Diplomarbeit, 2006
95 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Normalität und Abweichung
2.1. Normen
Exkurs: Normative Pädagogik
2.2. Abweichung
2.2.1. Der Nutzen von Abweichung
3. Darstellung der Devianztheorien
3.1. Die biologische Theorie
3.2. Die psychologischen Theorien
3.2.1. Der sozialisationstheoretische Ansatz
3.2.2. Die Lerntheorie
3.2.3. Der psychoanalytische Ansatz
3.3. Die soziologischen Theorien
3.3.1. Die Anomietheorie
3.3.2. Die Subkulturtheorie
3.3.3. Die Rational Choice-Theorie
3.3.4. Der Radikale Konstruktivismus
3.3.5. Die Labelling Approach-Theorie
3.4. Ausblick
4. Historischer Umgang der Pädagogik mit Abweichung
4.1. Wissenschaftliche Definition von Pädagogik
4.2. Geschichte der Pädagogik vor dem 19. Jahrhundert
4.2.1. Geschichte der Strafe
4.3. Konzepte der Pädagogik im 19. Jahrhundert
4.3.1. Strafe
5. Heutiger Umgang der Pädagogik mit Abweichung zwischen Hilfe und Strafe
5.1. Entstehung der Straf- und Wohlfahrtspolitik
5.2. Strafe
5.2.1. Ziele und Aufgaben von Strafe
5.2.2. Aktuelle Tendenzen in Bezug auf Strafe
5.3. Kurative Maßnahmen
6. Analyse
6.1. Allgemeine Analyse
6.2. Analyse der Devianztheorien
6.3. Analyse des Umgangs der Pädagogik auf Abweichung
7. Fazit
8. Literaturliste
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Pädagogik und abweichendem Verhalten (Devianz). Das zentrale Ziel ist es, den historischen Wandel der pädagogischen Auseinandersetzung mit "nicht normgerechtem" Verhalten zu analysieren und zu hinterfragen, welche Menschenbilder und Gesellschaftsstrukturen diesen Reaktionen zugrunde liegen.
3.2.1. Der sozialisationstheoretische Ansatz
Im Gegensatz zu den biologischen Devianztheorien geht der sozialisationstheoretische Ansatz von der Grundannahme aus, dass der Mensch von Natur aus weder eindeutig mit guten, noch ausschließlich mit schlechten Anlagen ausgestattet ist. Vielmehr erfährt er seine Prägung durch sein soziales Umfeld. Für die Entstehung abweichenden Verhaltens scheinen die sozialen Bedingungen einen maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Jugendlichen zu haben, wie Hurrelmann feststellt. Er legt sein Augenmerk vor allem auf die Herkunftsfamilien, in deren Umfeld der Sozialisationsprozess eines jeden Menschen beginnt. Auch Raithel stellt die Familie als primäre Sozialisationsinstanz von zentraler Bedeutung dar. Untersuchungen haben gezeigt, dass man bei der familiären Sozialisation für die Erklärung jugendlicher Delinquenz von einer der aussagekräftigsten Prädiktoren sprechen kann.
Veränderungen, die in den letzten Jahrzehnten in Familien aufgetreten sind, oder einen Einfluss auf die Auffälligkeit von Kindern haben, sind nach Lehr allein erziehende Eltern, uneheliche Kinder und steigende Berufstätigkeit der Mütter. Weitere Risikofaktoren innerhalb der Familie sind soziodemographische Merkmale wie die finanzielle Stellung und die Familienzusammensetzung. In diesem Zusammenhang nennt Marx wie Lehr die Einelternfamilie. Noch entscheidender ist für sie jedoch der Erziehungsstil. Sowohl der inkonsistente als auch der strafintensive Stil wirken sich ungünstig auf das Kind aus. Sie fördern außerdem die Integration in Jugendgruppen und die Abnabelung von der Familie, was zum Teil auch eher deviantes Verhalten begünstigt. Des Weiteren wurde untersucht, dass Kinder mit vielen Geschwistern zu einem höheren Prozentsatz kriminell werden als die der Vergleichsgruppe. Dies hat zum einen wirtschaftliche Ursachen, da Kinder einen hohen Kostenfaktor darstellen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit der pädagogischen Arbeit in Bezug auf Abweichung und stellt das Forschungsinteresse an den wissenschaftlichen Hintergründen sowie den historischen Diskursen dar.
2. Normalität und Abweichung: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Normalität und Abweichung als soziale Konstruktionen und untersucht deren Funktion als gesellschaftliches Regulativ.
3. Darstellung der Devianztheorien: Hier erfolgt eine systematische Übersicht biologischer, psychologischer und soziologischer Theorien zur Erklärung kriminellen Verhaltens.
4. Historischer Umgang der Pädagogik mit Abweichung: Der Abschnitt bietet einen Überblick über die Geschichte der Pädagogik bis zum 19. Jahrhundert und beleuchtet die Anfänge der Fürsorgepädagogik unter Johann Hinrich Wichern.
5. Heutiger Umgang der Pädagogik mit Abweichung zwischen Hilfe und Strafe: Hier wird der Wandel von der punitiven zur kurativen Pädagogik untersucht, wobei der Fokus auf dem aktuellen Spannungsfeld zwischen Resozialisierung und Kontrolle liegt.
6. Analyse: Die Analyse führt die vorangegangenen Theorien und historischen Aspekte zusammen, um die pädagogischen Reaktionen auf Abweichung in verschiedenen Epochen kritisch zu hinterfragen.
7. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und reflektiert die aktuelle Situation der Pädagogik zwischen staatlicher Kontrolle und der Forderung nach individueller Freiheit.
Pädagogik, Abweichung, Devianz, Normalität, Sozialisation, Strafe, Hilfe, Delinquenz, Fürsorgepädagogik, Johann Hinrich Wichern, Resozialisation, Stigmatisierung, Konstruktivismus, Soziale Arbeit, Kontrolle
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung der Pädagogik mit verschiedenen Theorien über abweichendes Verhalten (Devianz) und der historischen Entwicklung, wie Erziehungswissenschaften auf Delinquenz reagieren.
Die Schwerpunkte liegen auf der Konstruktion von Normalität, der Darstellung von Devianztheorien, der Geschichte der Fürsorgepädagogik sowie dem aktuellen Spannungsfeld zwischen Hilfe und Strafe in der Sozialen Arbeit.
Ziel ist es, den Umgang der Pädagogik mit Abweichung in den historischen Kontext einzuordnen und zu analysieren, welche gesellschaftlichen Anforderungen und Machtstrukturen das Handeln der Pädagogen maßgeblich beeinflussen.
Die Autorin nutzt eine systematische Literaturanalyse und eine historische Herleitung pädagogischer Konzepte, ergänzt durch eine kritische Analyse der aktuellen kriminologischen Diskurse.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Devianztheorien), einen historischen Rückblick auf den pädagogischen Umgang mit Abweichung (mit Fokus auf das 19. Jh. und J.H. Wichern) sowie eine Analyse heutiger Trends in der Kriminal- und Sozialpolitik.
Wichtige Schlagworte sind Pädagogik, Devianz, Normalität, Resozialisation, Stigmatisierung und Sozialisation.
Wichern nimmt eine zentrale Rolle ein, da er als einer der Vorreiter der Fürsorgepädagogik das "Rauhe Haus" gründete. Seine Konzepte dienen als Modell für die Untersuchung, wie pädagogisches Handeln mit christlichen Werten und gesellschaftlichen Kontrollvorstellungen verknüpft wurde.
Die Arbeit betrachtet den Trend zur Responsibilisierung (Eigenverantwortung) skeptisch, da dadurch die Gefahr besteht, dass der Staat seine soziale Verantwortung zugunsten marktwirtschaftlicher Logik reduziert und Betroffene bei Problemen stigmatisiert.
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