Diplomarbeit, 2000
113 Seiten, Note: 2,0
A. Einleitung
B.1. Die Situation in Chile
1.1. Geschichtliche Voraussetzungen
1.1.1. Die Rekonziliationspolitik in Chile
1.1.2. Probleme der "wirklichen" Aussöhnung
1.1.3. Die Rekonziliationspolitik im Umbruch
1.2. Politische Umstände
1.2.1. Politische Schwierigkeiten
1.2.2. Rahmen der politischen Möglichkeiten
1.2.3. Die Bedeutung der Wahrheit
1.3. Die besondere Situation der Jugendlichen
1.3.1. Jugend als Problem
1.3.2. Ausgrenzung und Marginalisierung
1.3.3. Reaktionen der Jugendlichen
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Begriffsklärungen
2.2. Theoretische Ansätze
2.2.1. Kollektivgedächtnis
2.2.1.1. Das "soziale" Gedächtnis
2.2.1.2. Die "lebendige" Vergangenheit
2.2.1.3. Das "kritische" Ereignis
2.2.1.4. Die "kommunizierte" Erinnerung und Identität
2.2.1.5. Das "konstruierte" Gedächtnis
2.2.1.6. Die "Generationenhypothese"
2.2.1.7. Das "gesellschaftliche" Gedächtnis
2.2.2. Vergangenheit, Vergangenheitsaufarbeitung, Vergangenheitsbewältigung
2.2.2.1. Die Frage der "Bewältigung"
2.2.2.2. Die Frage der "Vergänglichkeit"
2.2.2.3. Eine Frage des Bewußtseins?
2.2.3. Kognitive Dissonanztheorie und Überlegungen zum moralischen Urteil
2.2.3.1. Die Dissonanztheorie
2.2.3.2. Das moralische Urteil
2.2.4. Jugend
2.2.4.1. Gruppe
2.2.4.2. Generation
2.2.4.3. Jugendliche
3. Empirisches Vorgehen
3.1. Begründungszusammenhang
3.2. Methode
3.3. Das Interview
3.3.1. Das Tiefeninterview
3.3.2. Zur Situation des Interviews
3.3.3. Erstellung des Fragebogens
3.4. Thesen
4. Befunde
4.1. Aktuelle Probleme der Jugend bezüglich der jüngsten Vergangenheit in Chile
4.1.1. Eine "lebendige" Vergangenheit für Jugendliche in Chile?
4.1.2. Das "kollektive Trauma" Chiles
4.1.3. Jugendliche als Opfer eines Kollektivtraumas?
4.1.4. "No estoy ni ahí"
4.1.5. Im gesellschaftlichen Spannungsfeld Chiles
4.1.6. Erinnerung als Verteidigung der Identität
4.2. Die Perspektive chilenischer Jugendlicher
4.2.1. Kurzbeschreibung der Interviewpartner
4.2.2. Gesellschaft und Politik
4.2.2.1. Die Zukunft Chiles
4.2.2.2. Die gesellschaftliche und politische Situation
4.2.3. Kenntnis und Bewertung der jüngsten Geschichte
4.2.3.1. Diktatur und Menschenrechte
4.2.3.2. Quellen des geschichtlichen Wissens
4.2.3.3. Wurzeln der Bewertungen
4.2.4. Gerechtigkeit und Dialogfähigkeit
4.2.4.1. Zweck vs. Mittel?
4.2.4.2. Einigung vs. Auseinandersetzung?
4.2.4.3. Gerechtigkeit vs. Wahrheit?
4.2.4.4. Dialogkultur vs. Monologkultur?
5. Schlußfolgerungen
5.1. Das Gestern im Heute
5.2. "En qué pais estamos?"
5.3. Probleme des Selbstbildes
5.4. Schnittpunkt Jugend
5.5. Warum den Politikern glauben?
C. Fazit: "La realidad del otro no se entiende"
Die Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen der jüngsten chilenischen Vergangenheit auf die aktuelle Generation Jugendlicher. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie Jugendliche mit der Diktaturgeschichte interagieren, welche Rolle das Kollektivgedächtnis für ihre Identitätsbildung spielt und inwieweit eine Verständigung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen durch unterschiedliche Geschichtsbilder erschwert wird.
4.1.3. Jugendliche als Opfer eines kollektiven Traumas?
Zurück zu der in 4.1.1. angesprochenen Art und Weise, wie das Kollektivgedächtnis weitergegeben wird, beziehungsweise die nachfolgenden Generationen prägt. Lane gliedert in seiner aus den 40er Jahren in den USA gemachten Studie über "Foundations of political beliefs" die Einflußmöglichkeiten des Vaters in: (a)Indoktrination (als offenes und verdecktes Imitationsmodell), den (b)sozialen Kontext, in den er das Kind bringt (Ethnizität, Klassenposition, regionales Umfeld) und die (c)persönliche Art, mit seinem Sohn umzugehen auf. Diese drei Möglichkeiten bilden das Mendelian Gesetz, welches von einer Vererbung der politischen Loyalitäten und Überzeugungen ausgeht (vgl. Lane 1959, S.502). "But while imitation and common social stakes tend to enforce the law, socialisation process may work to repeal it" (ebenda)36.
Interessant ist bei dieser Studie unter anderem der kulturvergleichende Aspekt. Auch wenn die Vergleiche der Erziehungsstile verschiedenener Nationen heute kaum noch so verallgemeinernd angestellt würden, ergeben sich daraus wichtige Perspektiven: Zum Beispiel war eine der Beobachtungen, daß bei einer "gestörten" Vater-Sohn-Beziehung keine positive Weltsicht gebildet werden konnte: "(a) the damaged relations often give rise to a less favorable view of human nature. (b) They help to create scepticism about the possibility of kindly and supportive political authority. (c) They encourage a cynical view of the political process; it is seen in terms of corrupt men seeking their own ends." (ebenda, S.510f.)
Eigentlich selbstverständlich, aber deswegen nicht weniger erwähnenswert, bemerkt Lane: "... in order to believe, that people can live and work as equals or at least as trusting partners, a person must have eperienced such a relationship" (ebenda, S.507).
Bei der Jugend kann von einem quasi natürlichen Bedürfnis gegen die Eltern aufzubegehren ausgegangen werden. Daraus folgt, daß eine Rebellion und politische Extremisierung der Heranwachsenden wahrscheinlich ist. Aber nur unter zwei grundlegenden Bedingungen wird es dazu kommen: Erstens muß die Politik dann salient, das heißt ein wichtiges Element in der Generationenbeziehung sein. Nur in diesem Fall "lohnt" sich eine Rebellion überhaupt aus Sicht der Jugendlichen: Denn dann wird eine "empfindliche Stelle" getroffen. Zweitens muß der Vater einen autoritären Erziehungsstil zeigen. Denn ein permisiver Stil läßt genügend Freiraum, um die Extreme auszuprobieren ohne auf Widerspruch zu stoßen.
A. Einleitung: Die Einleitung führt in die Dynamik der sozialen Realität in Chile ein und stellt die Fragestellung nach dem Umgang der Jugendlichen mit der jüngsten Vergangenheit vor.
B.1. Die Situation in Chile: Dieses Kapitel analysiert die geschichtlichen Voraussetzungen, politische Rahmenbedingungen und die spezielle Marginalisierung der Jugendlichen im post-diktatorischen Chile.
2. Theoretischer Hintergrund: Hier werden zentrale Konzepte wie das Kollektivgedächtnis, die Kognitive Dissonanztheorie und der Generationenbegriff zur theoretischen Fundierung der Arbeit erörtert.
3. Empirisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt die methodische Herangehensweise, insbesondere die Nutzung von Tiefeninterviews und die Einbindung soziologischer Bezugsrahmen.
4. Befunde: Dieser Hauptteil präsentiert die empirischen Ergebnisse zu den Geschichtsbildern und zur politischen Einstellung der befragten chilenischen Jugendlichen.
5. Schlußfolgerungen: Hier werden die Ergebnisse synthetisiert und die Erkenntnis gewonnen, dass eine tiefgreifende gesellschaftliche Kommunikationsbarriere aufgrund unterschiedlicher Geschichtsbilder existiert.
C. Fazit: Das Fazit unterstreicht die Notwendigkeit der intersubjektiven Anerkennung der Vergangenheit als Grundlage für eine gelungene gesellschaftliche Kommunikation.
D. Literatur: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Chile, Diktatur, Kollektivgedächtnis, Jugendliche, Vergangenheitsbewältigung, Identität, politische Einstellung, Kommunikation, Traumatisierung, Sozialisation, Generation, Geschichtsbild, Gesellschaftspolitik, Demokratisierung, Erinnerung
Die Arbeit untersucht, wie chilenische Jugendliche die jüngste Geschichte ihres Landes, insbesondere die Diktatur und ihre Folgen, wahrnehmen und in ihre eigene Identität integrieren.
Die Themenfelder umfassen die Rolle des Kollektivgedächtnisses, die gesellschaftliche Situation in Chile nach dem Ende der Diktatur, die Auswirkungen von Traumatisierungen auf nachfolgende Generationen und das politische Desinteresse bzw. die Desillusionierung der Jugend.
Die zentrale Frage ist, ob und warum Jugendliche mit der jüngsten Vergangenheit ein "Problem" haben und wie sich ihre individuellen Geschichtsbilder auf ihre heutige gesellschaftliche und politische Teilhabe auswirken.
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Analyse, die durch Literaturstudien und eine Reihe von leitfadenorientierten Tiefeninterviews mit chilenischen Jugendlichen unterschiedlicher sozialer Herkunft gewonnen wurde.
Der Hauptteil analysiert die aktuellen Probleme der Jugend, die Wahrnehmung des politischen Klimas, die Rolle der Familie bei der Wissensvermittlung über die Geschichte sowie die Frage nach Gerechtigkeit und einer möglichen Dialogkultur in Chile.
Chile, Kollektivgedächtnis, Jugendliche, Vergangenheitsbewältigung, Traumatisierung, Identität und politische Sozialisation sind die Kernbegriffe der Untersuchung.
Das Konzept wird genutzt, um die indirekte Weitergabe von Traumata und zynischen Weltsichten von den Eltern, die unter der Diktatur litten, auf die Kinder zu verdeutlichen und so das politische Verhalten der Jugend besser zu erklären.
Die befragten Jugendlichen stehen dem Rettigbericht überwiegend kritisch gegenüber; er wird oft als "einseitig" oder politisch manipuliert empfunden, da er für viele nicht die geforderte umfassende Wahrheit oder Gerechtigkeit lieferte.
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