Magisterarbeit, 2006
70 Seiten, Note: 1,0
Einleitung: Sherlock Holmes in Rio
I Theoretischer Arbeitsrahmen
I.1. Über und zwischen Texten
I.2. Dekonstruktion und Re-Lektüre
I.2.1 Versuche über den Begriff der Parodie
I.2.2 Zitierte Texte
II Formalien des Romans
II.1 Struktur
II.2 Transtextuelle Bezüge
II.2.1 Architextualität – die Schwierigkeit der Gattungszuordnung
II.2.2 Metatextualität – kritische Auseinandersetzung als Parodie
II.2.3 Paratextualität – Einwirkungen auf den Erwartungshorizont
II.2.4 Hypertextualität – die Frage nach dem Bezugspunkt
II.2.5 Intertextualität – Polyphonie der Stimmen
II.2.5.1 Intertextuelle Schnittstellen mit dem Kanon
II.2.5.2 Intertextuelle Schnittstellen außerhalb des Kanons
III Dekonstruktion in O Xangô de Baker Street
III.1 Europa in Amerika
III.2 Wi(e)derlesen von Geschichte
III.3 Dekonstruktion des Helden Sherlock Holmes
III.3.1 O Xangô de Baker Street
III.3.2 Holmes & Dr. Watson vs. Mello Pimenta & Dr. Saraiva
III.3.3 Holmes in Love
IV Resümé
Die vorliegende Arbeit untersucht die Dekonstruktion der kanonisierten Figur Sherlock Holmes im Roman O Xangô de Baker Street von Jô Soares. Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch transtextuelle Bezüge, Parodie und postkoloniale Lektüre eine hybride, nomadische Identität des Helden konstruiert wird, die seine traditionellen Attribute auflöst und neu definiert.
III.1 Europa in Amerika
Ein bisschen merkwürdig mag es dem einen oder anderen Leser schon vorkommen, sich Sherlock Holmes in einer anderen Stadt als London vorzustellen, obwohl weder er noch Watson ganz ohne Auslandserfahrung sind. In A Study in Scarlet (1887) sowie in unterschiedlichen Geschichten wie The Adventure of Cardboard Box (1893) kommt zum Ausdruck, dass Watson bereits im Krieg gegen Afghanistan als Chirurg tätig war. Holmes’ wohl nervenaufreibendster Auslandaufenthalt war der in der Schweiz in The Adventure of the Final Problem von 1893, denn von ihm sollte er ursprünglich gar nicht lebend zurückkommen, sondern nach einen Sturz in einen Wasserfall für immer von der Bildfläche verschwinden. Doch auch gemeinsam haben sie in A Sign of Four (1890) außerhalb Englands, in Indien, ermittelt. Der Aufenthalt der beiden in Brasilien stellt für sie jedoch ein vollkommen neues Abenteuer und Begegnungen auf absolutem Neuland dar.
Im Gegensatz zu Holmes erweist sich Watson als recht unflexibler Reisender, dem es nur schwerlich gelingt, sich mit den örtlichen Gegebenheiten zu arrangieren. Dies belegt bereits seine erste Reaktion bei ihrer Ankunft in der Bucht von Bahia:
Parece a Índia – reclamou Watson. – Só senti calor igual em Bombaim, quando estive lá em 78, como cirurgião-assistente do quinto regimento de fuzileiros de Northumberland, durante a segunda guerra afegã. [...] - Já passa das cinco. Hora do chá. (XBS.: 59f)
Typischerweise beginnt er sofort das ihm Unbekannte (Brasilien) ihm vertrauen Kategorien zuzuordnen und das fremde Land mit Indien zu vergleichen. Entsprechend plausibel ist seine Verwunderung darüber, dass não vejo nenhum índio pelas ruas, woraufhin der Marquês de Salles ironisch bemerkt, já somos quase civilizados. (ebd.: 105). „Zivilisiert“ sind in seinem Sinne natürlich nur die, die sich der europäischen Mode und Weltanschauung unterwerfen. Indios und Sklaven hingegen werden als nicht zur Gesellschaft gehörend betrachtet, obwohl sie den größten Teil davon ausmachen.
Einleitung: Sherlock Holmes in Rio: Die Einleitung führt in die Holmes-Thematik ein, verortet den Roman in der Parodie und erläutert die methodische Grundlage der Dekonstruktion.
I Theoretischer Arbeitsrahmen: Hier werden die literaturtheoretischen Konzepte, insbesondere Genettes Transtextualität und Derridas Dekonstruktion, als Analyseinstrumente eingeführt.
II Formalien des Romans: Dieses Kapitel untersucht die spezifischen narrativen Strukturen, wie typografische Auffälligkeiten und die Bedeutung der paratextuellen Elemente für den Rezeptionsprozess.
III Dekonstruktion in O Xangô de Baker Street: Im Hauptteil wird die tatsächliche Dekonstruktion der Figuren Holmes und Watson sowie deren Interaktion mit dem historischen und kulturellen brasilianischen Umfeld analysiert.
IV Resümé: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bestätigt die postmoderne Hybridität und die aktive Rolle des Lesers bei der Sinngenerierung.
Sherlock Holmes, Jô Soares, Dekonstruktion, Parodie, Transtextualität, Postkolonialismus, Hybridität, Intertextualität, Metafiktion, Re-Lektüre, Kanon, O Xangô de Baker Street, Postmoderne, Mimesis, Identitätskonstruktion.
Die Arbeit analysiert Jô Soares’ Roman O Xangô de Baker Street als eine parodistische Dekonstruktion des klassischen Sherlock-Holmes-Kanons von Sir Arthur Conan Doyle.
Die zentralen Themen umfassen postkoloniale Identitätsdiskurse, die Transformation literarischer Figuren in fremde Kulturkreise sowie die Untersuchung von transtextuellen Bezügen und metafiktionalen Verfahren.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch die räumliche und kulturelle Versetzung der Detektivfigur eine Dekonstruktion der traditionellen, allwissenden Heldenrolle stattfindet und eine neue, hybride Identität entsteht.
Die Arbeit stützt sich primär auf Gérard Genettes Theorie der Transtextualität, Derridas Begriff der différance sowie postkoloniale und metafiktionale Konzepte zur Analyse der Textstruktur.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der Romanformalien, der Intertextualität und der konkreten (De-)Konstruktion von Holmes, Watson und ihrem brasilianischen Umfeld.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Dekonstruktion, Hybridität, Parodie, Intertextualität und die Rolle des aktiven Lesers bei der Interpretation postmoderner Literatur bestimmt.
Die Arbeit legt dar, dass der Kaiser Dom Pedro II durch die Fokussierung auf seine privaten Schwächen und peinliche Vorfälle jeglicher Aura als souveräner, ernstzunehmender Monarch entkleidet wird.
Sie dienen als metafiktionales Werkzeug, das den Leser sowohl in der vermeintlichen Faktizität des Textes wiegt als auch zur Entlarvung dieser "falschen Fährten" als aktiver Teil des Dekonstruktionsprozesses auffordert.
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