Magisterarbeit, 2004
122 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1 Theoretische Wege zum Objekttheater: Drei Ansätze
1.1 Die Loslösung von der traditionellen Form:
Die Vorgeschichte des Objekttheaters nach Hans Hoppe
1.1.1 Grundbegriffe
1.1.2 Die traditionelle Form
1.1.3 Widersprüche und ihre Aufhebung
1.1.4 Schicksalsrequisiten und Tücke des Objekts
1.1.5 Verdinglichung als inhaltliche Bedingung
1.1.6 Die Entstehung der neuen Form
a) Theoretische Erneuerung: Appia und Craig
b) Konkrete Erneuerung: Schlemmer und Léger
1.1.7 Objekte in Aktion
1.2 Objekttheater als Form des Figurenspiels:
Werner Knoedgen und das „unmögliche Theater“
1.2.1 Figurentheater: Darstellung mit materiellen Mitteln
1.2.2 Die Formen des Figurentheaters
1.2.3 Objekttheater und Materialtheater
1.2.4 Die Rollendarstellung
a) Objekte
b) Materialien
1.2.5 Zwei Beispiele: Tuch und Stock
1.2.6 Zusammenfassung
1.3 Das Objekttheater als Bildzeichentheater
Peter Weitzners ästhetische Standpunktbestimmung
1.3.1 Visuelles Theater und Objekte als Bildzeichen
1.3.2 Die Rolle der Zeit
1.3.3 Der Mensch als Kunstfigur
1.3.4 Objekttypen und ihre theatrale Funktion
a) Gebrauchsgegenstände
b) Fundstücke / Objets-Trouvés
c) Naturgegenstände und Material
d) Gestaltete Objekte
e) Der Mensch als Objekt bzw. Kunstfigur
f) Das Objekt als Person: Masken und Puppen
g) Der Raum als Objekt
1.3.5 Das Theater des Unbekannten
1.4 Zwischenergebnis: Grundelemente des Objekttheaters
2 Praktische Wege zum Objekttheater:
Eigene Erfahrungen im Studio Spiel und Bühne
2.1 Erstes Beispiel: Die Inszenierung movens
2.1.1 Wahl des Materials und Experimente
2.1.2 Endgültige Spieltechnik: Magneten
2.1.3 Grundelemente der Inszenierung
a) Die Beschaffenheit der Spieler
b) Die Plastiktüten als Figuren
c) Bewegungsmöglichkeiten
2.1.4 Zur Objektwahl nach Knoedgen und Weitzner
a) Knoedgen
b) Weitzner
2.1.5 Zur Inszenierung
2.1.6 Zusammenfassung
2.2 Zweites Beispiel: Die Inszenierung oo
2.2.1 Objekte und Experimente
2.2.2 Grundelemente
a) Ein- und Ausstieg
b) Drehen in der Tonne
c) Die Tonne als Transportmittel
d) Erfindung und körperliche Disposition
e) Die Spieler
f) Das Objekt und seine Wirkungsweise
2.2.3 Ergebnis: Drei Varianten
a) Materialtheater im Lokschuppen
b) Das Stück oo
c) oo-Solo
2.2.4 Zusammenfassung
2.3 Drittes Beispiel: 176 x 178
2.3.1 Der Stock als Figur
2.3.2 Stock und Körper
2.3.3 Eigene Experimente
2.3.4 Die Bewegung
2.3.5 Das Ergebnis
a) Rahmen und Raum
b) Die Objekte
c) Der Spieler
d) Zur Bilderfolge
2.3.6 Zusammenfassung
3 Fazit
Die Arbeit untersucht das Objekttheater als künstlerische Ausdrucksform, indem sie theoretische Ansätze zur Definition und Bestimmung dieser Gattung mit praktischen Inszenierungserfahrungen konfrontiert. Das primäre Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie das Objekttheater theoretisch gefasst und praktisch erarbeitet werden kann, ohne dabei eine starre wissenschaftliche Definition zu erzwingen, sondern eher durch die Herleitung zentraler Merkmale (Symptome) ein tieferes Verständnis für die künstlerische Praxis zu schaffen.
1.1.3 Widersprüche und ihre Aufhebung
Im folgendem zeigt Hoppe verschiedene Widersprüche in der traditionellen Form szenischer Aktion und wie sie aufgehoben werden. Es sind vorübergehende, vereinzelte Momente, oft auch komische Szenen, durch die sich die traditionelle Form jedoch noch nicht auflöst. Die „Formwidersprüche, die innerhalb der traditionellen Form auftreten, enthalten stets ihre eigene Aufhebung und damit die Bestätigung der traditionellen Form in sich.“ Erst später führen die inhaltlichen und theoretischen Widersprüche zur Entstehung neuer Formen. Nachfolgend werden einige von Hoppes Beispielen aufgezeigt:
Ein Beispiel für die Selbstbestätigung der traditionellen Form sei Schillers Schauspiel Wilhelm Tell. Hier wird das Volk dazu aufgefordert, einem Hut auf einer Stange „Achtung und Ehre“ zu erweisen, wie dem Landvogt. Doch die Reaktion ist nur Lachen, das heißt, die darstellenden Charaktere akzeptieren sie nicht. Es erscheint nach Hoppe als „lächerliche Zumutung, ein Kleidungsstück des Menschen für diesen selbst, ein beliebiges Requisit als ein dem Menschen gleichwertiges, machtvolles Gegenüber anerkennen zu sollen“. Damit wird die traditionelle Form der szenischen Aktion bestätigt. In der Verweigerung des Volkes wird sichtbar, daß in dieser Phase der Entwicklung ein Gegenstand noch nicht zum „gegenständlichen Gegenspieler“ aufgewertet werden kann, denn dies wäre gleichzeitig eine Abwertung des freien und autonomen Menschen. Die traditionelle Form, in der eine „Transzendierung des konkreten Gegenstandes [...] nur als religiöse Kulthandlung denkbar“ ist, wird somit nicht überschritten.
1 Theoretische Wege zum Objekttheater: Drei Ansätze: Dieses Kapitel erarbeitet auf Basis der Thesen von Hans Hoppe, Werner Knoedgen und Peter Weitzner theoretische Grundlagen, um das Phänomen des Objekttheaters jenseits klassischer Schauspielformen einzugrenzen.
2 Praktische Wege zum Objekttheater: Eigene Erfahrungen im Studio Spiel und Bühne: In diesem Kapitel werden die theoretischen Erkenntnisse an drei eigenen Fallbeispielen – den Inszenierungen movens, oo und 176 x 178 – reflektiert und in die künstlerische Praxis übertragen.
3 Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die gewonnenen Einsichten zusammen und schlägt vor, das Objekttheater nicht über starre Definitionen, sondern über spezifische Symptome und Merkmale in seiner Vielfalt zu begreifen.
Objekttheater, Figurentheater, Materialtheater, Bildzeichentheater, szenische Aktion, Verdinglichung, Objekttheater-Theorie, Inszenierungspraxis, Bildautor, Rollenobjekt, Bühnenbild, Objektanimation, ästhetische Standortbestimmung, künstlerische Praxis, Spielästhetik.
Die Arbeit untersucht das Objekttheater, ein Theaterphänomen, für das es bisher keine einheitliche wissenschaftliche Definition gibt. Sie verbindet theoretische Analysen bekannter Theatertheoretiker mit den praktischen Erfahrungen des Autors aus dem „Studio Spiel und Bühne“.
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung des Objekttheaters, die theoretische Bestimmung der Gattung im Kontext des Figurentheaters und die praktische Umsetzung theatraler Konzepte mit materiellen Objekten.
Die Forschungsfrage lautet: „Welche theoretischen und welche praktischen Wege führen zum Objekttheater?“ Das Ziel ist es, das Phänomen durch eine Synthese von Theorie und künstlerischer Praxis besser zu verstehen und seine wesentlichen Merkmale herauszuarbeiten.
Die Arbeit nutzt die Analyse fachwissenschaftlicher Literatur (Hoppe, Knoedgen, Weitzner) und konfrontiert diese mit einer dokumentarischen Aufarbeitung eigener praktischer Inszenierungsarbeiten als Fallstudien.
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Zuerst erfolgt eine theoretische Herleitung durch die Auseinandersetzung mit drei Autorenansätzen. Danach folgt der praktische Teil, in dem drei spezifische Inszenierungen (movens, oo, 176 x 178) in ihrer Entstehung, Materialwahl und Umsetzung analysiert werden.
Wichtige Begriffe sind Objekttheater, Verdinglichung, Bildzeichentheater, Rollenobjekt, szenische Aktion und künstlerische Praxis.
Im klassischen Schauspiel dominiert der Mensch und die Sprache, während Objekte meist passive Requisiten bleiben. Im Objekttheater werden Objekte zu autonomen, spielenden Elementen oder Bildzeichen, die gleichberechtigt neben oder anstelle des Menschen die theatrale Aussage tragen.
Das Experiment ist zentral, da die „darstellerischen Möglichkeiten“ eines Objekts nicht theoretisch vorbestimmt sind. Der Autor betont, dass die „Verhaltensforschung“ im Bereich des Materiellen notwendig ist, um die Wirkungsweise der jeweiligen Materialien (wie Plastiktüten oder Tonnen) zu ergründen.
Es handelt sich um ein von Peter Weitzner entworfenes Konzept, bei dem Theaterereignisse in einem leeren, fremden Raum stattfinden, der als „Unbekanntes“ fungiert und in dem Objekte als Ausdrucksträger von Visionen und Träumen wirken.
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