Magisterarbeit, 2006
96 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
1.1. Problemgegenstand und Problembereich
1.2. Fragestellung, Aufbau und Methode
1.3. Quellenlage und Literaturkritik
2. Die Entwicklung der Stadt Zittau bis zum 16. Jahrhundert unter politischen, wirtschaftlichen und kirchlichen Aspekten
2.1. Entstehung, Ersterwähnung und Stellung innerhalb der Krone Böhmens
2.2. Erste Blüte im 14. Jahrhundert – Ratsverfassung und Gerichtsbarkeit
2.3. Zittaus Rolle im „Sechsstädtebund“ und Auswirkungen auf Wirtschaft und städtische Gesellschaft
2.4. Die Kirchenorganisation des Dekanats Zittau vor der Reformation
3. Die Sakrale Topographie von Zittau zu Beginn des 16. Jahrhunderts
3.1. Johanniterorden und Johanniskirche
3.2. Die Filiale der Johanniskirche: Frauen-, Kreuz- und Dreifaltigkeitskirche
3.3. Franziskanerkloster, Regelschwesternhaus und Kirche St. Peter und Paul
3.4. Das Hospital St. Jakob und das Siechhaus zum Heiligen Geist
4. Lorenz Heydenreich und die beginnende Reformation 1521-1530
4.1. Lorenz Heydenreichs Lebensweg und Stellung innerhalb der Stadtgemeinde bis 1521
4.2. Der Komtur Nikolaus Hertwig und die Jahre vor der Einsetzung Heydenreichs 1517-1521
4.3. Die beginnende Reformation: Städtisches Umfeld und erste kirchliche „Maßnahmen“ 1521-1525/26
4.4. Der Zittauer „Gotteskasten“ – ein Instrument der frühneuzeitlichen Armenfürsorge
4.5. Der Widerstand des Königs gegen die „neue Lehre“ und der Abschied Heydenreichs aus Zittau 1529/30
5. Vom Weggang Heydenreichs bis zum Pönfall: religiöse Vielfalt und strukturelle Neuerungen
5.1. Die Nachfolger Heydenreichs und der Versuch königlicher Einflussnahme 1530-1538
5.2. Die Veränderungen in der Kommende, die Erlangung der Kollatur durch den Rat und die Rückkehr Heydenreichs
5.3. Die Schule und ihre Bedeutung für die Reformation: Andreas Mascus, Konrad Nesen, Nikolaus von Dornspach
5.4. Der Briefwechsel Zittauer Humanisten mit Heinrich Bullinger
5.5. Der Pönfall der Sechsstädte 1547 und seine Auswirkungen auf den Fortgang der Reformation in Zittau
6. Von der Überwindung des Pönfalls bis zum Kauf der Kommende – die endgültige Durchsetzung der Reformation und die Elemente einer „Konfessionalisierung“
6.1. Die Berufung Tectanders und Elemente einer „städtischen Konfessionalisierung“ – die Kirchenordnung von 1564
6.2. Der Kauf des Klosters Oybin und der Kommenden – „struktureller Abschluss“ der Reformation
7. Ausblick und Fazit
Die Arbeit untersucht die Reformationsgeschichte der Stadt Zittau im 16. Jahrhundert unter Berücksichtigung ihrer besonderen politisch-verfassungsrechtlichen Stellung als Mitglied des Sechsstädtebundes und ihrer Zugehörigkeit zum Erzbistum Prag. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie unter den Bedingungen einer fehlenden lokalen Landesherrschaft und starker böhmischer Bindung reformatorische Ideen implementiert werden konnten und welche Rolle dabei städtische Akteure sowie konfessionelle Netzwerke spielten.
3.1. Johanniterorden und Johanniskirche
Um bestimmte Vorgänge, Zusammenhänge und Funktionsmechanismen innerhalb der Stadtgemeinde während der Reformation erkennen und erklären zu können, ist es notwendig, die „Sakrale Topographie“ der Stadt darzustellen. So können eventuell Rückschlüsse auf die Frömmigkeit der Menschen im ausgehenden Mittelalter gezogen werden, zumindest erhält man einen Einblick in gewisse Gewohnheiten, religiöse Bräuche und Vorstellungen.
Seit den Anfängen der Stadtentwicklung ist die Johanniskirche Haupt- und Pfarrkirche und damit religiöser Mittelpunkt der Stadt und des Dekanats Zittau. In einer Urkunde Wenzels II. wird sie 1291 erstmals erwähnt und als „Ecclesiae Parochialis“ bezeichnet, d.h. dass es eine oder mehrere Filialkirchen gab.
Schon Carpzov und später Pescheck vermuten jedoch ein wesentlich früheres Datum für die Entstehung einer Kirche im Zentrum der Stadt und stützen sich dabei auf die Erwähnung einer Nikolaikapelle aus dem Jahre 1109. Die Kapelle soll nördlich der Hauptkirche gestanden haben und ist später in den Komplex des Franziskanerklosters einbezogen worden. Prochno konstatiert, dass die 1255 „gegründete“, d.h. ummauerte Stadt wohl wenigstens 20 Jahre früher ein Kirchgebäude an der Stelle der heutigen Johanniskirche gehabt haben muss, um die „geistliche Versorgung“ der rasch anwachsenden mittelalterlichen Stadt sicherzustellen.
Wie das Johannespatrozinium andeutet, die Kirche war sowohl Johannes dem Täufer, als auch dem Evangelisten Johannes geweiht, lag das „Jus Patronatus“ der Pfarrkirche und ihrer Filiale bei dem „hochlöblichen Ritterorden S. Johannis von Jerusalem“, genauer gesagt bei dessen Provinzial oder Großprior für das Priorat Böhmen, Polen und Mähren.
1. Einleitung: Erläuterung der Motivation, die Reformationsgeschichte einer als provinziell geltenden Stadt wie Zittau zu untersuchen, und Vorstellung der methodischen Ansätze.
2. Die Entwicklung der Stadt Zittau bis zum 16. Jahrhundert unter politischen, wirtschaftlichen und kirchlichen Aspekten: Skizzierung der Stadtwerdung unter böhmischer Krone und der Bedeutung des Sechsstädtebundes für die städtische Autonomie.
3. Die Sakrale Topographie von Zittau zu Beginn des 16. Jahrhunderts: Analyse der kirchlichen Stiftungen, Ordensniederlassungen und des Hospitalwesens als Ausgangslage für die kommenden Umbrüche.
4. Lorenz Heydenreich und die beginnende Reformation 1521-1530: Untersuchung des Lebensweges von Heydenreich und der frühen Implementierung reformatorischer Ideen in einer antiklerikalen Stimmung.
5. Vom Weggang Heydenreichs bis zum Pönfall: religiöse Vielfalt und strukturelle Neuerungen: Analyse der „Phase der Unbestimmtheit“, des Einflusses humanistischer Netzwerke und der Auswirkung des Pönfalls auf die Reformation.
6. Von der Überwindung des Pönfalls bis zum Kauf der Kommende – die endgültige Durchsetzung der Reformation und die Elemente einer „Konfessionalisierung“: Darstellung der Konsolidierung der Reformation durch die Kirchenordnung von 1564 und den wirtschaftlichen Erwerb kirchlicher Besitzstände.
7. Ausblick und Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Zittauer „Ratsreformation“ und Einordnung der Zittauer Geschichte in den Kontext der ostmitteleuropäischen Frühen Neuzeit.
Zittau, Reformation, Oberlausitz, Sechsstädtebund, Johanniterorden, Konfessionalisierung, Lorenz Heydenreich, Ratsreformation, Pönfall 1547, Kirchenordnung, Humanismus, Ständegesellschaft, Böhmische Krone, Armenfürsorge, Sakrale Topographie.
Die Magisterarbeit untersucht die Ausbreitung und Etablierung der Reformation in der oberlausitzischen Stadt Zittau im 16. Jahrhundert, wobei insbesondere der Einfluss politischer und kirchlicher Strukturen sowie der lokalen Entscheidungsträger analysiert wird.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen dem städtischen Rat, den kirchlichen Institutionen wie dem Johanniterorden und den sozialen Umbrüchen infolge der reformatorischen Ideen.
Das Hauptziel ist es, die Besonderheiten der Zittauer Reformation vor dem Hintergrund ihrer Lage zwischen böhmischer Krone und der Oberlausitz aufzuzeigen und zu klären, wie eine „Ratsreformation“ unter diesen spezifischen Bedingungen verlief.
Die Arbeit orientiert sich an einer chronologischen Aufarbeitung der Ereignisse unter Anwendung von Ansätzen der historischen Konfessionalisierungsforschung und der Analyse städtischer Sozialstrukturen.
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Entwicklung Zittaus, die Untersuchung der kirchlichen Sakraltopographie, das Wirken von Lorenz Heydenreich, die Rolle der Schulen und Humanisten sowie die Folgen des Pönfalls von 1547.
Zu den prägenden Begriffen gehören Zittau, Reformation, Sechsstädtebund, Konfessionalisierung, Pönfall und Ratsreformation.
Der Orden übte durch das Patronatsrecht erheblichen Einfluss auf die kirchliche Verwaltung aus, wobei sein sukzessiver Bedeutungsverlust und die spätere Verpfändung seiner Rechte an den Zittauer Rat erst den institutionellen Raum für die Reformation schafften.
Obwohl der Pönfall die städtische Autonomie kurzzeitig stark einschränkte und hohe Strafgelder forderte, hatte er keine direkte konfessionelle Stoßrichtung; er bildete vielmehr einen ständischen Konflikt zwischen der aufstrebenden Bürgerschaft und dem Adel bzw. dem König.
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