Diplomarbeit, 2004
69 Seiten, Note: 1
Einleitung
1. Überblick über die Situation der Altenpflege in Deutschland
1.1 Wissenswertes zur Pflegebedürftigkeit
1.2 Strukturen der Pflegeheime
1.3 Zukünftige Entwicklungstrends in der Altenpflege
2. Begriffliche Klärungen zur Thematik "Gewalt"
2.1 Definition des Begriffs Gewalt
2.2 Vorstellung des "Gewaltendreiecks" nach Galtung
3. Theoretische Erklärungsansätze zur Gewaltentstehung
3.1 Frustrations - Aggressions - Hypothese nach Dollard
3.2 Lerntheorien
3.2.1 Allgemeiner Überblick
3.2.1 "Lernen am Modell" nach Bandura
4. Fallbeispiel
5. Ursachen von Gewalt in der stationären Altenpflege
5.1 Ursachen außerhalb der pflegerischen Beziehung
5.1.1 Das Altenpflegeheim als "totale Institution"
5.1.2 Frustration der Heimbewohner
5.1.3 Frustration der Pflegekräfte
5.2 Ursachen innerhalb der pflegerischen Beziehung
5.2.1 Frustration der Heimbewohner
5.2.2 Frustration der Pflegekräfte
6. Formen der Gewalt in der stationären Altenpflege
6.1 Formen der Gewalt gegen Heimbewohner
6.1.1 Personale Gewalt
6.1.2 Strukturelle Gewalt
6.1.3 Kulturelle Gewalt
6.2 Formen der Gewalt gegen Pflegekräfte
6.2.1 Personale Gewalt
6.2.2 Strukturelle Gewalt
6.2.3 Kulturelle Gewalt
7. Ansätze zur Verminderung von Gewalt in der stationären Altenpflege
7.1 Ansatzpunkt Pflegekräfte
7.2 Ansatzpunkt Heimbewohner
7.3 Ansatzpunkt strukturelle Rahmenbedingungen
7.4 Ansatzpunkt Gesellschaft
Schlussbetrachtung
Die Diplomarbeit untersucht die komplexen Entstehungsmechanismen von Gewalt in der stationären Altenpflege. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die oft verdeckte, alltägliche Gewalt im Beziehungsgeflecht zwischen Bewohnern, Pflegekräften und Institutionen zu schaffen, um Lösungsansätze zur Prävention und Verminderung aufzuzeigen.
5.1.1 Das Altenpflegeheim als „totale Institution“
Heimbewohner und Pflegepersonal sind in der stationären Altenpflege im besonderen Maße strukturellen Zwängen ausgesetzt. Diese können frustrierend wirken, an sich schon eine Form von Gewalt darstellen und die Entstehung von personaler Gewalt begünstigen. Zurückzuführen lässt sich dies auf die spezifischen Organisationsstrukturen von Pflegeheimen, die mit Goffmans Konzept der „Totalen Institution“ beschrieben werden können.
Unter „totaler Institution“ versteht Goffman (1972) eine „Wohn- und Arbeitsstätte von ähnlich gestellten Menschen, die für längere Zeit von der übrigen Gesellschaft abgeschnitten sind und miteinander ein abgeschlossenes, formal reglementiertes Leben führen“ (S.11). Er unterscheidet fünf Typen totaler Institutionen, darunter beispielsweise auch Gefängnisse. Das Altenheim zählt er zu jenen „Anstalten“, die zur Fürsorge für Menschen eingerichtet wurden, die als unselbständig und harmlos gelten. Das gemeinsame Grundmerkmal aller totalen Institutionen besteht darin, dass die Schranken, die die drei Lebensbereiche Arbeit, Freizeit Schlafen normalerweise voneinander trennen, aufgehoben sind.
So vollziehen sich alle Aktivitäten an der gleichen Stelle und unter derselben Autorität. Alle Phasen des Tagesablaufes sind genau geplant, unterliegen formaler Regeln und werden durch leitende Personen überwacht. Und es besteht eine fundamentale, kastenähnliche Trennung zwischen „Insassen“ und Personal. Totale Institutionen sind „soziale Zwitter“. Sie sind einerseits Wohn- und Lebensgemeinschaft, andererseits aber auch formale Organisation, die nach bürokratischen betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten funktioniert (vgl. Goffman 1972, S.23).
Diese Merkmale lassen sich mehr oder weniger ausgeprägt auf Pflegeheime übertragen. So werden durch die Heimordnung Verhaltensregeln für die „Insassen“ (Bewohner) und das Personal aufgestellt, dessen Einhaltung von der Leitungsebene überwacht wird. Sind diese sehr streng bzw. schränken die Grundbedürfnisse wie z.B. das Empfangen von Besuch stark ein, so können sie an sich schon eine Form von (struktureller) Gewalt darstellen.
1. Überblick über die Situation der Altenpflege in Deutschland: Dieses Kapitel liefert statistische Daten zur Pflegebedürftigkeit und zeigt strukturelle Trends auf, die das Forschungsfeld der stationären Altenpflege verdeutlichen.
2. Begriffliche Klärungen zur Thematik "Gewalt": Hier wird eine Arbeitsdefinition von Gewalt hergeleitet und das "Gewaltendreieck" nach Galtung als theoretischer Rahmen für die weiteren Analysen eingeführt.
3. Theoretische Erklärungsansätze zur Gewaltentstehung: Der Hauptteil erläutert die Frustrations-Aggressions-Hypothese nach Dollard sowie lerntheoretische Ansätze, insbesondere das Modelllernen nach Bandura, um Gewaltprozesse zu verstehen.
4. Fallbeispiel: Mittels eines "Yesterday-Protokolls" einer Pflegekraft wird ein praxisnaher Einblick in den Arbeitsalltag und die damit verbundenen Konfliktsituationen gegeben.
5. Ursachen von Gewalt in der stationären Altenpflege: Das Kapitel analysiert strukturelle Zwänge und individuelle Frustrationsquellen sowohl bei Heimbewohnern als auch Pflegekräften, die innerhalb und außerhalb der Pflegebeziehung wirken.
6. Formen der Gewalt in der stationären Altenpflege: Basierend auf dem Gewaltendreieck werden konkrete personale, strukturelle und kulturelle Gewaltformen gegen Bewohner und Pflegekräfte detailliert kategorisiert.
7. Ansätze zur Verminderung von Gewalt in der stationären Altenpflege: Abschließend werden konkrete Handlungsfelder für Pflegekräfte, Heimbewohner, Heimleitungen und die Gesellschaft aufgezeigt, um Gewalt abzubauen.
Gewalt, stationäre Altenpflege, Gewaltprävention, Frustration, Aggression, totale Institution, Pflegebeziehung, personale Gewalt, strukturelle Gewalt, kulturelle Gewalt, Pflegestatistik, Arbeitsverdichtung, Sozialarbeit.
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Phänomen der Gewalt in der stationären Altenpflege und untersucht, wie und warum diese Gewalt entsteht, jenseits von spektakulären Skandalmeldungen.
Im Zentrum stehen die strukturellen Rahmenbedingungen in Pflegeheimen, psychologische Erklärungen für gewalttätiges Verhalten und die Analyse von Gewaltformen auf personaler, struktureller und kultureller Ebene.
Ziel ist es, die komplexen Ursachen der Gewalt aufzuzeigen, um für das Thema zu sensibilisieren und Lösungswege zu finden, die über eine bloße Tabuisierung hinausgehen.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung durch psychologische und soziologische Konzepte (z.B. Galtung, Dollard, Bandura, Goffman) und verknüpft diese mit einem konkreten Fallbeispiel aus der Pflegepraxis.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Ursachenanalyse von Frustration und Gewalt (Kap. 5) sowie eine detaillierte Systematisierung der Gewaltformen (Kap. 6).
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Gewaltprävention, stationäre Altenpflege, totale Institution, Gewaltendreieck, personale, strukturelle und kulturelle Gewalt.
In Anlehnung an Goffman beschreibt dies eine Einrichtung, in der die Lebensbereiche Arbeiten, Schlafen und Freizeit an einem Ort unter zentraler Autorität zusammenfallen, was Bewohner und Personal stark reglementiert.
Das Fallbeispiel dient als kontinuierliche Veranschaulichung, an der die theoretischen Konzepte wie der "Teufelskreis Zeitnot" oder die Wirkungsweise von "Modelllernen" praktisch nachvollzogen werden können.
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