Diplomarbeit, 2006
114 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
2 Tätowierung – Eine soziologische und sozialpsychologische Einordnung
2.1 Die Funktionen der Haut
2.2 Das Prozedere der Tätowierung
2.3 Tätowierung als „Impression Management“ und Kommunikationsmittel – eine sozialpsychologisch-soziologische Sicht
2.4 Tätowierungen als Gegenstand der Literatur
3 Tätowierung als Untersuchungsgegenstand in der bisherigen Forschung
3.1 Lynne Caroll, Roxanne Andersen und Aldis Putnins (2002)
3.2 Douglas Degelman und Nicole Deann Price (2002)
3.3 Andrés Martin (1997)
3.4 Aglaja Stirn (2004)
3.5 Gordon B. Forbes (2001)
3.6 Katherine Irwin (2001)
4 Entwicklung der Fragestellung
4.1 Erläuterung der Interviewfragen
4.2 Der „Interviewrahmen“
4.3 Tabellarische Übersicht der Interviewfragen
5 Untersuchungsmethodik
5.1 Interviewteilnehmer
5.2 Der Interviewablauf
5.3 Der Untersuchungsplan
6 Auswertung der narrativen Interviews
6.1 Persönliche Anmerkungen und Gedächtnisprotokolle zu den Interviews
6.2 Der erste Auswertungsschritt: Die Inhaltskategorien der Antworten
6.2.1 Identität als überragendes Thema
6.2.2 Vorbilder und Identifikation
6.2.3 Die Tätowierung als Ankerfunktion an einen bestimmten ideologischen Ort
6.2.4 Die Ablösung von den Eltern - die Mama Kategorie
6.2.5 Schutz vor anderen - auch als Botschaft an andere und vor dem Altern
6.2.6 Empfundener Schmerz während der Tätowierung
6.2.7 Das Tätowiertwerden hat etwas Symbolisches, das es zu einem „Ritual“ macht
6.2.8 Der Aspekt der Gruppenzugehörigkeit
6.2.9 Persönliche Atmosphäre
6.2.10 Emotionale Nähe zur Tätowierung
6.2.11 Zusammenfassung
6.2.12 Die Experten Kategorie Auftrag
6.3 Der zweite Auswertungsschritt: Die fragezentrierte Analyse der Antworten
6.3.1 Angaben zur ersten Tätowierung
6.3.2 Die Eigenständigkeit der Entscheidung sich tätowieren zu lassen und die Reaktion der näheren Umwelt
6.3.3 Zusammenfassung
6.3.4 Die positive Veränderung des Selbstbildes durch die Tätowierung
6.3.5 Zusammenfassung
6.3.6 Die Wirkung der Tätowierung auf die eigene Körperlichkeit
6.3.7 Zusammenfassung
6.3.8 Ergebnisse der Expertenfragen
6.3.9 Zusammenfassung
7 Vergleich der Ergebnisse der inhaltsanalytischen Auswertungsansätze
8 Fazit
8.1 Ergebnis der Arbeit unter Berücksichtigung der Ausgangsfragestellung
8.2 Die Ergebnisse der vorliegenden Studie vor dem Hintergrund der bisherigen Literatur
8.3 Ideen für zukünftige Studien
8.4 Schluss
9 Exkurs
9.1 Darstellung der Tätowierungen in den internationalen Fachmagazinen
9.1.1 Erscheinungsort der Magazine
9.1.2 Tatuajes y Perforaciones
9.1.3 Skin & Ink
9.1.4 Das Tätowiermagazin
9.2 Zusammenfassung
10 Literatur
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen und soziologischen Hintergründe der Tätowierung bei modernen Tattoo-Trägern. Ziel ist es, durch die Auswertung narrativer Interviews zu verstehen, welche persönlichen Beweggründe zur permanenten Körperveränderung führen und ob sich das Selbstbild oder die Identität der Befragten durch das Tätowieren verändert hat, wobei explizit auch die Expertenperspektive von Tätowierern in die Analyse einbezogen wird.
2.3 Tätowierung als „Impression Management“ und Kommunikationsmittel – eine sozialpsychologisch-soziologische Sicht
Oettermann sieht den „Schlüssel zur Tätowierung“ (Oettermann, 1982, 348) in ihrer kommunikativen Funktion, da die Voraussetzungen und die Bestandteile menschlicher Kommunikation keineswegs nur Worte sind, wie Watzlawick feststellte. Vielmehr umfasst Kommunikation jegliche Form paralinguistischer Ausdrucksweisen, also den Tonfall, die Schnelligkeit oder Langsamkeit der Sprache – einschließlich Sprachpausen, jedoch auch jede Form der Körpersprache, wie sie durch Körperhaltung verdeutlicht und mitgeteilt werden kann. Demzufolge ist jede Form von Verhalten in einer zwischenpersönlichen Situation Kommunikation und hat Mitteilungscharakter. Nach Watzlawick heißt dies, da Verhalten kein Gegenteil hat: „Man kann sich nicht nicht verhalten.“ (Watzlawick, 2000, 51) – und daraus folgt: Man kann nicht nicht kommunizieren. Jegliches Verhalten, ob Schweigen oder Sprechen, hat Mitteilungscharakter und beeinflusst andere, die ihrerseits nicht nicht auf diese Kommunikation reagieren können und somit innerhalb dieser zwischenpersönlichen Situation interagieren.
Tätowierte befinden sich in einem Akt permanenter Kommunikation durch ihre (sichtbaren) Tattoos. Ermacora (1996, 26-27) erkennt in Tätowierungen, deren Motive an der Symbolik fremder Kulturen orientiert sind, den Wunsch, sich des Inhalts dieser Symbole „zu bemächtigen“, um „mit einem modernen Kontext [...] mit anderen Menschen zu kommunizieren.“.
1 Einleitung: Dieses Kapitel definiert Tätowierungen als Gestaltung des Körpers und beleuchtet die historische Etymologie sowie die zunehmende Verbreitung des Tattoo-Phänomens in westlichen Kulturkreisen.
2 Tätowierung – Eine soziologische und sozialpsychologische Einordnung: Hier werden hauttheoretische Konzepte wie Didier Anzieus "Haut-Ich" und Oliver Königs "interaktives Organ" vorgestellt, um die Funktion der Haut als Grenze und Kommunikationsmedium zu erläutern.
3 Tätowierung als Untersuchungsgegenstand in der bisherigen Forschung: Das Kapitel bietet einen Literaturüberblick, der das Spektrum von klinischen, psychopathologischen Sichtweisen bis hin zu soziologischen Ansätzen wie der Identitätssuche Jugendlicher abdeckt.
4 Entwicklung der Fragestellung: Hier werden die Forschungsfragen und der Leitfaden für die narrativen Interviews erläutert, die als Basis für die qualitative Untersuchung dienen.
5 Untersuchungsmethodik: Es werden der qualitative Forschungsansatz, die Auswahl der Interviewpartner und der Ablauf der narrativen Interviews dargelegt.
6 Auswertung der narrativen Interviews: Dieses umfangreiche Kapitel präsentiert die Ergebnisse der Interviews, unterteilt in inhaltliche Kategorien wie Identität, Schmerz, Gruppenzugehörigkeit und die Perspektive der Experten.
7 Vergleich der Ergebnisse der inhaltsanalytischen Auswertungsansätze: Hier werden die verschiedenen Analysemethoden methodisch gegenübergestellt und validiert.
8 Fazit: Das Fazit fasst die empirischen Ergebnisse zusammen, bewertet sie vor dem Hintergrund der Forschungsfragen und der Literatur und gibt Anregungen für zukünftige Studien.
9 Exkurs: Dieser Abschnitt analysiert die Darstellung von Tattoos in internationalen Fachmagazinen und vergleicht diese mit den Ergebnissen der eigenen Untersuchung.
Tätowierung, Haut-Ich, Identität, Impression Management, Körpermodifikation, narrative Interviews, Soziologie, Sozialpsychologie, Selbstdarstellung, Ritual, Kommunikation, Körperlichkeit, Tattoo-Studios, Individualisierung, Körperkultur.
Die Arbeit untersucht die soziologischen und psychologischen Hintergründe von Tätowierungen, insbesondere wie Tattoo-Träger ihre Körpermodifikationen wahrnehmen und wie diese zur Identitätsfindung beitragen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Funktion der Haut als interaktives Organ, der Kommunikation durch Tattoos, Selbstdarstellungstechniken (Impression Management) und der Rolle von Tattoos in sozialen Gruppen.
Das Hauptziel ist es, die Beweggründe der Befragten für ihren Entschluss zur permanenten Körperveränderung zu verstehen und zu analysieren, wie sich ihr Selbstbild durch das Tätowieren langfristig verändert hat.
Die Arbeit nutzt einen qualitativen Forschungsansatz. Es wurden narrative Interviews mit Tattoo-Trägern und Experten geführt, deren Aussagen inhaltsanalytisch ausgewertet wurden.
Im Hauptteil werden die Kategorien der Interviews ausgewertet, darunter Identitätsaspekte, der Umgang mit Schmerz, die Gruppenzugehörigkeit sowie die fachliche Einstellung von Tätowierern als Experten.
Die zentralen Begriffe sind Tätowierung, Identität, Haut-Ich, Körpermodifikation, Impression Management und qualitative Sozialforschung.
Die Arbeit deckt einen signifikanten Konflikt bei vielen Befragten auf: Während sie sich vordergründig zum "Tätowiert sein" bekennen, zeigt die tiefere Analyse oft den Wunsch, die Tätowierung wieder "abzulegen", was eine gewisse Entfremdung vom tätowierten Körperteil impliziert.
Tätowierer werden als Experten befragt, um die Produktionsseite des Tätowierens zu verstehen. Überraschend zeigt sich hier eine oft unkritische, künstlernahe Selbsteinschätzung, die wenig Rücksicht auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden nimmt.
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