raum: Verlust der Ferne
3.3 Die Empfänger: die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation
3.3.1 ‚Nasenlust’: die olfaktorische Manipulation der Massen
3.3.2 Das Scheitern der olfaktorischen Kommunikation
4. Schluss: Zur Medialität des Olfaktorischen
Die vorliegende Arbeit untersucht Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ unter medientheoretischen Gesichtspunkten, wobei der Fokus auf der olfaktorischen Medialität liegt. Es wird analysiert, wie die Geruchswahrnehmung und das Gedächtnis des Protagonisten Jean-Baptiste Grenouille seine Sozialisation prägen und inwieweit das Medium „Parfum“ als technisch reproduzierbares Kunstwerk innerhalb eines soziologischen Kommunikationsrahmens fungiert.
3.1.2 Der Parfümeur als Schöpfer virtueller Identitäten
Bis dato hatte er [...] noch nie in einen Spiegel gesehen. Er sah einen Herrn in feinem blauem Gewand vor sich, mit weißem Hemd und Seidenstrümpfen, und er duckte sich ganz instinktiv, wie er sich immer vor solch feinen Herren geduckt hatte. Der feine Herr aber duckte sich auch, und indem Grenouille sich wieder aufrichtete, tat der feine Herr dasselbe, und dann erstarrten beide und fixierten sich. [...] Grenouille fand, daß der Monsieur im Spiegel, diese als Mensch verkleidete, maskierte, geruchlose Gestalt, nicht so ganz ohne sei; zumindest schien ihm, als könnte sie – würde man ihre Maske nur vervollkommnen – eine Wirkung auf die äußere Welt tun [...]. (184-186)
In diesem, das Lacansche Spiegelstadium symbolisierenden Augenblick ist der ‚kostümierte’ Grenouille zunächst durch seine visuelle Selbstwahrnehmung irritiert. Später verinnerlicht er die Erkenntnis: ‚Kleider machen Leute’, und macht sie – auf olfaktorische Weise – zum Programm seiner Identität.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die thematische Unterordnung des Geruchssinns ein und definiert „Das Parfum“ als „Medienroman“, der auf einer Sozialisationstheorie basiert.
2. Wahrnehmung und Gedächtnis: In diesem Kapitel wird das Verhältnis von Wahrnehmung und Gedächtnis mittels Henri Bergsons Theorien auf Grenouilles Entwicklung und seine olfaktorische Sozialisation angewendet.
3. Die olfaktorische Kommunikation: Das Hauptkapitel untersucht das Medium Parfum anhand von Medientheorien von Walter Benjamin und Niklas Luhmann, um die Möglichkeiten und das Scheitern der Kommunikation zu beleuchten.
4. Schluss: Zur Medialität des Olfaktorischen: Das Fazit fasst zusammen, dass die olfaktorische Medialität durch einen Mangel an kulturellen Codes und die Unwahrscheinlichkeit zwischenmenschlicher Kommunikation gekennzeichnet ist, was das Individuum in die Isolation treibt.
Medialität, Olfaktorik, Patrick Süskind, Das Parfum, Jean-Baptiste Grenouille, Geruchssinn, Wahrnehmung, Gedächtnis, Mediensozialisation, Aura, technische Reproduktion, Kommunikation, Manipulation, Identität, Pheromone
Die Arbeit analysiert die Medialität des Olfaktorischen in Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ und untersucht die olfaktorische Sozialisation des Protagonisten Grenouille.
Die zentralen Themen umfassen die Rolle des Geruchssinns als Medium, die Theorie des Gedächtnisses, die technische Reproduzierbarkeit von Kunst und die Grenzen zwischenmenschlicher Kommunikation.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Grenouille durch olfaktorische Mittel Identität konstruiert und inwiefern dies als medientheoretisch relevante Kommunikation gewertet werden kann.
Die Arbeit nutzt medien- und kunsttheoretische Ansätze, insbesondere von Henri Bergson, Walter Benjamin und Niklas Luhmann, um das Phänomen „Geruch“ literaturwissenschaftlich einzuordnen.
Der Hauptteil befasst sich mit dem Modell „Sender-Medium-Empfänger“ und der Frage, ob eine tatsächliche olfaktorische Kommunikation zwischen Grenouille und seinen Mitmenschen stattfindet.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören olfaktorische Medialität, Aura, technische Reproduktion, Geruchsanalphabetismus und die schizophrene Persönlichkeitsstruktur Grenouilles.
Die Arbeit identifiziert seine extreme Spaltung zwischen einer animalischen, impulsiven Natur und einem hochgradig abstrakten, inneren „Seelentheater“ als Symptome einer Schizophrenie.
Der Weinkeller dient als zentrale architektonische Gedächtnismetapher, die den Speicherort für Grenouilles Geruchserinnerungen versinnbildlicht.
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