Examensarbeit, 2006
115 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Fragestellung der Arbeit
1.2 Quellen und Anmerkungen zur Literatur
1.3 Vorgehensweise
2. Martin Buber
2.1 Leben
2.2 Ansatz
2.3.1 Die Beziehung zum Anderen: Das dialogische Prinzip
2.3.2 Ich-Es
2.3.3 Ich-Du
2.3.4 Das dialogische Prinzip
2.3.5.1 Das Erzieherische
2.3.5.2 Zur Pluralität in der Bildungsarbeit
3. Emmanuel Levinas
3.1 Leben
3.2 Ansatz
3.3 Die Beziehung zum Anderen: Levinas´ Ethik der Verantwortung
4. Vergleich der Ansätze Bubers und Levinas´
4.1 Einstellung und Leben
4.1.1 Gemeinsamkeiten
4.1.2 Unterschiede
4.2 Ansatz
4.2.1 Gemeinsamkeiten
4.2.2 Unterschiede
5. Anknüpfungspunkte für die Pädagogik
5.1 Grundannahmen
5.2 Das pädagogische Verhältnis
5.2.1 Buber
5.2.2 Levinas
5.3 Pädagogischer Ausgangspunkt
5.4 Lernen
5.5 Ziele und Orientierung
5.6 Orte des Lernens
6. Interkulturelle Pädagogik
6.1 Entwicklung
6.2 Grundsätze und Ziele
6.3 Anknüpfungspunkte an die Ansätze Bubers und Levinas` und Ausblick
7. Untersuchung einzelner Aspekte
7.1 Identität
7.1.1 Identitätskonzeption bei Buber
7.1.2 Identitätskonzeption bei Levinas
7.1.3 Identitätskonzeptionen im Umfeld der Interkulturellen Pädagogik
7.1.4 Exkurs: Von der Gefahr des Fundamentalismus
7.1.5 Zusammenschau und Ausblick
7.2 Die Beziehung zum Anderen in der Interkulturellen Pädagogik: Vom Umgang mit (kultureller) Differenz
7.2.1 Wer ist der Andere in der Interkulturellen Pädagogik?
7.2.2 Festschreibung des Anderen durch Anerkennung?
7.2.3 Unterschiedliche Ansätze im Umgang mit Differenz
7.2.4 Die Wahrnehmung des Anderen
7.2.4.1 Historische Aspekte
7.2.4.2 Die Wahrnehmung des Einzelnen
7.2.4.3 Fremdwahrnehmung
7.2.5 Zum Bereich des Zwischen in der Interkulturellen Pädagogik
7.2.5.1 Verstehen und Kommunikation
7.2.5.2 Interkultureller Dialog
7.2.6 Zusammenschau und Verknüpfung mit den Ansätzen Bubers und Levinas´
8. Konsequenzen für die Interkulturelle Pädagogik
8.1 Subjektentwicklung
8.1.1 Subjektentwicklung durch Interkulturelles Lernen: Didaktische Konzepte und Handlungsmöglichkeiten
8.1.2 Subjektentwicklung durch Öffnung von Schule
8.2 Religiöse Erziehung und interreligiöser Dialog
9. Fazit
Die Arbeit untersucht, welche Bedeutung die philosophischen Ansätze von Martin Buber und Emmanuel Levinas für die interkulturelle Pädagogik haben können, um Subjekten in einer pluralen, globalisierten Gesellschaft einen respektvollen und friedvollen Umgang mit dem Anderen zu ermöglichen.
2.3.2 Ich-Es
Ein Ich ohne Welt ist nicht möglich. So kann ein Ich nur sein, wenn es in Relation ist, zum einen zum Es, dann ist es das gebrauchende, benutzende Ich, das sich in seiner Welt eingerichtet hat, das Kenntnisse über die Dinge hat, sie zerlegt, sie analysiert, diese Kenntnisse kulturell weitergibt. Die Es-Welt ist also die Welt der Erfahrung, der Vergangenheit, der Kenntnisse, die man sich nutzbar machen kann, die den Bestand und das Fortschreiten der Kultur sichern. Der Mensch der Ich-Es-Relation steht den Dingen gegenüber, er ist von den Objekten abgetrennt, alles steht für ihn in einem Ursache Wirkungszusammenhang, ist geordnete Welt. Auch die begriffliche Erkenntnis gehört zur Es-Welt.
Betrachte ich etwa den Baum auf seine Funktion hin, befinde ich mich in der Ich-Es Relation. Diese Relation ist für das Menschsein notwendig und erst von Übel, wenn sie Überhand nimmt, der Mensch nicht mehr zu wahrer Beziehung und Verbundenheit fähig ist: So schreibt Buber: „[W]illst du sie [die Welt] übersehbar machen, verlierst du sie“, denn wenn ich sie zum Gegenstand mache, verliere ich die Beziehung zu ihr, die allein gegenwärtig ist. Nun muss ein Gegenüber, ob Mensch oder Ding, „nach Ablauf des Beziehungsvorgangs, zu einem Es werden“ und so schreibt Buber: „[O]hne Es kann der Mensch nicht leben, aber wer mit ihm allein lebt, ist nicht der Mensch“.
Wird die Ich-Es-Relation zur alleinigen, landet der Mensch in der Verfremdung. Er verliert das Sein, das er nur durch wahre Teilhabe erlangen kann. Anstatt des Seins dominiert das Haben, der Konsumismus, der Selbstbehauptungstrieb. Der Mensch wird zum Eigenwesen, das sich von anderen abgrenzt, ohne Teilhabe und Verbundenheit das Sein und seine Wirklichkeit verliert: „[D]as Eigenwesen befaßt sich mit seinem Mein: meine Art, meine Rasse, mein Schaffen, mein Genius.“
Auch in Gemeinschaft lebt der Mensch der Ich-Es Relation monologisch: Das heißt, dass er im eigenen Selbst verhaftet bleibt und nicht über sich hinauskommt. Der monologisch lebende erkennt den Anderen nicht als Anderheit an, sondern vereinnahmt ihn, der Andere bleibt nur als das eigene Erlebnis bestehen, es geht lediglich um Selbstgenuss. Dieses Verhalten gegenüber dem Anderen nennt Buber Rückbiegung.
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Herausforderungen einer komplexen, globalisierten Welt und fragt nach der Bedeutung von Bubers und Levinas' Ansätzen für eine interkulturelle Pädagogik.
2. Martin Buber: Dieses Kapitel zeichnet Bubers Leben nach und erläutert sein dialogisches Prinzip, insbesondere die Unterscheidung von Ich-Du und Ich-Es sowie seine Vorstellungen von Erziehung.
3. Emmanuel Levinas: Die Biografie Levinas' wird hier mit seiner Ethik der Verantwortung verknüpft, die das Antlitz des Anderen als unbedingte Aufforderung zur Verantwortung in den Mittelpunkt stellt.
4. Vergleich der Ansätze Bubers und Levinas´: Hier werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Philosophen, besonders hinsichtlich der Reziprozität und der Asymmetrie der Beziehung, gegenübergestellt.
5. Anknüpfungspunkte für die Pädagogik: Dieses Kapitel diskutiert, wie die philosophischen Konzepte konkret auf pädagogische Verhältnisse, Lernen und Bildung in verschiedenen Lernorten angewendet werden können.
6. Interkulturelle Pädagogik: Ein historischer Abriss der interkulturellen Pädagogik in Deutschland, ihre Grundsätze und die Verknüpfung mit den Ansätzen von Buber und Levinas.
7. Untersuchung einzelner Aspekte: Detaillierte Betrachtung von Identitätskonzeptionen und der Wahrnehmung des Anderen, einschließlich einer Analyse von fundamentalistischen Gefahren und der Struktur des interkulturellen Dialogs.
8. Konsequenzen für die Interkulturelle Pädagogik: Ableitung praktischer Konsequenzen für Subjektentwicklung, die Gestaltung von Schule und die Notwendigkeit interreligiöser Dialoge.
Martin Buber, Emmanuel Levinas, Interkulturelle Pädagogik, Dialogisches Prinzip, Ethik der Verantwortung, Identität, Alterität, Differenz, Subjektbildung, interkulturelles Lernen, globalisiertes Lernen, interreligiöser Dialog, Antlitz, Verantwortung, Beziehung.
Die Arbeit untersucht die philosophischen Ansätze von Martin Buber und Emmanuel Levinas und deren Potenzial, als theoretische Grundlage für eine interkulturelle Pädagogik zu dienen, die in einer pluralen Gesellschaft zu respektvollerem Miteinander führt.
Zentral sind die Dialogphilosophie (Buber), die Ethik der Verantwortung (Levinas), Konzepte interkultureller Pädagogik, Identitätsbildungsprozesse sowie Fragen nach dem Umgang mit Differenz und Fremdheit.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Bubers dialogisches Prinzip und Levinas' Ethik der Verantwortung Subjekten dabei helfen können, in einer pluralen Gesellschaft eine Beziehung zum Anderen aufzubauen, die nicht auf Bedrohung, sondern auf menschlicher Entwicklung basiert.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die philosophische Ansätze mittels Literaturanalyse erschließt und mit erziehungswissenschaftlichen Konzepten der interkulturellen Pädagogik verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Philosophien von Buber und Levinas, deren Vergleich, die Analyse pädagogischer Konsequenzen (insbes. für die interkulturelle Bildung) und die Untersuchung spezifischer Aspekte wie Identität und die Wahrnehmung des Anderen.
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Interkulturelle Pädagogik, Dialogphilosophie, Verantwortung, Identität, Alterität und das Verhältnis zum Anderen beschreiben.
Während Buber die Wechselseitigkeit und Symmetrie des Dialogs zwischen zwei Partnern betont, stellt Levinas die radikale Asymmetrie und die unbedingte Verantwortung des Einzelnen für den Anderen in den Vordergrund, ohne dabei eine notwendige Gegenseitigkeit zu fordern.
Identität wird nicht als festes, statisches Merkmal begriffen, sondern als dynamischer Prozess, der durch soziale Interaktion und die Auseinandersetzung mit dem Anderen entsteht und stetig ausgehandelt wird.
Das "Zwischen" ist der ontologische Ort der Begegnung, in dem die Dialogpartner erst zueinander finden und ihr Menschsein in der Beziehung realisieren, wodurch Schule zu einem Ort der echten Begegnung und Menschlichkeit werden kann.
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