Examensarbeit, 2006
97 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Der § 218 StGB
2.1 Historischer Verlauf des strafrechtlichen Lebensschutzes
2.2 Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
2.3 Die Reformen der 1970er Jahre
2.4 Die aktuelle Formulierung der Abtreibungsregelung
2.5 Die Beratungsregelung
2.5.1 Strafrechtliche Grundlagen
2.5.2 Die Beratungsstellen
2.6 Die Indikationsstellungen
2.6.1 Die kriminologische Indikation
2.6.2 Die medizinische Indikation
2.6.3 Die versteckte kindliche Indikation
2.7 Statistische und demographische Entwicklungen
3 Der Begriff Behinderung
3.1 Klassifikationssysteme
3.2 Die Klassifikation von Behinderung im Allgemeinen
3.2.1 Die gesetzliche Klassifikation
3.2.2 Die Klassifikation der WHO
3.3 Die Klassifikation von geistiger Behinderung
3.3.1 Die medizinische Klassifikation
3.3.2 Die pädagogische Klassifikation
3.4 Die Klassifikation von Schwerstbehinderung
3.5 Ethische Aspekte der Klassifikation
4 Medizinische Aspekte zur Frage der Spätabtreibung
4.1 Pränataldiagnostik (PND)
4.2 Pränatale Untersuchungen zur Erfassung einer Schädigung des Kindes
4.3 Die ethische Problematik der Pränataldiagnostik
4.4 Das Recht auf Wissen und Nicht-Wissen
4.5 Methoden der Spätabtreibung
4.6 Früheuthanasie
4.6.1 Aktive Früheuthanasie
4.6.2 Indirekte Früheuthanasie
4.6.3 Passive Früheuthanasie
4.6.4 Die ethische Problematik der passiven Früheuthanasie
4.7 Das Dilemma der medizinischen Indikation und die Medizinisierung eines sozialen Problems
4.8 Die Einbecker Empfehlungen
5 Gesellschaftliche Aspekte zur Frage der Spätabtreibung
5.1 Privatisierung der Abtreibung
5.2 Die Deformation des Rechtsbewusstseins
5.3 Das Problem der Verantwortung
6 Ethische Aspekte zur Frage der Spätabtreibung
6.1 Das heterogene Menschenbild der Gesellschaft
6.2 Die Unmöglichkeit einer allgemeingültigen Ethik
6.2.1 Die Tugenden- und Werteethik
6.2.2 Der Utilitarismus
6.2.3 Der Präferenzutilitarismus
6.2.4 Der Status des Ungeborenen
6.2.5 Die Diskursethik
6.3 Der unlösbare Konflikt
6.4 Die Möglichkeit der Pränatalen Diagnostik als soziale Herausforderung
6.5 Politische und gesellschaftliche Grundlagen
7 Heilpädagogische Aspekte zur Frage der Spätabtreibung
7.1 Auswirkungen auf das Arbeitsfeld der Heilpädagogen
7.2 Auswirkungen auf das Lebensrecht und Bildungsrecht
8 Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die komplexe und kontroverse Problematik der Spätabtreibung in der Bundesrepublik Deutschland im Kontext der medizinischen Indikation und der Pränataldiagnostik. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert auf die ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Spannungsfelder, die durch die Möglichkeit entstehen, Schwangerschaften auch in fortgeschrittenen Stadien aufgrund einer pränatal diagnostizierten Behinderung oder Schädigung des Kindes zu beenden.
4.6.1 Aktive Früheuthanasie
Die aktive Früheuthanasie ist in Deutschland, ebenso wie die aktive Sterbehilfe, als aktiver Tötungsprozess verboten (vgl. Everschor, S. 39). Kommt das Kind lebend auf die Welt, ist es unerheblich, ob der Säugling bereits im Sterben liegt oder nicht, das direkte Eingreifen ist weder den Eltern noch einem Arzt gestattet (vgl. Everschor, S. 39).
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Abtreibung als vorrangig gesellschaftliches Problem und führt in die Problematik des § 218 StGB sowie die ethischen Fragen zur menschlichen Personwerdung ein.
2 Der § 218 StGB: Dieses Kapitel analysiert die gesetzliche Regelung, den historischen Verlauf und die verschiedenen Indikationsstellungen (Beratungsregelung, kriminologische und medizinische Indikation).
3 Der Begriff Behinderung: Hier werden unterschiedliche Klassifikationssysteme (gesetzlich, WHO, medizinisch, pädagogisch) dargestellt, um die gesellschaftliche Konstruktion und das Stigma von Behinderung zu verdeutlichen.
4 Medizinische Aspekte zur Frage der Spätabtreibung: Das Kapitel befasst sich mit der Pränataldiagnostik als Instrument, den Methoden des Abbruchs und der ethischen Problematik der Früheuthanasie.
5 Gesellschaftliche Aspekte zur Frage der Spätabtreibung: Es wird die Privatisierung der Abtreibung, die Deformation des Rechtsbewusstseins und die Frage der Verantwortung in einer leistungszentrierten Gesellschaft diskutiert.
6 Ethische Aspekte zur Frage der Spätabtreibung: In diesem Kapitel werden das Menschenbild, die Grenzen einer allgemeinen Ethik (Utilitarismus, Diskursethik) und der Status des Ungeborenen ethisch reflektiert.
7 Heilpädagogische Aspekte zur Frage der Spätabtreibung: Hier wird der Fokus auf die Konsequenzen für das heilpädagogische Arbeitsfeld sowie das Bildungs- und Lebensrecht von Menschen mit Behinderung gelegt.
8 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die ethischen Dilemmata zusammen und fordert ein gesellschaftliches Umdenken sowie striktere Grenzen beim Einsatz der Pränataldiagnostik.
Spätabtreibung, § 218 StGB, Pränataldiagnostik, medizinische Indikation, Behinderung, Ethik, Menschenwürde, Lebensrecht, Früheuthanasie, Selektion, Heilpädagogik, Lebensqualität, Schwangerschaftsabbruch, Eugenik, Rechtssicherheit.
Die Arbeit analysiert die Praxis der Spätabtreibung in Deutschland, insbesondere unter dem Aspekt der medizinischen Indikation nach pränataler Diagnostik, und setzt sich mit deren ethischen und rechtlichen Folgen auseinander.
Die zentralen Themen sind das geltende Recht nach § 218 StGB, die medizinische Diagnostik im Mutterleib, ethische Theorien zur Bewertung von menschlichem Leben sowie die Auswirkungen dieser Dynamiken auf Menschen mit Behinderung.
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen verfassungsrechtlichem Lebensschutz und der klinischen Realität der Spätabtreibung aufzuzeigen und die zugrunde liegenden gesellschaftlichen Normen kritisch zu hinterfragen.
Die Arbeit basiert auf einer wissenschaftlichen Literaturanalyse und der kritischen Auseinandersetzung mit geltenden Gesetzen, juristischen Kommentierungen, ethischen Diskursen und behindertenpädagogischen Perspektiven.
Der Hauptteil gliedert sich in rechtliche Grundlagen, medizinische Aspekte (PND, Methoden der Abtreibung, Früheuthanasie), gesellschaftliche Rahmenbedingungen und eine tiefergehende ethische Reflexion verschiedener philosophischer Strömungen.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Spätabtreibung, medizinische Indikation, Lebensrecht, behindertenfeindliche Tendenzen, Pränataldiagnostik und advokatorische Ethik.
Die Autorin weist darauf hin, dass die kindliche Indikation formal durch die medizinische Indikation ersetzt wurde, wodurch jedoch der faktische Ausschluss von Kindern mit Behinderung verdeckt weiterbesteht.
Die Autorin kritisiert, dass Ärzte oft in einen Interessenkonflikt geraten, zwischen der Sorge um Haftungsansprüche bei "schadhaftem" Leben und ihrer eigentlichen Aufgabe, Leben zu erhalten und zu schützen.
Die Heilpädagogik wird als Disziplin verstanden, die für das Lebensrecht und die Bildungsfähigkeit jedes Menschen – unabhängig von einer Normabweichung – eintritt und somit als ethischer Kontrapunkt zur selektiven Medizin dient.
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