Bachelorarbeit, 2005
50 Seiten, Note: 1,7
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Einleitung
2. Historischer Exkurs zum Dualismus von Privatheit und Öffentlichkeit
Liberale Theorie
Feministische Kritik
3. Die private und öffentliche Dimension – aktuelle Diskurse
Versuch der begrifflichen Abgrenzung von Privatheit und Öffentlichkeit
Definierung des Öffentlichen
Definition und Kategorisierung des Privaten
Das Private in der Öffentlichkeit
Das Recht der Privatperson am eigenen Bildnis
4. „Suite Vénitienne“
4.1 Die Künstlerin Sophie Calle
4.1.1 Einblicke in ihre Werke
4.1.2 Sophie Calle und ihre künstlerischen Beweggründe
4.2 Das Werk – „Suite Vénitienne“
4.2.1 Darstellung der Arbeit
4.2.2 Arbeitsutensilien und Methoden
4.2.3 Die Betrachtung des Werkes aus unterschiedlichen Blickwinkeln
4.2.4 Das Erfolgsgeheimnis der „Venezianischen Suite“
5. Das Werk – ein Eingriff in das Privatleben?
Die Betrachtung im historischen Kontext
Untersuchung in Bezug auf aktuelle Diskurse der privaten und öffentlichen Sphäre
Das persönliche Bild im theoretischen und rechtlichen Diskurs
6. Schlusswort
Diese Arbeit untersucht das 1980 entstandene Werk „Suite Vénitienne“ der französischen Künstlerin Sophie Calle, in welchem sie einen fremden Mann in Venedig über mehrere Tage hinweg verfolgte und dokumentierte. Im Zentrum steht die wissenschaftliche Forschungsfrage, inwieweit diese mehrtägige Observation, die primär im öffentlichen Raum stattfand, als unzulässiger Eingriff in die private Dimension der betroffenen Personen zu werten ist.
1. Einleitung
Die französische Künstlerin Sophie Calle zählt in ihrem Herkunftsland bereits seit den 80er Jahren zu den bekanntesten Vertretern zeitgenössischer Kunst. Was sie auszeichnet und gleichwohl von anderen Künstlern unterscheidet, ist die thematische Vielfältigkeit und ihre Vorliebe für kontroverse Thematiken. Ihr besonderes Interesse gilt dabei der Entdeckung verborgener Informationen ihr zumeist unbekannter Personen. Dieses Leitmotiv kommt in ihren ersten Werken deutlich zum Ausdruck. Und dennoch beschränken sich diese nicht ausschließlich darauf, Informationen über andere Personen preis zu geben. In unvergleichlicher Form bringt sie ihre eigene Person in eine Vielzahl ihrer Arbeiten mit ein. So sind einige ihrer Werke aus ihrer Sichtweise erzählt, andere vergegenwärtigen eigene Erfahrungen und Geschichten aus ihrem Leben.
In dieser Arbeit soll auf das 1980 entstandene Werk „Suite Vénitienne“ eingegangen werden, welches die Verfolgung eines Mannes in Venedig thematisiert. Dabei gilt es anhand aktueller theoretischer Diskurse zur Privatsphäre zu hinterfragen, inwiefern die mehrtägige Verfolgung des Henri B. und seiner Frau, die eher unabsichtlich in das Projekt involviert wurde, deren Anspruch auf Privatheit beschneidet. Die Ambivalenz des Themas ergibt sich daraus, dass die Verfolgung, die in vieler Hinsicht einer detektivisch anmutenden Observation gleicht, fast ausnahmslos an öffentlichen Plätzen erfolgt. An dieser Stelle gilt es zu hinterfragen, inwieweit die Privatsphäre als Teil der Öffentlichkeit zu begreifen ist bzw. das Öffentliche Privates zulässt oder ob sich innerhalb des öffentlichen Raumes die private Dimension auflöst und zwingend Teil des Öffentlichen wird.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Arbeit sowie Erläuterung der Motivation und Zielsetzung hinsichtlich der Analyse des Werkes „Suite Vénitienne“.
2. Historischer Exkurs zum Dualismus von Privatheit und Öffentlichkeit: Darstellung liberaler Theorien und feministischer Kritik zur historischen Trennung von privater und öffentlicher Sphäre.
3. Die private und öffentliche Dimension – aktuelle Diskurse: Theoretische Auseinandersetzung mit der Begriffsdefinition von Privatheit und Öffentlichkeit sowie der rechtlichen Dimension des Rechts am eigenen Bild.
4. „Suite Vénitienne“: Detaillierte Vorstellung der Künstlerin Sophie Calle, ihrer künstlerischen Motivationen sowie des spezifischen Werkes und seiner Entstehungsgeschichte.
5. Das Werk – ein Eingriff in das Privatleben?: Anwendung der zuvor erarbeiteten theoretischen Diskurse auf das konkrete Fallbeispiel der Verfolgung des Henri B.
6. Schlusswort: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und kritische Reflexion des kontroversen künstlerischen Projekts.
Suite Vénitienne, Sophie Calle, Privatsphäre, Öffentlichkeit, Observation, Kunsttheorie, Dualismus, Henri B., Bildnisschutz, Konzeptkunst, Intervention, Voyeurismus, Identität, private Dimension, Rechtsdiskurs.
Die Bachelorarbeit analysiert das künstlerische Projekt „Suite Vénitienne“ der Künstlerin Sophie Calle aus dem Jahr 1980, bei dem sie einen Unbekannten über mehrere Tage in Venedig verfolgte.
Die Arbeit verknüpft kunstwissenschaftliche Analysen mit soziologischen und philosophischen Theorien zur Definition der privaten und öffentlichen Sphäre.
Das Hauptziel ist es, kritisch zu beleuchten, ob eine solche, im öffentlichen Raum stattfindende Verfolgung als ein legitimierbarer künstlerischer Prozess oder als unzulässiger Eingriff in die Privatsphäre zu bewerten ist.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Diskursanalyse, um das Werk unter Einbeziehung verschiedener Perspektiven, wie der liberalen Theorie, feministischer Kritik und aktueller rechtlicher Diskurse zum Bildnisschutz, zu interpretieren.
Im Hauptteil erfolgt zunächst die theoretische Herleitung der Begriffe Privatheit und Öffentlichkeit, gefolgt von der spezifischen Vorstellung des Werkes und einer anschließenden Fallanalyse der Verfolgung des Henri B.
Neben dem Werkstitel sind Begriffe wie Privatsphäre, Öffentlichkeit, Observation, Intervention, Voyeurismus und Bildnisschutz für die Arbeit essentiell.
Nachdem er die Beobachtung bemerkte, äußerte er gegenüber der Künstlerin sein Unverständnis, versuchte den Grund ihres Aufenthalts zu eruieren und untersagte ihr ausdrücklich, weitere Aufnahmen von ihm anzufertigen.
Der Zufall ist oft das auslösende Moment für ihre Projekte. Bei „Suite Vénitienne“ war es eine flüchtige Begegnung auf einer Vernissage, die sie spontan dazu veranlasste, dem Mann nach Venedig zu folgen.
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