Bachelorarbeit, 2005
41 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Entstehung eines Protestklimas
2.1 - Erste Stationen des kollektiven Protests in der ehemaligen DDR
2.2 - Erosion des ideologischen Überbaus
2.3 - Figurationen der Makroebene
2.4 - Ereignisse vor der friedlichen Revolution
3 Massenhandlungen
3.1 - Ausdruck der politischen Deprivation
3.2 - Komponenten der kollektiven Mobilisierung
3.3 - Die zwei Formen der sozialen Bewegung
3.4 - Aspekte der friedlichen Revolution
3.5 - Gründe für die ausbleibende Eskalation der Gewalt
3.6 - Das Trittbrettfahrerphänomen
4 Mobilisierung
4.1 - Erklärungsschema der Mobilisierung
5 Das Mikroschema der Teilnahmeentscheidung
5.1 - Generalisierte Entscheidungsstruktur für individuelle-nutzenorientierte Akteure zu Beginn der Proteste
5.2 - Änderungen der Randbedingungen
5.3 - Akteursgruppen mit nicht instrumentell-eigennützigen Handlungsantrieben
5.4 - Der Emergenzeffekt
5.5 - Andere Koordinationsformen
5.6 - Erweiterung der Grenzen des Diffusionsmodells
6 Zusammenfassung/ Ausblick
Die Arbeit untersucht den Verlauf der Oktoberrevolution in der ehemaligen DDR, mit einem speziellen Fokus auf die Logik des plötzlichen und lawinenartigen Anstiegs der Demonstrationen in Leipzig. Ziel ist es, durch eine sozialpsychologische Rekonstruktion unter Verwendung des Makro-Mikro-Makro-Modells sowie diverser Kosten-Nutzen-Analysen zu erklären, wie vereinzelter Widerstand in massenhafte Proteste münden konnte.
3.2 Komponenten der kollektiven Mobilisierung
Nachdem die wichtigsten Makroereignisse geschildert wurden, sollen nun die Bedingungen für Massenhandlungen stärker konturiert werden, um schließlich in einem Mikromodell die Entstehung und Dynamik weiter zu analysieren.
Demnach schildert Giddens, rekurrierend auf Charles Tilly, vier Hauptmerkmale, die eine kollektive Mobilisierung zu einer Revolution machen:
1. Organisation: Die Beteiligten Gruppen organisieren sich in Form von spontanen Ansammlungen, bis hin zu straff organisierten revolutionären Gruppen.
2. Mobilisierung: Erlangung der Kontrolle über die erforderlichen Mittel/Ressourcen für eine kollektive Aktion.
3. Gemeinsame Interessen: Alle Beteiligten haben grundsätzlich gleiche Interessen, und übernehmen Gewinne und Verluste der gemeinsamen Taktik.
4. Gelegenheit: Zufällige Ereignisse können die Umsetzung des revolutionären Prozess beeinflussen oder gar auslösen.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die sozialpsychologische Betrachtung der Oktoberrevolution ein und definiert den methodischen Rahmen der Makro-Mikro-Makro-Modellierung.
2 Entstehung eines Protestklimas: Dieses Kapitel skizziert die historischen und politischen Voraussetzungen, die den Nährboden für die späteren Proteste bereiteten.
3 Massenhandlungen: Hier werden theoretische Konzepte wie politische Deprivation, Trittbrettfahrerphänomen und die Dynamik sozialer Bewegungen diskutiert.
4 Mobilisierung: Dieses Kapitel legt das Erklärungsschema fest, um die spezifische Mobilisierungsdynamik in Leipzig wissenschaftlich zu erfassen.
5 Das Mikroschema der Teilnahmeentscheidung: Der Kernteil analysiert mittels SEU-Modellen und Schwellenwerttheorien, warum Individuen sich zur Teilnahme an Demonstrationen entschieden.
6 Zusammenfassung/ Ausblick: Abschließend werden die Ergebnisse der Rekonstruktion zusammengefasst und Ansätze für weitere Forschungen aufgezeigt.
Oktoberrevolution, Leipziger Montagsdemonstrationen, DDR, Schwellenwertmodell, Makro-Mikro-Makro-Modell, SEU-Modell, kollektive Mobilisierung, politische Deprivation, Trittbrettfahrerphänomen, soziale Bewegung, individuelle Handlungsentscheidung, friedliche Revolution, Emergenzeffekt, Protestnorm.
Die Arbeit analysiert die Oktoberrevolution in der ehemaligen DDR, wobei der Fokus insbesondere auf dem rapiden Anstieg der Leipziger Montagsdemonstrationen liegt.
Zentrale Themen sind die Entstehung von Protestklimata, die Dynamik kollektiver Mobilisierung und die Frage, warum Menschen trotz hoher Risiken an Demonstrationen teilnahmen.
Das primäre Ziel ist die sozialpsychologische Rekonstruktion der Entscheidungssituation einzelner Akteure während der friedlichen Revolution.
Es wird ein strukturell-individualistischer Ansatz verfolgt, der das Makro-Mikro-Makro-Schema mit Rational-Choice-Modellen (speziell SEU-Modell) und Schwellenwerttheorien kombiniert.
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Protestkultur, die Bedingungen für Massenhandeln sowie mathematische und theoretische Erklärungen für das Teilnehmerwachstum bei Demonstrationen.
Wichtige Begriffe sind u.a. Schwellenwertmodell, kollektive Mobilisierung, politische Deprivation und individuelles Handeln.
Laut Arbeit trugen dazu der gezielte Einfluss auf lokale Entscheidungsträger, eine Gewaltverzichtsnorm innerhalb der Proteste und die abrupte Dynamik des Teilnehmeranstiegs bei.
Es beschreibt das Problem, dass viele Bürger von den Errungenschaften der Revolution profitieren, ohne selbst das Risiko einer Teilnahme an Protesten einzugehen, was durch selektive Anreize überwunden werden musste.
Die Grenzöffnung fungierte als singuläres Ereignis, das die Präferenzstruktur der Akteure veränderte, die staatliche Repressionsunfähigkeit signalisierte und so den Protest beflügelte.
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