Examensarbeit, 2005
104 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
I. Lesbianismus und Gesellschaft in der abendländischen Kulturgeschichte
A. Die Antike – Gleichgeschlechtliche Liebe als Bestandteil der Erziehung
B. Das Mittelalter – Der christliche Sodomiegedanke
C. Der Beginn der Neuzeit – Von der romantischen Freundin zur minderwertigen Kranken
D. Der Nationalsozialismus – Lesben als „Asoziale“
E. Die Nachkriegsjahre – Stillstand
F. Die 70er Jahre – „Feminismus ist die Theorie, Lesbianismus die Praxis“
G. Die Gegenwart – Das Gebot der Heimlichkeit
II. Untersuchung der Jugendbücher
A. Zur Auswahl der Jugendbücher
B. Inhaltliche Analyse der Jugendbücher
1. Die Protagonistinnen und ihr soziales Umfeld
a) Das Alter
b) Der Wohnort
c) Die schulische Bildung
d) Das familiäre Umfeld
e) Der Freundeskreis
f) Die Religiosität
2. Entwicklungslinien der Frauenliebe
a) Die Frauenliebe als vorübergehende Phase
b) Die lesbische Identitätsentwicklung
(1) Die Pre-Coming-out-Phase
(2) Die eigentliche Coming-out-Phase
(3) Die explorative Phase
(4) Das Eingehen erster fester Beziehungen
(5) Die Integrationsphase
(6) Störfaktoren während der Identitätsentwicklung
3. Ansichten und Reaktionen aus dem sozialen Umfeld
a) Einstellungen zum Lesbianismus
b) Vorurteile gegenüber Lesbianismus
c) Reaktionen auf das Coming-out
4. Die lesbischen Liebesbeziehungen
a) Die Geliebten und die Art der Beziehung
b) Positive Aspekte lesbischer Beziehungen
c) Problemfelder in lesbischen Beziehungen
5. Heterosexuelle Figuren und Partnerschaften
a) Das Verhältnis der Lesben zu heterosexuellen Frauen
b) Das Verhältnis der Lesben zum männlichen Geschlecht
6. Informationen über Homosexualität
C. Stilistische Analyse der Jugendbücher
1. Erzähltechniken
a) Die Erzähl- und Wahrnehmungsperspektive
b) Die Zeitebenen und Handlungsstränge
2. Die sprachliche Darstellung der Sexualität
a) Weibliche Geschlechtsmerkmale und Sexualpraktiken
b) Homo-, Hetero- und Bisexualität
3. Das Layout
a) Die Umschlaggestaltung
b) Die Textgliederung und –bebilderung
c) Das Schriftbild und die Einarbeitung von Textsorten
Schlussbemerkungen
Die Arbeit untersucht, wie deutschsprachige Autoren der Gegenwart gleichgeschlechtliche Liebeserfahrungen von Mädchen in der Jugendliteratur darstellen. Dabei wird überprüft, inwieweit und mit welchen Mitteln die Lebensrealitäten lesbischer Jugendlicher in den Werken wiedergegeben werden und ob das Tabu, das laut Berger (1992) über diesem Thema lag, weiterhin Bestand hat.
C. Der Nationalsozialismus – Lesben als „Asoziale“
Die Diskreditierung Homosexueller gipfelte unter den Nationalsozialisten in ihrer Einstufung als „Rassenentartung“.50 Für viele verkörperten sie sogar den „Prototyp der Asozialen“,51 zu denen u.a. auch Arbeitsscheue, Bettler, Wiederholungsstraftäter, Alkoholiker und Prostituierte gehörten.52
Das nationalsozialistische Frauenbild war der kriegerischen Eroberungspolitik entsprechend auf bevölkerungsexpansive Ziele ausgerichtet.53 Der Lesbianismus gehörte folglich nicht zu den Wesenszügen einer arischen Frau, die zur Ehe und Mutterschaft bestimmt war.54 Allerdings bezog § 175 StGB trotz seiner Verschärfung55 von 1935 die Frauen immer noch nicht mit ein. Die ausschlaggebenden Argumente für die Nichtkriminalisierung homosexueller Frauen wurden wie folgt zusammengefasst:
Bei Männern wird Zeugungskraft vergeudet, sie scheiden zumeist aus der Fortpflanzung aus, bei Frauen ist das nicht oder zumindest nicht im gleichen Maß der Fall. Das Laster ist unter Männern stärker verbreitet als unter Frauen (abgesehen von Dirnenkreisen), entzieht sich auch bei Frauen vielmehr der Beobachtung, ist unauffälliger, die Gefahr der Verderbnis durch Beispiel also geringer. Die innigeren Formen freundschaftlichen Verkehrs zwischen Frauen würden die hier zumeist bestehenden Schwierigkeiten der Feststellung des Tatbestandes und die Gefahr unbegründeter Anzeigen und Untersuchungen außerordentlich erhöhen. Endlich ist [...] ein wichtiger Grund für die Strafbarkeit des gleichgeschlechtlichen Verkehrs die Verfälschung des öffentlichen Lebens, die eintritt, wenn man der Seuche nicht nachdrücklichst entgegentritt. […] Was früher Verfälschung öffentlichen Lebens genannt wurde, kommt aber bei Frauen, bei der verhältnismäßig sehr bescheidenen Rolle der Frau im öffentlichen Leben, kaum in Betracht.56
I. Lesbianismus und Gesellschaft in der abendländischen Kulturgeschichte: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss von der Antike bis zur Gegenwart, um die gesellschaftliche Stigmatisierung lesbischer Liebe über verschiedene Epochen hinweg aufzuzeigen.
II. Untersuchung der Jugendbücher: Der Hauptteil der Arbeit bietet eine detaillierte inhaltliche und stilistische Analyse von 20 ausgewählten Jugendbüchern, die das Thema lesbische Identitätsfindung behandeln.
Lesbianismus, Jugendliteratur, Identitätsentwicklung, Coming-out, Frauenliebe, Sozialisationsprozess, heterosexuelle Norm, Homosexualität, Geschlechterrollen, Diskriminierung, Adoleszenz, Literaturanalyse, lesbische Lebensrealität, gesellschaftliche Einstellung, patriarchale Gesellschaft.
Die Hausarbeit untersucht die Darstellung von gleichgeschlechtlichen Liebeserfahrungen von Mädchen in der deutschsprachigen Jugendliteratur der letzten 50 Jahre.
Neben einer historischen Einordnung fokussiert die Arbeit auf die soziale Herkunft der Romanfiguren, ihre Identitätsentwicklung, das Coming-out sowie die Darstellung von Sexualität und die Reaktionen des Umfelds.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Autoren mit dem Thema Lesbianismus umgehen und inwieweit diese Bücher Jugendlichen Orientierung in ihrer Identitätsfindung bieten können.
Die Arbeit nutzt eine inhaltliche und stilistische Analyse ausgewählter Primärliteratur in Kombination mit soziologischen Forschungsergebnissen und Studien zur Lebenssituation lesbischer Jugendlicher.
Der Hauptteil analysiert die Lebenswelten der Protagonistinnen, Phasen der Identitätsentwicklung, den Einfluss des sozialen Umfelds sowie die sprachliche und layouttechnische Aufbereitung der Thematik in den Büchern.
Die zentralen Begriffe umfassen Lesbianismus, Identitätsentwicklung, Coming-out, Jugendbuch und Sozialisation.
Die Arbeit zeigt, dass der Coming-out-Prozess in den Büchern als komplexer, oft schwieriger Weg dargestellt wird, der von Unsicherheit, Ängsten und der Suche nach Schutzräumen geprägt ist.
Vorurteile und gesellschaftliche Tabus führen in den untersuchten Büchern häufig zu einer Verzögerung des Coming-outs und können psychische Belastungen sowie Identitätskrisen bei den jungen Frauen auslösen.
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