Diplomarbeit, 2006
74 Seiten, Note: 1,3
1 Zielsetzung der Arbeit
2 Grundsätzliches zum Verständnis des Mehrebenengedankens
2.1 Die Entwicklung der Mehrebenenanalyse
2.1.1 Émile Durkheim als historisches Beispiel der Mehrebenenanalyse
2.1.2 Die Mehrebenenanalyse als Reaktion auf die Kritik an der Ein-Ebenen-Analyse
2.2 Die Unterscheidung von Individual-und Kollektivebene
2.2.1 Die Lazarsfeld-Menzel-Typologie individueller und kollektiver Eigenschaften
2.2.1.1 Kollektive Eigenschaften
2.2.1.2 Individuelle Eigenschaften
2.2.2 Die Klassifikation individueller und kontextueller Effekte nach Davis
2.2.3 Die Unterscheidung individuen- und gruppenbezogener Effekte anhand von Beispielen hierarchischer Datenstrukturen
3 Die Durchführung von Mehrebenenanalysen
3.1 Grundsätzliche Voraussetzungen zur Durchführung
3.2 Die Problematik bei der Anwendung traditioneller statistischer Analyseverfahren
3.2.1 Konsequenzen der Ignorierung der Mehrebenenstruktur
3.2.2 Die Durchführung getrennter Regressionsanalysen
3.2.3 Die Aggregation von Individualdaten
3.2.4 Die Disaggregation von Daten und die Problematik des ökologischen Fehlschlusses
3.2.5 Weitere Typen von Fehlschlüssen
3.3 Das Hierarchisch Lineare Modell (HLM)
3.3.1 Die Regressionsanalyse als Ausgangspunkt
3.3.2 Die Einbeziehung von Merkmalen der Aggregateinheiten
3.3.3 Die Unterscheidung von Zufalls- und festen Effekten
3.3.4 Die Metrik in Mehrebenenmodellen
3.3.4.1 Die Zentrierung um Gesamtmittelwert und Gruppenmittelwert
3.3.4.2 Die Verwendung von Dummy-Variablen
3.3.5 Die praktische Umsetzung der Mehrebenenanalyse
4 Spezielle Anwendungsmöglichkeiten des Modells und Ergänzungen zum Mehrebenenansatz
4.1 Die Analyse von Längsschnittdaten
4.2 Metaanalysen
4.3 Die Erweiterung des Modells auf drei oder mehr Analyseebenen
4.4 Spezielle Software zur Mehrebenenanalyse
5 Die Mehrebenenanalyse am Beispiel der Auswertung des Fragebogens „Logistik-Standort Niederbayern“
5.1 Beschreibung des Vorgehens mit SPSS
5.2 Präsentation und Auswertung der Ergebnisse mit Hilfe von SPSS
5.2.1 Die Ergebnisse bei linearer Einfachregression
5.2.2 Die Ergebnisse unter Einbeziehung der Dummy-Variablen
6 Abschließende Beurteilung des Mehrebenenmodells
Die Diplomarbeit untersucht das Konzept der Mehrebenenanalyse als statistisches Instrument, um bei komplexen, hierarchisch strukturierten Daten nicht nur individuelle Merkmale, sondern auch kontextuelle Gruppeneinflüsse zu berücksichtigen und somit ökologische Fehlschlüsse zu vermeiden.
2.1.1 Émile Durkheim als historisches Beispiel der Mehrebenenanalyse
Schon 1897 beschäftigte sich der französische Philosoph und Soziologe Émile Durkheim in seinem Werk „Le Suicide“ mit Mehrebenenanalysen. Durkheim untersuchte dazu mehrere Jahre lang die Selbstmordraten unterschiedlicher Gesellschaften. Sein Interesse gilt hierbei dem Phänomen der Selbstmordraten und weniger den Motiven des einzelnen Selbstmords selbst. Bei seinen Untersuchungen unterscheidet Durkheim grundsätzlich vier Formen des Suizids, nämlich den egoistischen, den altruistischen, den fatalistischen sowie den anomischen. Die Bereitschaft, Selbstmord zu begehen, erklärt sich laut Durkheim aus Gründen, die nicht so sehr psychologischer Natur sind, vielmehr spielt die Gesellschaft eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Aus seiner Studie folgert er beispielsweise, dass die Selbstmordrate in einer bestimmten Gesellschaft im Laufe der Zeit in etwa konstant bleibt, obwohl sich die Zusammensetzung der Gesellschaft von Jahr zu Jahr ändert. Ebenso lässt sich festhalten, dass beispielsweise gemäß dem egoistischen Selbstmord die Selbstmordrate mit dem Grad der sozialen Integration in einer Gruppe sinkt. Katholiken etwa sind in der Regel viel intensiver in die Glaubensgemeinschaft eingebunden als Protestanten und praktizieren ihren Glauben vor allem in der Gruppe. Deshalb sind Selbstmorde bei Katholiken weitaus weniger verbreitet als bei Protestanten. Je mehr ein Individuum also in eine Glaubensgemeinschaft, in die Ehe oder in die Familie eingebunden ist, desto geringer ist statistisch gesehen die Wahrscheinlichkeit, dass es Selbstmord begeht. Folglich sind kinderlose Paare eher selbstmordgefährdet als Familien mit Kindern. Außerdem neigen geschiedene oder verwitwete Menschen deutlich häufiger dazu, sich das Leben zu nehmen als verheiratete Paare. Zusätzlich zieht Durkheim aus seinen Untersuchungen den Schluss, dass die kollektive Eigenschaft „Scheidungsrate in einer Stadt“ mit den
1 Zielsetzung der Arbeit: Einführung in die Thematik der Umfrageforschung und Begründung der Notwendigkeit von Mehrebenenanalysen zur Erklärung von Gruppen- und Kontexteffekten.
2 Grundsätzliches zum Verständnis des Mehrebenengedankens: Historische Herleitung und theoretische Systematisierung der Unterscheidung zwischen Individual- und Kollektivebenen sowie deren wechselseitigen Einflüsse.
3 Die Durchführung von Mehrebenenanalysen: Detaillierte Darstellung der statistischen Anforderungen, der Problematik traditioneller Verfahren und Einführung des Hierarchisch Linearen Modells (HLM).
4 Spezielle Anwendungsmöglichkeiten des Modells und Ergänzungen zum Mehrebenenansatz: Vorstellung von Erweiterungen für Längsschnittdaten, Meta-Analysen sowie Hinweise zur Wahl der geeigneten Software.
5 Die Mehrebenenanalyse am Beispiel der Auswertung des Fragebogens „Logistik-Standort Niederbayern“: Praktische Anwendung der Theorie auf einen realen Datensatz zur Umsatzanalyse mittels SPSS-Berechnungen.
6 Abschließende Beurteilung des Mehrebenenmodells: Kritische Würdigung der Vorteile, Grenzen und zukünftigen Bedeutung des Mehrebenenansatzes in der empirischen Forschung.
Mehrebenenanalyse, Hierarchisch Lineares Modell, HLM, Individualebene, Kollektivebene, Kontextuelle Effekte, ökologischer Fehlschluss, Aggregatdaten, SPSS, Regressionsanalyse, Varianzanalyse, Umfrageforschung, Datenauswertung, Interaktionseffekte, soziale Integration.
Die Arbeit befasst sich mit dem methodischen Konzept der Mehrebenenanalyse, das darauf abzielt, bei statistischen Auswertungen sowohl die Ebene des Individuums als auch die Ebene des sozialen Kontextes (z.B. Gruppen, Regionen) simultan zu berücksichtigen.
Zentral sind die theoretische Unterscheidung von Individual- und Kollektiveffekten, die methodische Notwendigkeit für Mehrebenenmodelle bei hierarchischen Datenstrukturen und die Vermeidung statistischer Fehlschlüsse.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Unterschiede in Datensätzen durch die Zugehörigkeit zu verschiedenen Gruppen erklärt werden können, anstatt diese ausschließlich auf individuelle Merkmale zurückzuführen.
Die Arbeit nutzt theoretische Herleitungen aus der Soziologie und Statistik sowie das Hierarchisch Lineare Modell (HLM) als zentrales Analyseinstrument, demonstriert durch praktische SPSS-Auswertungen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen (Entwicklung, Lazarsfeld-Menzel-Typologie), die methodische Durchführung (HLM, Zentrierung) und Anwendungsbereiche wie Längsschnittanalysen.
Wichtige Fachbegriffe sind Mehrebenenanalyse, ökologischer Fehlschluss, hierarchische Datenstruktur, HLM, kollektive Eigenschaften und Regressionsanalyse.
Durch die Aggregation von Daten gehen Informationen über die ursprünglichen Einheiten verloren, die Anzahl der Untersuchungseinheiten reduziert sich, und es besteht die Gefahr einer verzerrten Schätzung aufgrund von Heteroskedastie.
Ein ökologischer Fehlschluss beschreibt den irrtümlichen Schluss von Zusammenhängen auf Kollektivebene (z.B. Regionen) auf Zusammenhänge auf Individualebene (z.B. das Verhalten einzelner Personen).
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