Examensarbeit, 2006
116 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Jahrgangsklassensystem
2.1 Entstehungen der Jahrgangsklasse
2.2 Kritik an der Jahrgangsklasse
3. Entwicklung und reformpädagogische Tradition von Jahrgangsmischung
3.1 Entstehung von Jahrgangsmischung
3.2 Altersmischung in den kleinen Landschulen
3.3 Maria Montessori
3.3.1 Prinzipien und Vorzüge der Jahrgangsmischung bei Montessori
3.3.2 Die Bedeutung von Gleichaltrigen in der Lerngruppe
3.4 Peter Petersen
3.4.1 Die altersgemischte Stammgruppe
3.4.2 Eingliederung der Stammgruppe in den Schulalltag
3.4.3 Begründungen der jahrgangsgemischten Stammgruppe
3.4.4 Die Pädagogik Petersens in der aktuellen Diskussion
4. Möglichkeiten von Jahrgangsmischung
4.1 Soziale und pädagogische Möglichkeiten
4.1.1 Bildungswirksamkeit der Differenz
4.1.2 Lernen durch Imitation
4.1.3 Lernen durch Lehren
4.1.4 Förderung des Sozialverhaltens
4.1.5 Natürlichkeitsprinzip
4.1.6 Abbau von Konkurrenz
4.1.7 Kennenlernen unterschiedlicher Rollen
4.1.8 Chance für begabte und lernschwächere Schüler
4.1.9 Wegfall des „Sitzenbleibens“
4.1.10 Entlastung des Lehrers
4.1.11 Verkürzte Eingewöhnungszeit
4.1.12 Selbstgesteuertes Lernen
4.2 Schulorganisatorische Aspekte
4.2.1 Erhalt von Schulstandorten
4.2.2 Flexiblere Einschulungspraxis
4.3 Veränderte Kindheit und ihre Herausforderung für soziales Lernen in altersgemischten Gruppen
4.3.1 Berücksichtigung der heterogenen Lernvoraussetzungen
4.3.2 Kompensation fehlender sozialer Erfahrungsmöglichkeiten
4.3.3 Ausgleich zwischen Individualisierung und sozialer Interaktion
5. Grenzen von Jahrgangsmischung
5.1 Hohe Anforderungen an den Lehrer
5.2 Kinder brauchen Gleichaltrige
5.3 Ältere Kinder lernen zu wenig
5.4 Schwierige Einführungszeit
5.5 Überforderung für jüngere und förderbedürftige Kinder
5.6 Unruhe durch Veränderung des Gruppengefüges
5.7 Hohe Kosten- und Zeitintensität
6. Voraussetzungen für die Umsetzung von jahrgangsgemischtem Unterricht
6.1 Bereitschaft aller Beteiligten
6.1.1 Bereitschaft der Lehrer und des Kollegiums
6.1.2 Bereitschaft der Eltern
6.2 Erarbeitung eines pädagogischen Konzeptes
6.3 Entscheidung für ein geeignetes Modell
6.3.1 Dreijähriges Modell von Altersmischung
6.3.2 Mögliche Organisationsformen in der vierjährigen Grundschule
6.3.3 Das Eingangsstufenmodell
6.3.4 Das Zweistufenmodell
6.3.5 Dreijährige Altersmischung mit Jahrgangsklasse 4
6.3.6 Vollständige Jahrgangsmischung
6.4 Differenzierungskonzepte erarbeiten
6.4.1 Äußere Differenzierung
6.4.2 Innere Differenzierung
6.5 „Offener Unterricht“
6.6 Offene Unterrichtsformen
6.6.1 Freiarbeit oder Freie Arbeit
6.6.2 Weitere offene Unterrichtsformen
6.7 Vorbereitung der Umgebung
6.8 Veränderte Rolle des Lehrers
6.9 Fazit
7. Schulmodelle zur jahrgangsgemischten Unterrichtspraxis
7.1 Reformschule Kassel
7.1.1 Zusammenspiel von äußerer und innerer Struktur
7.1.2 Jahrgangsmischung im Konzept der Reformschule
7.1.3 Herausforderungen der Jahrgangsmischung an der Reformschule
7.1.4 Fazit zur Jahrgangsmischung in der Reformschule
7.2 Laborschule Bielefeld
7.2.1 Altersmischung in der Eingangsstufe der Laborschule
7.2.2 Jahrgangshomogenität im dritten und vierten Schuljahr
7.2.3 Jahrgangsmischung in der Sekundarstufe der Laborschule
7.2.4 Empirische Untersuchungsergebnisse zur Laborschule
7.3 Modellversuch „Kleine Grundschule“
7.3.1 Gründe für die Umsetzung des Modellversuchs
7.3.2 Planung und Umsetzung des Modellversuchs „Kleine Grundschule“
7.3.3 Perspektiven des Landeskonzeptes „Kleine Grundschulen“
7.4 Altersmischung in Schulen der Reformpädagogik
7.5 Jahrgangsmischung in Regelschulen
8. Neue Schuleingangsphase in NRW
8.1 Entstehung des Konzeptes zur neuen Schuleingangsphase
8.2 Gründe für die Veränderung der Schuleingangsphase
8.3 Vorschulische Grundlagen der Schuleingangsphase
8.3.1 Frühzeitige Anmeldung
8.3.2 Sprachförderkurse vor Schuleintritt
8.3.3 Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule
8.4 Grundlagen der Schuleingangsphase ab Schulbeginn
8.4.1 Einschulung möglichst aller Kinder
8.4.2 Integration von Schulkindergärten
8.4.3 Unterricht in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen
8.4.4 Idividuelle Verweildauer
8.5 Notwendige Bedingungen für die Einführung
9. Empirische Forschungsergebnisse zum jahrgangsgemischten Lernen
9.1 Untersuchungen aus Deutschland
9.1.1 Untersuchungen von Knörzer in Ostwürttemberg (1982)
9.1.2 Studie zur flexiblen Schuleingangsphase-FLEX-in Brandenburg
9.1.3 Lehrerbefragung von Schmidt
9.1.4 Pilotstudie zum Forschungsprojekt von Hanke und Hein (2005)
9.2 Untersuchungen aus anderen Ländern
9.2.1 Untersuchungen von Pratt (1983) und Cotton (1993)
9.2.2 Forschungsüberblick von Gutiérrez und Slavin (1993)
9.2.3 Schwedische Untersuchungen von Sundell (1994)
9.2.4 Forschungsüberblick von Veenmann (1995)
9.3 Fazit zu den empirischen Forschungsergebnissen
10. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht, ob altersheterogene Lerngruppen in der modernen Lebens- und Schulsituation von Grundschulkindern eine geeignete, zeitgemäße und förderliche pädagogisch-didaktische Alternative zum traditionellen Jahrgangsklassensystem darstellen. Dabei wird analysiert, inwiefern die Heterogenität der Lernvoraussetzungen nicht als Hindernis, sondern als pädagogische Chance begriffen werden kann.
3.3.1 Prinzipien und Vorzüge der Jahrgangsmischung bei Montessori
Das von Maria Montessori bevorzugte Modell der Jahrgangsmischung von drei Stufen, also einer „geschlechts- und altersgemischten Gruppierung der 3-6-Jährigen, der 6-9-Jährigen und der 9-12-Jährigen“59, entspricht nach Ansicht der Reformpädagogin dem „Natürlichkeitsprinzip“. Da das Kind in seiner Umwelt immer Erfahrungen mit Älteren und Jüngeren macht (vor allem in der Familie mit Geschwistern oder im Kinderhaus), ist es für Montessori sinnvoll die Mischung dreier Altersstufen auf die Schule zu übertragen. Dabei wird dem Kind die Möglichkeit geboten, unterschiedliche Rollen (die des Älteren, des Mittleren und des Jüngeren) kennen zu lernen und sie in seiner Gruppe einzunehmen. Lagings Ansicht nach führt dies nicht zu konkurrierendem, sondern zu kooperativem Umgang miteinander und fördert somit das Sozial- und Lernverhalten.60 Dieses Modell der Mischung von drei Jahrgängen kann seit der vollzogenen Teilung von Volksschulen in Grund- (umfasst in den meisten Bundesländern vier Jahrgänge) und Hauptschulen, nur noch schwer umgesetzt werden. Deshalb mussten auch in den Montessori-Schulen neue Modelle bzw. Organisationsformen von Jahrgangsmischung entwickelt werden61 (→ 6.3).
Ein weiteres wichtiges Prinzip ist der Aspekt des Voneinander Lernens. „Kinder lernen [Montessoris Ansicht nach] in einer Weise voneinander, die Eltern und Erzieher nicht ersetzen können […], da sie sich in ihrem Fühlen und Denken […] näher stehen als Erwachsene [und somit] Erkenntnisse oft entsprechend einfacher weitergeben [können].“62 Dieser Aspekt beinhaltet zwei wichtige Ausrichtungen. Auf der einen Seite steht das Lernen durch Imitation, wobei die Jüngeren die Älteren nachahmen und so zu neuen Erkenntnissen gelangen. Montessori beschreibt das folgendermaßen: „Sie können sich kaum vorstellen, wie gut ein kleines Kind von einem älteren lernt; wie geduldig das ältere Kind mit den Schwierigkeiten des jüngeren ist. Es sieht beinahe so aus, als ob das jüngere Kind für das ältere einen Arbeitsstoff darstelle.“63 Aus dieser Aussage Montessoris lässt sich schließen, dass auf der anderen Seite der Effekt des Lernens durch Lehren nicht zu unterschätzen ist, da die Schüler vorerst ihr eigenes Wissen systematisieren müssen, bevor sie es anderen Kindern vermitteln können.64 „[Das Kind] vervollkommnet […] das, was es weiß, indem es lehrt, denn es muss seinen kleinen Wissensschatz analysieren und umarbeiten, will es ihn an andere weitergeben. Dadurch sieht es die Dinge klarer und wird für den Austausch entschädigt.“65 „Durch nichts lernen sie mehr als durch das Lehren anderer […].“66
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Heterogenität in der Grundschule ein und hinterfragt die Effektivität des klassischen Jahrgangsklassensystems.
2. Jahrgangsklassensystem: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte des preußischen Jahrgangsklassensystems und die grundlegende Kritik an dessen Anspruch auf Homogenität.
3. Entwicklung und reformpädagogische Tradition von Jahrgangsmischung: Hier werden die reformpädagogischen Konzepte von Maria Montessori und Peter Petersen im Kontext der Altersmischung detailliert vorgestellt.
4. Möglichkeiten von Jahrgangsmischung: Dieser Teil beleuchtet die sozialen, pädagogischen und schulorganisatorischen Chancen von altersheterogenen Lerngruppen.
5. Grenzen von Jahrgangsmischung: Es werden die Herausforderungen wie hohe Anforderungen an das Kollegium, Zeitintensität und die Bedeutung von Gleichaltrigen kritisch diskutiert.
6. Voraussetzungen für die Umsetzung von jahrgangsgemischtem Unterricht: Dieses Kapitel definiert die notwendigen Bedingungen wie pädagogische Konzepte, Differenzierungsformen und die vorbereitete Umgebung.
7. Schulmodelle zur jahrgangsgemischten Unterrichtspraxis: Es werden die Ansätze der Reformschule Kassel, der Laborschule Bielefeld und des Brandenburger Modellversuchs „Kleine Grundschule“ analysiert.
8. Neue Schuleingangsphase in NRW: Die aktuelle Umsetzung der jahrgangsgemischten Schuleingangsphase in Nordrhein-Westfalen als Regelschule wird dargelegt.
9. Empirische Forschungsergebnisse zum jahrgangsgemischten Lernen: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über nationale und internationale Studien zur Effektivität altersgemischter Lernformen.
10. Schlussbetrachtung: Die Erkenntnisse werden resümiert und die Relevanz des Themas für die zukünftige Schulentwicklung hervorgehoben.
Jahrgangsmischung, Altersmischung, Grundschule, Reformpädagogik, Heterogenität, Maria Montessori, Peter Petersen, Offener Unterricht, Innere Differenzierung, Schuleingangsphase, Individuelle Förderung, Sozialverhalten, Jena-Plan, Schulentwicklung, Empirische Forschung
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Grenzen des Unterrichts in jahrgangsgemischten Klassen an Grundschulen als pädagogische Alternative zum klassischen Jahrgangsklassensystem.
Neben den historischen und reformpädagogischen Grundlagen betrachtet die Autorin soziale, pädagogische sowie schulorganisatorische Aspekte, notwendige Voraussetzungen zur Implementierung und aktuelle empirische Forschungsergebnisse.
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob altersheterogene Lerngruppen in der heutigen Lebenswelt von Kindern eine geeignete und förderliche Alternative zum altershomogenen Unterricht darstellen.
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf einer fundierten Literaturanalyse und dem Vergleich aktueller Schulmodelle sowie empirischer Studien basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Potenziale (Möglichkeiten), der Herausforderungen (Grenzen) sowie der praktischen Umsetzungsvoraussetzungen für den jahrgangsgemischten Unterricht.
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Jahrgangsmischung, Reformpädagogik, Heterogenität, Innere Differenzierung und Schuleingangsphase charakterisiert.
Beide Reformpädagogen dienen als historische Referenzpunkte, da sie bereits früh Konzepte entwickelten, die die Altersmischung als essenzielles Strukturprinzip für die kindliche Entwicklung und soziale Kooperation in den Mittelpunkt stellten.
Die Autorin stellt dar, wie Nordrhein-Westfalen durch die gesetzliche Einführung der jahrgangsgemischten Schuleingangsphase auf die Anforderungen der Heterogenität reagiert, wobei sie betont, dass dieser Schritt eine neue didaktische Kultur erfordert.
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