Examensarbeit, 2006
82 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung in die Thematik des Textes
2. Untersuchungen zum Judentum
2.1. Juden in Deutschland zu Lebzeiten des Joseph Süßkind Oppenheim und bis zu Beginn des Dritten Reichs
2.2. Die Situation der Juden im Dritten Reich
3. Lion Feuchtwanger
3.1 Lion Feuchtwangers jüdisches Selbstverständnis
3.2 Lion Feuchtwangers Erfahrung mit dem Antisemitismus
4. Die historische Figur des Jud Süß: Joseph Ben Isacchar Süßkind Oppenheim
4.1 Das Leben des Joseph Süß Oppenheimer
4.2 Joseph Süß Oppenheimers Umgang mit seiner Religion
5. Analyse des Romans Jud Süß unter besonderer Berücksichtigung der Projektion von Feuchtwangers Erfahrungen mit dem Antisemitismus
5.1 Die Novelle von Wilhelm Hauff als Grundlage für Lion Feuchtwangers Roman
5.2 Der Begriff der Neuen Sachlichkeit
5.3 Der Roman
5.3.1 Die Entstehungsgeschichte
5.3.2 Die sprachliche Struktur des Textes
5.3.2.1 Der Ort des Geschehens
5.3.2.2 Die Zeit in der Jud Süß spielt
5.3.2.3 Die Erzählperspektive
5.3.2.4 Rhetorische Mittel und sprachliche Besonderheiten
5.3.2.5 Die Handlungsstränge
5.3.3 Die Personenkonstellationen
5.3.1 Joseph Süß Oppenheimer alias Jud Süß
5.3.2 Der Herzog Karl Alexander
5.3.3 Die Tochter Naemi
5.3.4 Rabbi Gabriel
5.3.5 Isaak Landauer
5.3.6 Magdalen Sybillen
5.3.7 Das Verhältnis zwischen Jud Süß und dem Herzog
5.3.4 Kommentare zum Roman
6. Die Rezeption im Film des Dritten Reiches
6.1 Die britische Verfilmung „Jew Suess“ von Lothar Mendes
6.2 Die deutsche Verfilmung „Jud Süß“ von Veit Harlan
6.3 Ein Vergleich der Filme von Mendes und Harlan
6.4 Lion Feuchtwangers Reaktion auf die Verfilmung Jud Süß
6.5 Der Film und der Roman – Gemeinsamkeiten und Unterschiede
6.6 Der Prozess um den Regisseur Veit Harlan, Hamburg 1949
7. Projektionen des Autors auf seinen Titelhelden Jud Süß
8. Schlussfolgerung
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Aufarbeitung der historischen Figur Joseph Süß Oppenheimer in Lion Feuchtwangers Roman „Jud Süß“ sowie deren filmische Rezeption im Dritten Reich. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie der Autor persönliche Erfahrungen mit dem zeitgenössischen Antisemitismus in sein Werk einfließen ließ und in welchem Spannungsverhältnis die literarische Vorlage zur späteren nationalsozialistischen Propagandaverfilmung steht.
5.3.2.4 Rhetorische Mittel und sprachliche Besonderheiten
Häufig wird über den Schreibstil des Autors diskutiert. Auch in Jud Süß verwendet Feuchtwanger viele Verben und Adjektive, so dass es beinahe schon zu einer Überreizung kommt. Besonders häufig setzt der Autor drei Adjektive in eine Gruppe zusammen: „zerrissen, überwachsen, bodenloser Sumpf“. Man kann sagen, dass die Sprache Feuchtwangers verschwenderisch in der Wortwahl ist. Entsprechend kritisiert Klaus Harpprecht die Sprache Feuchtwangers: „Es streift die Grenze zum Unerträglichen“. Die Häufung erzeugt Unruhe und Hektik, der Leser fühlt sich gedrängt. Zu dem gewöhnungsbedürftigen Sprach-Repertoire des Autors gehören auch Neologismen wie „flennerisch“.
Auch der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bestätigt diesen Eindruck: „Seine Schreibweise hat etwas Penetrantes: Sie ist bisweilen eindringlich und zugleich aufdringlich.“ Neben der Sprache gerät auch die Häufung von Bildern in Jud Süß in die Diskussion. Ein Textausschnitt verdeutlicht die Kritikpunkte:
„Er hörte, hörte, wie das Land aufatmete, er sah die fetten Bürgerkanaillen seines Parlaments, wie sie triumphierend grunzten, breitmäulig, sich die Schenkel schlagend, er sah die nüchternen, steifleinernen, korrekten Verwandten der Herzogin und ihren magern, sauern, höhnischesn Jubel.“
Die Passage ist langwierig, wenn man sie liest. Der Leser stockt bei den ausschweifenden Beschreibungen. Lion Feuchtwangers Schreibstil ist sehr eigen. Er beschreibt breit und detailliert und versucht so eine Stimmung zu erzeugen, die aber bisweilen auf den Leser eher anstrengend und überzogen wirkt. Er benutzt seine Sprache um die Umstände, die er beschreibt zu visualisieren. Es ist diskussionswürdig, inwiefern er dadurch dem Leser eine Arbeit abnimmt, die zur Reflexion des Textes entscheidend beitragen würde.
1. Einleitung in die Thematik des Textes: Die Einleitung erläutert die zentrale Problemstellung um die historische Figur des Joseph Süß Oppenheimer und setzt den Fokus auf die literarische Analyse Feuchtwangers im Kontext des aufkommenden Antisemitismus.
2. Untersuchungen zum Judentum: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über die Lebensbedingungen der Juden in Deutschland vom 18. Jahrhundert bis zur Weimarer Republik.
3. Lion Feuchtwanger: Hier wird das jüdische Selbstverständnis des Autors und seine persönliche Konfrontation mit dem Antisemitismus im 20. Jahrhundert thematisiert.
4. Die historische Figur des Jud Süß: Joseph Ben Isacchar Süßkind Oppenheim: Eine kritische Auseinandersetzung mit den historisch belegten Fakten sowie den Mythen um Joseph Süß Oppenheimer.
5. Analyse des Romans Jud Süß unter besonderer Berücksichtigung der Projektion von Feuchtwangers Erfahrungen mit dem Antisemitismus: Ein umfassendes Kapitel, das die literarische Vorlage, den Stil der Neuen Sachlichkeit sowie die Struktur und Figurenkonstellation des Romans detailliert beleuchtet.
6. Die Rezeption im Film des Dritten Reiches: Dieses Kapitel analysiert die zwei konträren Verfilmungen des Stoffes und untersucht deren jeweilige Intentionen und den Missbrauch des Themas zu Propagandazwecken.
7. Projektionen des Autors auf seinen Titelhelden Jud Süß: Eine Zusammenführung der Parallelen zwischen der Lebensgeschichte Feuchtwangers und der Entwicklung seines Protagonisten.
8. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Bedeutung des Romans für das jüdische Selbstverständnis sowie die Problematik seiner Rezeption.
Lion Feuchtwanger, Jud Süß, Joseph Süß Oppenheimer, Antisemitismus, Neue Sachlichkeit, Nationalsozialismus, Propagandafilm, Veit Harlan, Lothar Mendes, Judentum, Literaturanalyse, Historischer Roman, Deutsche Geschichte, Assimilation, Rezeption
Die Magisterarbeit untersucht den Roman „Jud Süß“ von Lion Feuchtwanger im Kontext des historischen Antisemitismus und analysiert, wie der Autor seine persönliche Identität und politische Erfahrungen in das literarische Werk einbrachte.
Im Mittelpunkt stehen die historische Figur Joseph Süß Oppenheimer, die literarische Transformation durch Feuchtwanger sowie die gegensätzliche filmische Rezeption durch Lothar Mendes und Veit Harlan während der NS-Zeit.
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der differenzierten literarischen Vorlage und ihrer späteren nationalsozialistischen Instrumentalisierung als Propagandainstrument aufzuzeigen.
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, bei der sowohl der Roman textanalytisch (unter Berücksichtigung der Neuen Sachlichkeit) als auch die Verfilmungen in einem historischen und ideologischen Kontext gegenübergestellt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung des Judentums, eine tiefgehende Analyse des Romans und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der filmischen Rezeption sowie den rechtlichen Prozessen gegen den Regisseur Veit Harlan nach 1945.
Zu den zentralen Begriffen zählen: Feuchtwanger, Jud Süß, Antisemitismus, Nationalsozialismus, Propagandafilm, Assimilation und historische Identität.
Feuchtwangers eigene Identität als deutsch-jüdischer Schriftsteller im Exil und seine Erfahrungen mit der Verfolgung prägten maßgeblich die Darstellung seines Protagonisten als Außenseiter, der zwischen verschiedenen kulturellen Welten steht.
Während die Mendes-Verfilmung als Warnung vor Antisemitismus konzipiert war, diente Harlans Film als direktes Propagandamittel des NS-Regimes, das antisemitische Klischees bewusst verstärkte, um Hass gegen die jüdische Bevölkerung zu schüren.
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