Magisterarbeit, 2002
104 Seiten, Note: 1,7
1. Werther und die Gesellschaft
1.1 Werthers Herkunft, seine Kindheit und Jugend
1.2 Werthers Position in der Gesellschaft
1.3 Werthers Haltung zur Gesellschaft
1.3.1 Werthers Verhältnis zu Kindern
1.4 Die Parallelfiguren zu Werther
1.4.1 Die Bauernburschenepisode
1.4.2 Der wahnsinnige Schreiber
1.5 Albert als Werthers Antagonist
1.5.1 Die Selbstmorddiskussion
1.6 Die Gesandtschaftsepisode
1.7 Der Eklat in der Adelsgesellschaft
2. Werther und die Natur
2.1 Die Naturauffassung des Sturm und Drang
2.2 Der Gegensatz Stadt/Land bzw. Kultur/Natur
2.2.1 Werther als Spaziergänger
2.2.2 Das Motiv der Nussbäume
2.3 Natur als positiver Verstärker
2.4 Die zerstörerische Natur
3. Werther und die Kunst
3.1 Erste Annäherung an Lotte mittels Literatur
3.2 Werther als Leser
3.1.1 Klopstock
3.1.2 Homer
3.1.3 Ossian
3.1.4 Lessing
3.2 Werther als Künstler
3.3 Die Kunstauffassung des Fürsten versus Werthers Kunstauffassung
4. Die Liebe zu Lotte
4.1 Der euphorische Bericht an Wilhelm
4.1.1 Klopstock als Losung
4.1.2 Lotte als Lebensmittelpunkt
4.2 Werther als Kranker
4.2.1 Werthers Rede gegen die üble Laune
4.2.2 Die Herz-Kind-Metaphorik
4.3 Lottes Charakter
4.4 Das Märchen vom Magnetberg
4.5 Albert als Werthers Konkurrent
4.6 Erster Entwurf einer jenseitigen Liebe
4.7 Wilhelm als Vertreter des Vernunftsprinzips
4.8 Werthers Vorstellung von der Liebe
4.8.1 Flucht aus der Situation und Rückkehr zu Lotte
4.8.2 Die Erfüllung der Liebe durch Lottes Kontrollverlust
5. Werther und die Religion
5.1 Die Haltung des Sturm und Drang zur Religion
5.2 Werthers Pantheismus
5.2.1 Ossian als Symbol einer deutlichen Absage an den Pantheismus
5.3 Biblische Anklänge im Werther
5.3.1 Die Hinwendung zu einem persönlichen Vatergott
5.3.2 Werther und die Kinder
5.4 Die religiöse Stilisierung Lotte
6. Der Selbstmord
6.1 Frühe Thematisierungen des Selbstmordes
6.1.1 Das tote Mädchen als Beispiel für die Rechtfertigung des Selbstmordes
6.2 Werthers latente Todessehnsucht
6.3 Der fantasierte Mord an Albert oder an Lotte
6.4 Die Planung
6.4.1 Die Funktion des Abschiedsbriefes an Lotte
6.5 Die Tat
6.6 Die Symbolik des Sterbetages
Die vorliegende Arbeit untersucht eingehend Werthers Charakterstruktur und seine Lebenswelt, um die Ursachen für seinen Selbstmord zu ergründen und die Zwangsläufigkeit dieser Tat zu beleuchten. Dabei wird analysiert, inwieweit soziale Zwänge, ein gescheitertes Verhältnis zur Natur und zur Kunst sowie eine als defizitär erlebte Liebe zum Scheitern der Figur beitragen.
1.2 Werthers Position in der Gesellschaft
„Wie oft lull‘ ich mein empörtes Blut zur Ruhe, denn so ungleich so unstät hast du nichts gesehen als dieses Herz. Lieber! brauch‘ ich dir das zu sagen, der du so oft die Last getragen hast, mich vom Kummer zur Ausschweifung und von süßer Melancholie zur verderblichen Leidenschaft übergehen zu sehen? Auch halte ich mein Herzchen wie ein krankes Kind; jeder Wille wird ihm gestattet“13, schreibt Werther im Brief vom 13. Mai 1771. In dieser Selbsteinschätzung zeigt sich sein unausgeglichener Charakter, der starken Gefühlsschwankungen unterliegt. Trieberfüllung und Absolut-Setzung des Ich stehen im Vordergrund. Seine Stellung innerhalb der Gesellschaft erleichtert es ihm, diese egozentrische Position auszuleben.
Die Zugehörigkeit der Familie Werthers zum vermögenden Bürgertum ermöglicht es seiner Mutter, seinen Lebenswandel ohne Erwerbsarbeit und ohne wesentliche gesellschaftliche Verpflichtungen zu finanzieren, auch wenn sie andere Ziele verfolgt und ihn in eine geregelte Anstellung bringen will. Hilfreich werden sich hierzu die Kontakte der Familie zum Hofe erweisen, auch diese sind ein Zeichen der privilegierten Stellung der Familie und somit auch Werthers. Auch ohne beruflichen Ehrgeiz sichert sie ihm durch ihre finanzielle Lage und ihre Reputation ein gewisses Ansehen und einige Vorzüge, wie zum Beispiel die dauernde Beschäftigung eines Dieners. Seinen Neigungen entsprechend gestaltet er seinen Tagesablauf, indem er etwas in der Kunst dilettiert, die Lektüre antiker Dichter betreibt und sich in der Natur ergeht. Das Handeln aus Neigung erhebt er dann auch ohne Umschweife zur Maxime, als deutlich wird, dass seine Mutter und Wilhelm ihn zur Übernahme von Pflichten bewegen wollen.
1. Werther und die Gesellschaft: Analyse von Werthers Herkunft, seinem Standesbewusstsein und seiner kritischen, jedoch ambivalenten Haltung gegenüber den gesellschaftlichen Strukturen.
2. Werther und die Natur: Untersuchung von Werthers Natursicht als Spiegel seiner Seele und der schließlichen Entfremdung, in der die Natur nur noch als zerstörerisches, fremdes Gegenüber wahrgenommen wird.
3. Werther und die Kunst: Erörterung der Rolle von Literatur und Malerei als gescheiterte Versuche, durch ästhetische Identifikation Isolationsgefühle zu überwinden.
4. Die Liebe zu Lotte: Analyse der zentralen Liebesbeziehung, ihrer Stilisierung als religiöser Lebensmittelpunkt und des unaufhaltsamen psychischen Verfalls Werthers.
5. Werther und die Religion: Darstellung von Werthers Hinwendung zu einem persönlichen, unkonventionellen Gottesbild nach der Abkehr vom Pantheismus.
6. Der Selbstmord: Detaillierte Betrachtung der Planung, der philosophischen Rechtfertigung und der symbolischen Bedeutung von Werthers finaler Tat.
Goethe, Werther, Sturm und Drang, Gesellschaftskritik, Selbstmord, Empfindsamkeit, Naturauffassung, Liebesleid, Kunst, Religion, Identitätskrise, Subjektivismus, Entfremdung, Klassik, Literatur.
Die Arbeit analysiert die Charakterstruktur von Goethes Protagonisten Werther und untersucht, welche sozialen, emotionalen und philosophischen Faktoren ihn in den Selbstmord treiben.
Zentrale Themen sind das Verhältnis zur Gesellschaft, das Scheitern der Kommunikation, die Funktion von Kunst und Natur im Leben des Individuums sowie die religiöse Suche nach Trost.
Das Ziel ist zu beantworten, warum Werther das Leben als unerträglich empfindet und sein Selbstmord als zwangsläufige Konsequenz seiner Charakterstruktur und Lebenssituation betrachtet werden muss.
Die Untersuchung basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Textanalyse, die Werthers Briefe in den Kontext des Sturm und Drang stellt und psychoanalytische sowie literatursoziologische Interpretationsansätze einbezieht.
Der Hauptteil analysiert schrittweise Werthers Beziehung zur Gesellschaft, zur Natur, zur Kunst, zu Lotte und schließlich zu Gott, um die Eskalation seiner inneren Krise darzustellen.
Werther, Sturm und Drang, Subjektivität, Gesellschaftskritik, Selbstmord, Natur, Empfindsamkeit, Identität und Entfremdung.
Literatur dient Werther als wichtiges Identifikationsmedium; indem er seine Situation mit den Schicksalen antiker Helden oder der Dichtung Ossians vergleicht, versucht er, sein Leid in einen größeren, sinnstiftenden Kontext zu stellen.
Die Beziehung wird als ein Spiel mit dem Feuer gewertet, bei dem Lotte aktiv zur Steigerung von Werthers Leid beiträgt, während Werther versucht, die Unmöglichkeit dieser Liebe durch eine Stilisierung Lottes zur Heiligen zu kompensieren.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

