Magisterarbeit, 2002
112 Seiten, Note: Sehr Gut
THEORETISCHER TEIL
1. Einleitung
2. Zeit in der Psychologie
2.1 Psychologische Zeitbegriffe
2.2 Die Physiologie der Zeit
2.3 Subjektive vs. objektive Zeit
2.4 Zeit als Variable in der experimentellen Psychologie
2.4.1 Die wahrgenommene Dauer
2.4.2 Die Wahrnehmung gefüllter Zeit
2.4.3 Die Wirkung von Einstellungen auf die wahrgenommene Dauer
2.5 Zusammenfassung
3. Die Schätzung der Zeit
3.1 Empirische Methoden der Zeitschätzung
3.2 Prospektive vs. retrospektive Schätzung, bzw. Beurteilung von Zeitintervallen
3.3 Der Einfluß der Aufgabenart
3.4 Zusammenfassung
4. Theoretische Modelle der Zeitschätzung
4.1 Modelltypen
4.2 Modell der Veränderungsmenge
4.2.1 Segmentierung des Wahrnehmungsstroms
4.2.2 Kontextveränderungen
4.3 Modell des Speicherbedarfs
4.3.1 Erinnerungsleistung und Zeitschätzung
4.3.2 Kodierung und Rekodierung
4.3.4 Amnestische Syndrome
4.4 Verarbeitungsaufwand - Modell
4.4.1 Kognitive Verarbeitung vs. sensorische Stimulation
4.4.2 Instruktionsgelenkte Aufmerksamkeit
4.4.3 Konkurrenz um kognitive Ressourcen
4.4.4 Vergleich der Modelle und Kritik
4.5 Studie zur Zeitschätzung
4.6 Zusammenfassung
5. Zeit als wirtschaftlicher Faktor
5.1 Interindividuelle Unterschiede betreffend Zeiterleben und Zeitbewußtsein
5.1.1 Fehlurteile und das Unwissen über das eigene Wissen
5.2 Entscheidungen
5.2.1 Entscheidungen im Team
5.2.2 Problemlösen
5.3 Zeitmanagement
5.3.1 Zeitmanagement als Teilaspekt des üblichen Management
5.3.2 Zeitmanagement auf persönlicher Ebene
5.4 Zusammenfassung
EMPIRISCHER TEIL
6. Fragestellungen und Hypothesen
6.1. Fragestellungen
6.2 Hypothesen
7. Methode
7.1 Material
7.2 Durchführung
7.3 Stichprobe
8. Ergebnisse
8.1 Zeitschätzung prospektiv - retrospektiv mit Aufgaben
8.2 Zeitschätzung prospektiv - retrospektiv ohne Aufgaben
8.3 Explorativer Teil
8.3.1 Zusammenhang zwischen Schätzung im Konfidenzintervall und tatsächlicher Zeit
9. Diskussion
10. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht die menschliche Fähigkeit, den Zeitbedarf für Aufgaben planvoll einzuschätzen (prospektiv) oder im Rückblick zu bewerten (retrospektiv), unter Berücksichtigung verschiedener kognitiver Beanspruchungsgrade und wirtschaftspsychologischer Rahmenbedingungen.
Subjektive vs. objektive Zeit
Zeit ist unter verschiedenen Aspekten Gegenstand der Physik, der Biologie, Philosophie, Soziologie und neben vielen anderen Disziplinen auch der Psychologie. Die Annahme, daß Menschen die Ereignisfolgen, die wir als Zeitsequenzen erleben, seit jeher in der heute vorherrschenden Weise erlebt hätten, und zwar als einen gleichmäßigen, einförmigen und kontinuierlichen Fluß, steht im Widerspruch zu einigen Tatsachenbeobachtungen aus Vergangenheit und Gegenwart.
Beispielsweise ist Einsteins Korrektur des Newtonschen Zeitbegriffs ein moderner Beweis dafür , daß sich der Begriff der Zeit ändern kann. Einstein machte dabei deutlich, daß die Newtonsche Auffassung der Zeit als eines einheitlichen und einförmigen Kontinuums über das gesamte physikalische Universum nicht haltbar ist. Bei einem Rückblick in die Geschichte auf frühere Stufen der Entwicklung menschlicher Gesellschaften findet man ebenso Belege für entsprechende Wandlungen in der Erfahrung und begrifflichen Erfassung dessen, was wir heute „Zeit“ nennen. In unserem Gebrauch befindet sich der Zeitbegriff auf einem hohen Verallgemeinerungs- und Syntheseniveau und setzt damit ein hohes Wissensniveau über die Methoden des Messens von Zeitsequenzen und über deren Regelmäßigkeiten voraus. Auf einer früheren Stufe, konnten Menschen dieses Wissen nicht haben, was Zeitmaßstäbe wie Bewegungen der Sonne, des Mondes und der Sterne belegen (Elias, 1994).
Für die Psychologie ist die Unterscheidung zwischen objektiver und subjektiver Zeit wichtig.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die psychologische Fähigkeit, Zeitaufwand für Aufgaben korrekt einzuschätzen, und deren Relevanz in Arbeitswelt und Alltag.
2. Zeit in der Psychologie: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene psychologische Zeitbegriffe, physiologische Grundlagen und die Unterscheidung zwischen subjektiver und objektiver Zeit.
3. Die Schätzung der Zeit: Es werden empirische Methoden der Zeitschätzung erläutert sowie die Unterscheidung zwischen prospektiver und retrospektiver Perspektive vorgenommen.
4. Theoretische Modelle der Zeitschätzung: Die zentralen Modelle (Veränderungsmenge, Speicherbedarf, Verarbeitungsaufwand) werden detailliert vorgestellt und kritisch verglichen.
5. Zeit als wirtschaftlicher Faktor: Dieser Abschnitt beleuchtet Zeitmanagement, Entscheidungsfindung und individuelle Unterschiede im Zeitbewusstsein im organisationstheoretischen Kontext.
6. Fragestellungen und Hypothesen: Hier werden die Forschungsfragen und die daraus abgeleiteten Hypothesen für das Laborexperiment präzisiert.
7. Methode: Dieser Teil beschreibt das Design des computergestützten Laborexperiments, das Material und die Stichprobenzusammensetzung.
8. Ergebnisse: Die statistische Auswertung der gesammelten Daten hinsichtlich prospektiver und retrospektiver Zeitschätzung mit und ohne Aufgaben wird präsentiert.
9. Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert, kritisch gewürdigt und in den theoretischen Rahmen eingeordnet.
10. Zusammenfassung: Eine abschließende Synthese der gesamten Arbeit bietet einen Überblick über die wesentlichen Erkenntnisse.
Zeitschätzung, Prospektive Zeitschätzung, Retrospektive Zeitschätzung, Kognitive Beanspruchung, Zeitwahrnehmung, Gedächtnis, Zeitmanagement, Wirtschaftspsychologie, Zeitpersönlichkeit, Informationsverarbeitung, Modell des Speicherbedarfs, Experimentelle Psychologie, Subjektive Zeit, Arbeitszeit, Kognitiver Verarbeitungsaufwand.
Die Diplomarbeit untersucht die menschliche Fähigkeit, den Zeitbedarf für geplante oder abgeschlossene Aufgaben einzuschätzen. Dabei steht im Fokus, wie verschiedene Faktoren wie kognitive Belastung und die zeitliche Perspektive die Genauigkeit der Schätzung beeinflussen.
Die Arbeit verknüpft kognitionspsychologische Grundlagen der Zeitwahrnehmung und Zeitschätzung mit wirtschaftspsychologischen Aspekten wie Zeitmanagement und Entscheidungsfindung in Organisationen.
Das Hauptziel ist es zu prüfen, ob Menschen Aufgaben eher über- oder unterschätzen und ob es systematische Unterschiede zwischen prospektiver (vorausblickender) und retrospektiver (rückblickender) Zeitschätzung gibt.
Die Autorin führt ein computergestütztes Laborexperiment durch, bei dem Probanden verschiedene Aufgaben (Rechnen, Textkorrektur) bearbeiten und dazu Zeitprognosen abgeben bzw. Zeitdauer rückblickend schätzen müssen.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Modelle der Zeitschätzung (z.B. Modell der Veränderungsmenge) detailliert analysiert, gefolgt von einer Untersuchung, wie sich Zeit als wirtschaftlicher Faktor und die individuelle "Zeitpersönlichkeit" auf das Verhalten auswirken.
Zentrale Begriffe sind Zeitschätzung, kognitive Beanspruchung, prospektive/retrospektive Zeitwahrnehmung, Zeitmanagement und die psychologische Modellbildung zur Dauererinnerung.
Das Gedächtnis fungiert als zentrale Instanz für die Rekonstruktion von Zeitdauer. Besonders bei retrospektiven Schätzungen stützt sich das Urteil auf die im Gedächtnis abgelegte Informationsmenge und die Komplexität der verarbeiteten Ereignisse.
Die Studie bestätigt, dass es bei Aufgaben mit kognitivem Aufwand tendenziell zu einer Überschätzung der Zeit kommt, was die Probanden dazu veranlasst, mehr Zeit zu veranschlagen, als tatsächlich für die Bearbeitung benötigt wird.
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