Diplomarbeit, 2005
103 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Begriffserläuterungen
2.1. Der sexuelle Missbrauch
2.2. Sexueller Missbrauch aus juristischer Sicht
2.3. Der Inzest
2.4. Das Opfer
2.5. Der Täter
2.6. Die Missbrauchshandlung
3. Die Folgen des sexuellen Missbrauchs
3.1. Was sind Sofortfolgen und was sind Langzeitfolgen?
3.2. Die Sofortfolgen
3.2.1. Die Psychodynamik des Opfers
3.2.1.1. Die traumatische Sexualisierung
3.2.1.2. Die Stigmatisierung
3.2.1.3. Der Betrug / der Verrat
3.2.1.4. Die Machtlosigkeit und die Ohnmacht
3.2.1.5. Das Trauma „sexueller Missbrauch“
3.2.2. Körperliche Anzeichen
3.2.3. Das Post- Traumatische Stresssyndrom und die Dissoziation
3.2.4. Der Vertrauensverlust, die Sprachlosigkeit und der Rückzug auf sich selbst
3.2.5. Die Angst und der Zweifel an der eigenen Wahrnehmung
3.2.6. Die Nähe und Intimität und die Schuld- und Schamgefühle
3.3. Die Langzeitfolgen
3.3.1. Die körperlichen und die psychosomatischen Folgen
3.3.1.1. Alpträume und Schlafstörungen
3.3.1.2. Sprachstörungen, Stottern und Konzentrationsstörungen
3.3.1.3. Einnässen und Einkoten
3.3.1.4. Hauterkrankungen
3.3.1.5. Blutungen
3.3.1.6. Bauchschmerzen, Magen- und Darmprobleme, Unterleibsschmerzen
3.3.1.7. Essstörungen
3.3.1.8. Atemstörungen
3.3.1.9. Autismus
3.3.1.10. Multiple Persönlichkeitsstörung
3.3.2. Emotionale Reaktionen
3.3.2.1. Aggressives und delinquentes Verhalten
3.3.2.2. Ängste
3.3.2.3. Schuldgefühle und Schamgefühle
3.3.2.4. Depressionen und depressives Verhalten
3.3.2.5. Zwanghaftes Verhalten
3.3.2.6. Überangepasstes Verhalten
3.3.3. Autoaggressionen
3.3.3.1. Suizidversuche
3.3.3.2. Trebegänger
3.3.3.3. Selbstverstümmelung und Selbstverletzung
3.3.3.4. Suchtverhalten
3.3.3.5. Risikoreiches Verhalten
3.3.4. Sozialverhalten
3.3.4.1. Leistungsverweigerung, Leistungsbereitschaft und Probleme in der Schule
3.3.4.2. Die soziale Isolation
3.3.4.3. Machtverhalten
3.3.4.4. Distanzloses und auffälliges Verhalten
3.3.5. Sexualität
3.3.5.1. Prostitution
3.3.5.2. Sexuelle Funktionsstörungen und Angst vor körperlicher Nähe
3.3.5.3. Bloßstellen der Genitalien
3.3.5.4. Verweigerung sexueller Bedürfnisse
4. Die Kinderzeichnung – ein Signal
4.1. Merkmale der Kinderzeichnungen
4.2. Phasen des Zeichnens
4.3. Missbrauch als Thema in der Kinderzeichnung
4.4. Warum Kinder nicht reden, sondern malen
5. Beratung und Therapie für sexuell missbrauchte Kinder
5.1. Die Beratung und die Arbeit in den Kontaktstellen
5.1.1. Beratung von Mädchen und Jungen
5.1.2. Kontakt zu dem Täter
5.2. Therapie für sexuell missbrauchte Kinder
5.2.1. Schritte in der Therapie
6. Therapie für Erwachsene, die in ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurden
6.1. Die Diagnostik und die Gesprächsführung
6.2. Der Aufbau einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung
6.2.1. Die Ambivalenz erkennen
6.2.2. Die Angst vor dem Kindern des Kontrollverlust
6.2.3. Hilfe die Loyalitätskonflikte zu überwinden
6.3. Die Bedingungsanalyse und die Definition von Therapiezielen
6.4. Die Veränderung dysfunktionaler Kognitionen
6.4.1. Die verzerrte Kognition zum sexuellen Missbrauch
6.4.2. Negative Einstellung zu sich und anderen
6.5. Der Aufbau einer positiven Selbstwahrnehmung
6.6. Lernen, sich abzugrenzen
6.7. Die Bewältigung von posttraumatischen Reaktionen
6.7.1. Linderung von Flashbacks
6.7.2. Der Umgang mit ungewollten Dissoziationen
6.8. Die Bewertung und Förderung sozialer Beziehungen
6.8.1. Die Bewertung der sozialen Beziehungen
6.8.2. Das Einbeziehen des Partners
6.9. Das Aufarbeiten traumatischer Kindheitserlebnisse
6.9.1. Die erlittenen Schmerzen würdigen
6.9.2. Einen Abrechnungsbrief schreiben
6.9.3. Die Aussprache mit dem/der Täter/in
6.9.4. Das Loslassen der angestauten Wut
6.10. Die Behandlung sexueller Probleme
6.10.1. Hinweise zur Paartherapie
6.10.2. Sexualtherapeutische Hilfe für Opfer ohne Partner/in
6.11. Therapiebegleitende Maßnahmen
7. Fakten und Zahlen der PKS von 1998 bis 2003
7.1. Die Entwicklungsgeschichte der PKS
7.2. Die Straftaten „Sexueller Missbrauch von Kindern“
7.3. Die Häufigkeitszahlen der Opfer nach deren Geschlecht
7.4. Die Tatortverteilungen der erfassten Fälle
7.5. Das Geschlecht und die Altersstruktur der Täter
7.6. Die Dunkelziffer
8. Resümee
Die Diplomarbeit untersucht die vielschichtigen Folgen von sexuellem Kindesmissbrauch, wobei ein besonderer Fokus auf der Abgrenzung zwischen Sofort- und Langzeitfolgen liegt. Die Autorin analysiert, wie betroffene Kinder durch Zeichnungen ihre Erlebnisse verarbeiten, da ihnen oft die Worte fehlen. Zudem werden therapeutische Interventionsansätze sowohl für Kinder als auch für Erwachsene reflektiert, um Hilfestellungen für die Bewältigung des Traumas und die Wiedererlangung der persönlichen Autonomie aufzuzeigen.
2.1. Der sexuelle Missbrauch
Es gibt eine Vielzahl von Definitionen des sexuellen Mißbrauchs bzw. der sexuellen Gewalt. Einige der Definitionen gehen von der Vergewaltigung durch den Vater oder einem Triebtäter aus. Jedoch ist der sexuelle Mißbrauch sehr viel weitreichender. „Sexueller Missbrauch sind sexuelle Handlungen, die Erwachsene an oder mit Kindern und Jugendlichen vornehmen.“ (Weber 1991, S. 9) Die sexuellen Handlungen äußern sich durch Berührungen an Kindern, die gegen den Willen der Kinder oder unter Zwang ausgeführt werden. „Zu sexuellen Kontakten zählen alle Berührungen: vom Berühren oder Berührenlassen von Genitalien, Küssen mit sexuellen Absichten bis hin zum Geschlechtsverkehr (vaginal, oral oder rektal)“ (Rensen 1992, S. 48) Wenn ein Kind zum Beispiel den Wunsch äußert, einmal den Penis des Vaters anfassen zu wollen, ist es eine einmalige Berührung und kein sexueller Mißbrauch. „Das Kind wird bei diesem Wunsch nicht von sexuellen Interessen geleitet, sondern möchte alles Neue durch Ertasten erforschen und erfahren.“ (Steinhage 1992, S. 9) Der Erwachsene entscheidet sich bewußt für oder gegen die Mißbrauchshandlung, er handelt immer in klarer Absicht. Dies wird anhand des folgenden Beispiels deutlich: wenn ein Vater mit seiner Tochter badet und das Mädchen den Penis des Vaters sieht, ist es kein sexueller Mißbrauch. Ein verantwortungsbewußter Vater badet entweder bis zum Ende mit seiner Tochter, oder wenn er Angst hat, die Grenzen nicht wahren zu können, er beendet das gemeinsame Baden und wiederholt es nicht, um sich und seine Tochter zu schützen.
Wenn das Mädchen aus Neugierde den Penis des Vaters ertastet, liegt ebenfalls kein sexueller Mißbrauch vor. Zieht der Vater danach keine Grenze und läßt sich weiter von dem Kind berühren und sexuell erregen, handelt es sich jedoch um sexuellen Mißbrauch. Zwar liegt von Seiten des Kindes kein sexuelles Interesse vor, jedoch vom Vater.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation der Autorin zur Auseinandersetzung mit dem tabuisierten Thema sexueller Missbrauch, basierend auf praktischen Erfahrungen in einem Kinderheim.
2. Begriffserläuterungen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Missbrauch, juristische Sichtweisen, Inzest, die Rollen von Opfer und Täter sowie verschiedene Formen der Missbrauchshandlung.
3. Die Folgen des sexuellen Missbrauchs: Hier werden die unmittelbaren körperlichen und psychischen Sofortfolgen den langfristigen Auswirkungen gegenübergestellt und detailliert analysiert.
4. Die Kinderzeichnung – ein Signal: Das Kapitel untersucht Kinderzeichnungen als Ausdrucksmittel für traumatisierte Kinder, um ihre Gefühle non-verbal mitzuteilen und therapeutisch zu bearbeiten.
5. Beratung und Therapie für sexuell missbrauchte Kinder: Dieser Teil beschreibt notwendige Beratungsstrukturen und therapeutische Ansätze, um Kindern bei der Aufarbeitung des Traumas und der Stärkung des Selbstwertgefühls zu helfen.
6. Therapie für Erwachsene, die in ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurden: Fokus auf die therapeutische Behandlung langjähriger Auswirkungen, inkl. Diagnostik, Beziehungsaufbau und Aufarbeitung traumatischer Erlebnisse im Erwachsenenalter.
7. Fakten und Zahlen der PKS von 1998 bis 2003: Eine statistische Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik zur Entwicklung der Fallzahlen, Tatortverteilung und Täterstrukturen.
8. Resümee: Die Autorin fasst ihre Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, das Tabu des Missbrauchs in der Gesellschaft zu brechen.
Sexueller Missbrauch, Kindesmissbrauch, Traumafolgen, Psychodynamik, Kinderzeichnung, Traumatherapie, PKS, Täterprofile, Opferhilfe, Beratung, Inzest, Langzeitfolgen, Prävention, Aufarbeitung, soziale Isolation.
Die Arbeit beschäftigt sich intensiv mit dem Thema sexueller Missbrauch an Kindern, analysiert die Folgen für die Betroffenen und beleuchtet therapeutische Ansätze sowohl für Kinder als auch für Erwachsene, die als Kinder Opfer wurden.
Zentrale Themen sind die Definition und Einordnung von Missbrauch, die psychischen und körperlichen Auswirkungen (Sofort- und Langzeitfolgen), die Bedeutung der non-verbalen Kommunikation durch Kinderzeichnungen sowie spezifische Interventionsmöglichkeiten in Beratung und Therapie.
Ziel ist es, das Tabu des sexuellen Missbrauchs innerhalb der Familie aufzubrechen, die schwerwiegenden und oft übersehenen Folgen aufzuzeigen und fundierte Hilfsangebote für Opfer aufzuzeigen.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller Literatur und Studien sowie der Analyse statistischer Daten aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) zur Darstellung von Fallentwicklungen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Psychodynamik der Opfer, die Kategorisierung der Folgen, den Nutzen der kindlichen Bildsprache sowie die Beschreibung phasenbasierter Therapiekonzepte für Kinder und Erwachsene.
Sexueller Missbrauch, Traumafolgen, Kinderzeichnung, Therapieansätze, Opferschutz, PKS, psychische Belastungen, Täteranalyse, Resilienz und Beratung.
Kinder sind oft nicht in der Lage, Missbrauch verbal zu artikulieren, weshalb Zeichnungen für Therapeuten ein essenzielles Signal und ein Zugangsweg zur inneren Gefühlswelt und zur Verarbeitung des Erlebten darstellen.
Da die Folgen von Missbrauch oft ein Leben lang anhalten, ist eine spezifische Therapie sowohl im Kindesalter (zur Bewältigung des akuten Traumas) als auch im Erwachsenenalter (zur Aufarbeitung der lebenslangen Auswirkungen) entscheidend für die psychische Stabilität.
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