Magisterarbeit, 2003
131 Seiten, Note: 1,0
1. Sprache
1.1. Regeln der Sprachspiele
1.2. Horizont der Realität
1.3. Konstruktion sozialer Realität
2. Kommunikation
2.1. Miteinander Sprechen
2.2. Kommunikative Rationalität
2.3. Ausschlussmechanismen des Diskurses
2.4. Exkurs: Wissenschaftliche Wahrheit
3. Kultur
3.1. Genese der Kultur
3.2. Kontakt der Kulturen
3.3. Kultur als Symbolprozess
4. Interkulturelle Kommunikation
4.1. Bedingungen und Auswirkungen
4.2. Das Fremde und das Eigene?
4.3. Verstehen anderer Kulturen
5. Entwicklung
5.1. Sozialer Wandel
5.2. Ideologisierte Wahrnehmung
5.3. Antrieb des Fortschritts?
6. Entwicklungszusammenarbeit
6.1. Globale Strukturpolitik?
6.2. Modernisierung
6.3. Zivilgesellschaft und Partizipation
7. Modelle
7.1. Emanzipatorischer Dialog?
7.2. Kommunikative Rahmensetzung
7.3. Interkulturelles Handeln
8. Grenzen
8.1. Dependenzen
8.2. Intendierte Asymmetrien
8.3. System und Kommunikation
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Entwicklungszusammenarbeit als interkulturelles Kommunikationsproblem zu analysieren, anstatt sie lediglich als technisch-ökonomischen Prozess zu betrachten. Die Forschungsfrage untersucht, wie die Voraussetzungen von Kommunikation und Entwicklung in einen theoretischen Rahmen integriert werden können, um die Schwierigkeiten in der Praxis der Zusammenarbeit auf kulturelle und strukturelle Missverständnisse zurückzuführen und Lösungsansätze auf Basis interkulturellen Handelns zu entwickeln.
1.3. Konstruktion sozialer Realität
Ein ausländischer Gast in einem französischen Lokal. Er bestellt, wird bedient. Eine Szene, die, so belanglos sie scheint, doch ganze Bücher mit ihrer Analyse füllt. Searle genügt die Tatsache, dass man ein Bier zu einem festen Preis so fern der Heimat bestellen und bekommen kann: „An innocent scene, but its metaphysical complexity is truly staggering ... (Searle 1995, S. 3), um festzustellen, dass es sich um ein Problem handelt, das »selbst Kant« den Atem verschlagen hätte.
Die Szene, die beschrieben wird, ist deswegen besonders gut geeignet die Komplexität der Situation darzustellen, weil sie allen bekannt ist und eben nicht kompliziert erscheint. Hier kann man deutlich zeigen, was sonst nur auffällt, wenn es nicht funktioniert: was alles vorausgesetzt wird. Searle sieht eine „huge, invisible ontology“(ebenda) in dieser Szene: Der Gast wird vom Kellner bedient (letzterer ist angestellt, die Bar angemeldet, der Ausschank gestattet, Steuern werden gezahlt etc.); als Reisepassinhaber ist der Besucher zum Aufenthalt in Frankreich ermächtigt (wenn derartige Abmachungen mit dem Ursprungsland bestehen etc.); Preistafeln gelten, auch wenn man sie nicht eingesehen hat, und man hat diesen Preis zu zahlen usw. Von all dem gehen die Beteiligten aus, ohne sich darüber im Klaren zu sein. Und reagieren meist eher verstört, wenn ihnen (wie z.B. bei Garfinkels Experimenten aufgezeigt) mit nicht situationsgerechtem Verhalten der Boden unter den Füßen weggezogen wird.
1. Sprache: Untersucht die Grundlagen sprachlicher Äußerungen, ihre Rolle bei der Konstruktion sozialer Realität und die Bedeutung des Kontextes für das Verstehen.
2. Kommunikation: Analysiert verschiedene Kommunikationsmodelle, die Funktion von Sprache im sozialen Kontext und Ausschlussmechanismen, die einen gleichberechtigten Dialog erschweren.
3. Kultur: Definiert Kultur nicht als statisches Gebilde, sondern als dynamisches System von Denkkategorien und Regeln, das als Symbolprozess das menschliche Handeln leitet.
4. Interkulturelle Kommunikation: Erörtert die spezifischen Herausforderungen, wenn unterschiedliche kulturelle Hintergründe aufeinandertreffen und wie ethnologische Ansätze hier zur Klärung beitragen können.
5. Entwicklung: Hinterfragt das westlich geprägte Verständnis von Entwicklung, das oft implizit mit Modernisierung und Fortschritt gleichgesetzt wird, und prüft alternative theoretische Ansätze.
6. Entwicklungszusammenarbeit: Kritisiert die bestehende Praxis der Zusammenarbeit als oft unilateral und machtasymmetrisch und fordert eine Neubewertung durch Konzepte wie Zivilgesellschaft und globale Strukturpolitik.
7. Modelle: Entwickelt Modelle für einen emanzipatorischen Dialog und interkulturelles Handeln, um Entwicklungszusammenarbeit als ergebnisoffenen, kommunikativen Prozess zu begreifen.
8. Grenzen: Setzt sich mit den strukturellen, ökonomischen und machtpolitischen Grenzen auseinander, die einer idealen, gleichberechtigten Kommunikation in der internationalen Zusammenarbeit entgegenstehen.
Entwicklungszusammenarbeit, interkulturelle Kommunikation, Kulturwandel, Kommunikationstheorie, Modernisierungstheorie, Sozialer Wandel, Zivilgesellschaft, Partizipation, Sprachphilosophie, Machtasymmetrie, Konstruktion sozialer Realität, Systemtheorie, Ethnologie, interkulturelles Handeln.
Die Arbeit untersucht Entwicklungszusammenarbeit aus einer ethnologischen und kommunikationstheoretischen Perspektive und begreift sie als komplexes interkulturelles Kommunikationsproblem statt als rein ökonomisches Vorhaben.
Die zentralen Themen sind Sprachanalyse, Kommunikationstheorie, der Kulturbegriff im Wandel, Modernisierungskritik, soziale Partizipation und die systemtheoretische Analyse von Machtstrukturen in internationalen Beziehungen.
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem theoretischen Anspruch der Entwicklungszusammenarbeit und der gelebten Praxis aufzudecken, um durch ein besseres Verständnis interkultureller Dynamiken tragfähigere Modelle der Zusammenarbeit zu entwerfen.
Der Autor wählt einen hermeneutischen und diskursanalytischen Ansatz, der ethnologische Perspektiven mit soziologischen und systemtheoretischen Theorien verknüpft, um die unausgesprochenen Voraussetzungen der Entwicklungsdebatte zu hinterfragen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Sprache, Kommunikation, Kultur) und eine daran anschließende Analyse der entwicklungspolitischen Konzepte, wie Modernisierung, Zivilgesellschaft und Partizipation, unter Berücksichtigung von Machtasymmetrien.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Entwicklungszusammenarbeit, interkulturelle Kommunikation, Machtasymmetrie, Konstruktion sozialer Realität und Zivilgesellschaft geprägt.
Sprache schafft die Kategorien, durch die wir Realität wahrnehmen. In der Entwicklungszusammenarbeit führt eine ignorierte sprachliche Voreingenommenheit dazu, dass westliche Begriffe und Konzepte als universell missverstanden werden, was den echten Dialog verhindert.
Das Modernisierungsmodell wird als eurozentrisch kritisiert, da es Entwicklung fälschlicherweise als linearen, alternativlosen Fortschrittsprozess darstellt, der die komplexen kulturellen Realitäten in den Partnerländern systematisch ausblendet.
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