Diplomarbeit, 2006
73 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Aufsuchende, akzeptanzorientierte und niedrigschwellige Drogenarbeit
2.1 Grundgedanke der Lebensweltorientierung nach Grunwald und Thiersch
2.2 Begründung, Grundlage und Inhalte einer akzeptanzorientierten bzw. niedrigschwelligen Drogenarbeit
2.3 Arbeitsprinzipien, Arbeitsmethoden und Chancen der aufsuchenden Drogenarbeit – Streetwork
3. Allgemeine Ansichten zu Nähe und Distanz in der Sozialen Arbeit
3.1 Beschreibung der Begriffe Nähe und Distanz
3.2 Persönlichkeitstheoretische Ansichten zum Thema Nähe und Distanz
3.3 Nähe als Voraussetzung einer helfenden Beziehung
3.4 Die Regulierung von Nähe und Distanz
3.4.1 Die Regulierung durch Strukturen
3.4.2 Die Regulierung durch die Person des Sozialarbeiters
3.5 Grenzverletzungen in Bezug auf Nähe und Distanz
3.6 Zusammenfassung
4. Nähe und Distanz in der Arbeit als Streetworker der Drogenszene
4.1 Distanz
4.1.1 Ordnungspolitische Maßnahmen
4.1.2 Zielgruppe ohne Vertrauen in Drogenhilfesystem und mit ablehnender bzw. aggressiver Haltung
4.1.3 Haltung der Abgrenzung von Seiten des Streetworkers
4.1.4 Begrenzte Ressourcen des Straßensozialarbeiters
4.1.5 Antipathien
4.1.6 Zusammenfassung
4.2 Nähe
4.2.1 Berufswahl Streetwork aufgrund von egoistischen Zielen oder eigener Biographie
4.2.2 Nähe zum Ort des Geschehens und unmittelbares Miterleben
4.2.3 Parteilichkeit
4.2.4 Konsum- und Anspruchshaltung der Klientel
4.2.5 Vollständige Identifikation mit der Szene
4.2.6 Persönliche Abhängigkeit der Klientel vom Streetworker
4.2.7 Zusammenfassung
5. Professionalität mit oder ohne Kumpel in der Streetwork
5.1 Begriffsklärung „Kumpel“ im täglichen Gebrauch
5.2 Klient als Kumpel in der aufsuchenden Drogenarbeit
5.2.1 Professionalität ohne Kumpel
5.2.2 Kumpel und Professionalität
5.3 Ergebnis
6. Anforderungen an den Streetworker und Rahmenbedingungen der Stelle
6.1 Kompetenzanforderungen an den Streetworker
6.1.1 Fachliche Anforderungen
6.1.2 Anforderungen an die Persönlichkeit des Streetworkers
6.2 Rahmenbedingungen der Stelle
6.2.1 Personelle Standards
6.2.2 Zeitlicher Rahmen
6.2.3 Materielle Bedingungen
6.2.4 Fachlicher Rahmen
6.2.5 Strukturelle Rahmenbedingungen
6.3 Zusammenfassung
7. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht den Balanceakt zwischen Nähe und Distanz in der aufsuchenden Drogenarbeit (Streetwork) und beleuchtet die Frage, ob der Klient im professionellen Kontext als „Kumpel“ betrachtet werden kann oder sollte. Ziel ist es, Gefahren der Grenzüberschreitung aufzuzeigen und Handlungsanforderungen für Streetworker sowie notwendige Rahmenbedingungen für eine professionelle Gestaltung dieser Arbeitsbeziehung zu definieren.
4.2.1 Berufswahl Streetwork aufgrund von egoistischen Zielen oder eigener Biographie
Die Methode Streetwork beinhaltet, dass der Straßensozialarbeiter Nähe zum Klientel herstellt und eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen soll. Vordergründig vertritt jeder Streetworker diese Haltung und sieht diese Aufgabe umgesetzt. Allerdings kann die Berufswahl zum Streetworker auch durch eine egoistische Motivation zustande gekommen sein. Vielleicht sucht ein Streetworker nach einem Ausgleich zu seinem eher langweilig scheinenden Privatleben. Die Nähe zur Drogenszene ist geeignet, um Action zu erleben. Der Streetworker lässt sich mehr und mehr mit Drogenkonsumenten ein, um „sich an individuellen Schicksalen aufzugeilen“. (Steffan, 1988, S.160)
Außerdem können vom Streetworker die jedem bekannten Gefühle und Gedanken, einfach auszusteigen, alles hinzuschmeißen oder die Frage, warum, wofür und für wen mache ich das eigentlich, in der Klientel wieder gefunden werden. „ Man kann im engen Kontakt mit Drogenkonsumenten die eigenen verdrängten Wünsche nach (...) augenblicksbezogenem, hedonistischem Leben und nach „Action“ stellvertretend ausleben lassen.“ (ebd., S.159) Die Antworten von Mitarbeitern in der Suchthilfe auf die Frage, warum sie in der Drogenarbeit tätig sind, stützen die oben genannte These: „Mich mit seltsamen Typen befassen, Grenzgänger kennenlernen, (...) Beschäftigung mit der Sinnfrage des Lebens.“ (Hübner, 1997, S.201) Dabei nimmt der Streetworker eine privilegierte und angenehme Stellung ein, denn im Gegensatz zu seiner Zielgruppe sieht sich dieser nicht im Schussfeuer der Gesellschaft. Drogenabhängige Menschen machen sich aufgrund ihrer Sucht nicht nur strafbar, auch ihre Entscheidung für ihre Art des Lebens wird von der Öffentlichkeit nicht verstanden und anerkannt. Folglich erfahren sie Ablehnung und ihnen drohen Konsequenzen aufgrund ihres Drogenkonsums in Form von Strafen. Mit diesen Folgen hat der Streetworker aufgrund seiner Position nicht zu rechnen.
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert das Spannungsfeld zwischen professioneller Distanz und notwendiger Nähe in der aufsuchenden Drogenarbeit und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der „Kumpel-Rolle“.
2. Aufsuchende, akzeptanzorientierte und niedrigschwellige Drogenarbeit: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis durch Konzepte der Lebensweltorientierung und akzeptanzorientierten Hilfe, welche die Grundlage für die Methode Streetwork bilden.
3. Allgemeine Ansichten zu Nähe und Distanz in der Sozialen Arbeit: Hier werden die Begriffe theoretisch definiert und die Bedeutung von Nähe als Voraussetzung für vertrauensvolle, helfende Beziehungen sowie die Notwendigkeit von Grenzregulierungen erläutert.
4. Nähe und Distanz in der Arbeit als Streetworker der Drogenszene: Das Kapitel analysiert die spezifischen erschwerenden Rahmenbedingungen auf der Straße, die den Streetworker in seinen Bemühungen um Nähe oder Distanz unter Druck setzen.
5. Professionalität mit oder ohne Kumpel in der Streetwork: Diese Sektion diskutiert, ob ein „kumpelhaftes“ Verhältnis als professionell eingestuft werden kann und unter welchen Bedingungen dies die Hilfe stabilisieren oder gefährden kann.
6. Anforderungen an den Streetworker und Rahmenbedingungen der Stelle: Es werden die fachlichen Kompetenzen, Anforderungen an die Persönlichkeit sowie strukturelle Standards wie Teamarbeit und Supervision definiert, die notwendig sind, um professionell und gesund zu arbeiten.
7. Resümee: Das Resümee fasst die Kernergebnisse zusammen und betont die Unverzichtbarkeit von Psychohygiene und professioneller Selbstreflexion für Streetworker.
Streetwork, Drogenarbeit, Nähe und Distanz, akzeptanzorientiert, Lebensweltorientierung, Sozialarbeit, Professionalität, Beziehungsgestaltung, Streetworker, Sucht, Klientel, Grenzverletzungen, Teamarbeit, Supervision, Empowerment
Die Arbeit beschäftigt sich mit der professionellen Gestaltung von Nähe und Distanz in der aufsuchenden Drogenarbeit, insbesondere mit der Frage, wie Streetworker ein professionelles Arbeitsverhältnis zur Klientel aufbauen können, ohne ihre Rolle zu verlieren.
Die Schwerpunkte liegen auf der Lebensweltorientierung, akzeptanzorientierter Drogenhilfe, der Theorie der Grenzziehung in der Sozialarbeit sowie den spezifischen Anforderungen und Rahmenbedingungen für Streetworker.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Streetworker trotz der schwierigen Rahmenbedingungen in der Drogenszene eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen, ihre professionelle Identität wahren und ihre eigene psychische Gesundheit schützen können.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung fachwissenschaftlicher Literatur zu den Themen Soziale Arbeit, Suchthilfe und Streetwork sowie einer Analyse der Rahmenbedingungen in der Praxis.
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Herausforderungen für Streetworker durch die Szene (Distanz) und Gefahren der Überidentifikation (Nähe), sowie Anforderungen an die Professionalität und Arbeitsstrukturen.
Wichtige Begriffe sind Streetwork, Nähe-Distanz-Verhältnis, akzeptanzorientierte Drogenarbeit, Professionalität, Grenzziehung, Empowerment und Psychohygiene.
Die „Erlöser-Falle“ beschreibt ein Verhaltensmuster von Helfern, die eigene Suchterfahrungen oder Kindheitserlebnisse in ihre Arbeit projizieren. Für Streetworker ist sie gefährlich, da sie zu mangelnder Abgrenzung, Überforderung und Burnout führt.
Teamarbeit verhindert, dass sich Klienten nur an eine Person binden (Abhängigkeit), ermöglicht gegenseitige fachliche Beratung (Supervision) und schützt den Einzelnen vor Überforderung durch den belastenden Arbeitsalltag in der Szene.
Im Gegensatz zur Beratungsstelle ist der Streetworker in der Szene Gast. Der Kontakt ist niedrigschwellig, geht oft vom Sozialarbeiter aus und findet unter variablen Bedingungen statt, was eine höhere Flexibilität und eine besondere Reflexionsfähigkeit erfordert.
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