Lizentiatsarbeit, 2005
98 Seiten, Note: 6.0 (hervorragend)
1. Einleitung
2. Twentysix Gasoline Stations und andere kleine Bücher
3. Das Buch, die Kunst und die Fotografie
3.1. Was ist das „Buch“?
3.2. Das Buch in der Kunst
3.3. Die Fotografie und das Buch
3.4. Fotobücher als Kunst: Ein Readymade?
4. Die Fotografien: Zwischen ‚Dokument’ und ‚Kunst’
4.1. Fotografie als Readymade?
4.2. Fotografisches Sammeln
4.2.1. Ruscha I: Der Informationsmann
4.3. Fotografische Berichterstattung
4.3.1. Ruscha II: Der rasende Reporter
4.4. Fotografische Essays
4.4.1. Ruscha III: Der absurde Poet
5. Ruschas Fotobuchwerke: Geschriebene Bilder und fotografische Texte?
5.1. Schriftbilder
5.2. Bildtexte
5.3. Eine Versuchsanordnung aus ‚Bildern’ und ‚Texten’
6. Schlusswort
Diese Arbeit untersucht die künstlerische Buchproduktion von Edward Ruscha und analysiert, wie seine Werke die konventionellen Grenzen zwischen Bild und Text sowie zwischen Fotografie und Dokumentation demontieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern Ruschas Fotobücher als "Readymades" oder "fotografische Essays" zu verstehen sind und welche Rolle das Medium Buch für die Wahrnehmung seiner fotografischen Arbeiten spielt.
1. Einleitung
Am 2. Oktober 1963 verweigerte die Library of Congress der Vereinigten Staaten von Amerika einem sonderbaren Buch die Aufnahme: Einem kleinen, weissen Büchlein, kaum grösser als eine Handfläche, dessen Umschlag die Worte „Twentysix Gasoline Stations“ zeigt. Kein Hinweis auf Autor oder Verlag, geschweige denn die marktüblichen Anpreisungen des Inhaltes. Im Inneren des Buches befindet sich genau das, was der Titel verspricht: Sechsundzwanzig mehr schlecht als recht fotografierte Tankstellen in unregelmässiger Reihenfolge, begleitet von jeweils einer Zeile Text, die Marke und Ort der Zapfsäulen bezeichnet. Kein Werk, das es verdient hätte, in die nationale Bibliothek der USA aufgenommen zu werden, deren erklärtes Ziel es ist, eine Sammlung von Wissen und Kreativität in allen Formaten und Sprachen anzulegen. Ein Buch also, das sich weder durch Wissen noch durch Kreativität auszeichnet, das nichts Neues bietet, aber auch mit Altem nichts zu tun hat, das keine schöpferische Handschrift trägt, das keinen benennbaren Inhalt hat, kurz: ein Buch, das eigentlich keines ist. Der Macher des Bandes gibt sich als Edward Ruscha zu erkennen, ein bildender Künstler, der sich bis anhin dem gemalten oder gedruckten Bild gewidmet hat.
Der Künstler Ed Ruscha schien sich um das Urteil der offiziellen Buchverwalter nicht sonderlich zu scheren, im Gegenteil, ein Jahr später nutzte er es, um in der Zeitschrift Artforum mit einem Inserat für sein Büchlein zu werben. „Rejected“ [Abb. 1] steht da in fetten Lettern, darunter eine dilettantische Fotografie, die zeigt, wie der Künstler sein Werklein vor die Kamera hält. Ganz unten der Preis, mickrige 3$ und die Adressen, an denen interessierte Käufer das Produkt finden werden.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Aufnahmeverweigerung von Ruschas "Twentysix Gasoline Stations" durch die Library of Congress und führt in die zentrale These ein, dass Ruschas Bücher eine Demontage der Begriffe "Bild" und "Text" darstellen.
2. Twentysix Gasoline Stations und andere kleine Bücher: Dieses Kapitel zeichnet den biografischen Hintergrund Ruschas nach und analysiert seine frühen Auseinandersetzungen mit Typografie, Wort und Bild, die schließlich in die Produktion seiner Fotobücher mündeten.
3. Das Buch, die Kunst und die Fotografie: Hier wird das Buch als "Intermedium" theoretisch verortet, wobei die historische Verbindung von Kunst und Buch sowie die besondere Rolle der Fotografie als massentaugliches Medium im Buchformat diskutiert wird.
4. Die Fotografien: Zwischen ‚Dokument’ und ‚Kunst’: Dieser Teil untersucht den Einsatz des fotografischen Apparats als "Schmetterlingsnetz" und hinterfragt, ob Ruschas fotografisches Vorgehen als Readymade oder als Form eines fotografischen Essays zu verstehen ist.
5. Ruschas Fotobuchwerke: Geschriebene Bilder und fotografische Texte?: Das Kapitel konzentriert sich auf die spezifische Verschränkung von Schriftbildern und fotografischen Texten und zeigt auf, wie Ruscha die Grenzen zwischen den Gattungen bewusst auflöst.
6. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert, dass Ruschas Bücher ein Spannungsfeld eröffnen, das den Betrachter zur reflexiven Befragung von Wahrnehmungszuständen anregt, wobei eine endgültige Kategorisierung bewusst offen gelassen wird.
Edward Ruscha, Fotobuch, Künstlerbuch, Konzeptkunst, Readymade, Fotografie, Text-Bild-Verhältnis, Twentysix Gasoline Stations, Dokumentation, Bildsequenz, Intermedium, Sprache, Repräsentation, Theorie der Fotografie, Montage.
Die Arbeit analysiert die fotografischen Buchwerke von Edward Ruscha aus den 1960er und 1970er Jahren und untersucht, wie diese als künstlerische Auseinandersetzung mit der Verbindung von Sprache und Bild funktionieren.
Zentrale Themen sind das Konzept des Künstlerbuchs, die Rolle der Fotografie als Dokument und Kunst, die Theorie der Wahrnehmung sowie das Readymade-Prinzip in Bezug auf das Medium Buch.
Das Ziel ist es zu ergründen, warum und wie Ruschas Fotobücher traditionelle Kategorien von "Bild" und "Text" demontieren und welche theoretischen Implikationen sich daraus für die Kunstgeschichte ergeben.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende medientheoretische und kunsthistorische Analyse der Werke, unterstützt durch den Einbezug von Zitaten des Künstlers sowie zeitgenössischen Rezensionen und Theorien (u.a. Barthes, Benjamin, Iser).
Im Hauptteil werden das Medium Buch, die Rolle der Fotografie (zwischen Dokument und Kunst) sowie die spezifische Verschränkung von Text und Bild in Ruschas Werken systematisch untersucht.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem "Künstlerbuch", "Readymade", "fotografischer Essay", "Intermedium" und die Untersuchung der "Sinnentleerung" in Ruschas Werk.
Der Titel greift eine Reaktion des Künstlers auf die Unverständnis-Reaktion der Kunstwelt auf. Er symbolisiert eine bewusste Verweigerung eindeutiger Deutungen und die "dümmliche Sprachlosigkeit", die Ruscha als Reaktion auf seine "Bücher ohne Eigenschaften" provozieren wollte.
Die Arbeit argumentiert, dass Ruscha nicht nur das Buch, sondern den Akt des Fotografierens als Readymade-Prozess einsetzt, bei dem die Auswahl des Motivs (z.B. Tankstellen) zur künstlerischen Setzung wird, ohne dass traditionelles handwerkliches Können im Vordergrund steht.
Da Ruschas Bücher oft als einfache, akkumulierende Auflistungen (wie im "Information Man") ohne erkennbare narrative Stringenz fungieren, lässt sich ihr Ordnungsprinzip treffend mit einer Datenbank vergleichen, die sich einer klassischen Erzählung verweigert.
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