Magisterarbeit, 1997
186 Seiten, Note: 1,75
Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
1. Einleitung
1.1 Aufgabe, Fragestellung und Methode
1.2 Zum Begriff des Konservativismus
1.3 Forschungsstand zum protestantischen Frühkonservativismus
2. Die aufklärerische Theologie
2.1 Die Übergangstheologie und Johann Salomo Semler
2.2 Die Neologie
2.3 Der theologische Rationalismus
2.4 Folgen und Einflüsse der Aufklärung auf das kirchliche Leben
3. Die Goeze-Lessing-Kontroverse (Fragmentenstreit)
4. Die Wöllnersche Religionspolitik und das preußische Religionsedikt
5. Der Emkendorfer Kreis
6. Bedeutende Schriftsteller im Umfeld des Emkendorfer Kreises
6.1 Biographie und politisches Denken von Matthias Claudius
6.2 Biographie, Theologie und politisches Denken Johann Caspar Lavaters
6.3 Biographie, Theologie und politisches Denken Gottfried Menkens
7. Protestantischer Konservativismus während der Französischen Revolution
7.1 Die Einstellungen protestantischer Geistlicher zur Revolution
7.1.1 Johann Ludwig Ewald
7.2 Die Verschwörungstheorie und die Zeitschrift „Eudämonia“
7.3 Johann Heinrich Jung-Stilling und die Französischen Revolution, dargestellt unter Berücksichtigung seiner politischen Utopie
7.4 Die Haltung der Deutschen Christentumsgesellschaft zur Revolution
8. Schlußbemerkungen
Die Arbeit untersucht den protestantischen Frühkonservativismus in Deutschland in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als eine Reaktion auf die Aufklärung und die Französische Revolution. Im Fokus steht die Frage, inwieweit christliche Glaubensinhalte, theologische Positionen und konservative politische Grundhaltungen bei protestantischen Theologen und Denkern in dieser Zeit miteinander korrespondierten und wie diese Akteure auf die politischen Erschütterungen reagierten.
Die Wöllnersche Religionspolitik und das preußische Religionsedikt
Das Fortschreiten der Aufklärung auf theologischem Gebiet nötigte sowohl pietistische und orthodoxe als auch mystisch-okkulte Strömungen, die damals ebenfalls eine Blütezeit erlebten, zur Reaktion, welche sich in mehreren deutschen Staaten in antiaufklärerischen Religionsedikten (zuerst in Kursachsen 1766, dann in Württemberg 1780) manifestierte. Der bekannteste religiös-politische Konflikt im Deutschland des 18. Jahrhunderts wurde jedoch durch das Wöllnersche Religionsedikt, abgekürzt WRE (im Originaltitel: „Edict, die Religions-Verfassung in den preußischen Staaten betreffend“), vom 09. Juli 1788 hervorgerufen. König Friedrich Wilhelm II. von Preußen (1744-1797), ein Neffe Friedrichs des Großen, der nach dessen Tod die preußische Thronfolge übernahm, in dessen Regierungszeit (1786-1797) politische Erfolge wie die Fertigstellung des Allgemeinen Landrechts und die zweite und dritte polnische Teilung, aber auch Niederlagen wie der erste Koalitionskrieg gegen Frankreich sowie die Französische Revolution als solche zu verzeichnen waren, der beim Volk zunächst aufgrund seines freundlichen Wesens und seiner Gutmütigkeit sehr beliebt war, dessen Sinnlichkeit, welche in zwei unglücklichen Ehen und zwei „Ehen zur linken Hand“ mit Mätressen (für deren Führung das Oberkonsistorium ihm die theologischen Gutachten liefern mußte) zum Ausdruck kam, allerdings nicht auf allgemeines Wohlwollen stießen, hatte sich, selbst aufgrund seiner 1781 begonnenen Mitgliedschaft im Rosenkreuzerorden einer entschieden christlich-theosophischen Weltanschauung verpflichtet, zum reaktionären Einschreiten entschlossen, nachdem sein Land 50 Jahre lang eine Hochburg der Aufklärung gewesen war.
1. Einleitung: Definiert das Thema, die Fragestellung und die methodische Herangehensweise an den protestantischen Frühkonservativismus.
2. Die aufklärerische Theologie: Analysiert die theologische Strömungen der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und ihren Einfluss auf das kirchliche Leben.
3. Die Goeze-Lessing-Kontroverse (Fragmentenstreit): Beleuchtet den berühmten Streit um das Verhältnis von Offenbarung und Vernunft.
4. Die Wöllnersche Religionspolitik und das preußische Religionsedikt: Untersucht die staatlichen Maßnahmen gegen die Aufklärung in Preußen.
5. Der Emkendorfer Kreis: Porträtiert den konservativen Kreis um Friedrich von Reventlow.
6. Bedeutende Schriftsteller im Umfeld des Emkendorfer Kreises: Biographische und ideelle Skizzen zu Matthias Claudius, Johann Caspar Lavater und Gottfried Menken.
7. Protestantischer Konservativismus während der Französischen Revolution: Analysiert die konservative Reaktion der Theologen und Organisationen auf die Revolutionsereignisse.
8. Schlußbemerkungen: Fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bewertet die Kontinuität konservativen Denkens.
Frühkonservativismus, Aufklärungstheologie, Französische Revolution, Protestantismus, Wöllnersches Religionsedikt, Emkendorfer Kreis, Matthias Claudius, Johann Caspar Lavater, Johann Heinrich Jung-Stilling, Fragmentenstreit, Gottlosigkeit, christlicher Fundamentalismus, Staat und Kirche, Religion und Politik, Gehorsam
Die Magisterarbeit untersucht die Anfänge und Ausprägungen des protestantischen Frühkonservativismus in Deutschland in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Die Arbeit behandelt das Spannungsfeld zwischen Theologie und Politik, insbesondere die Ablehnung aufklärerischer Theologie und die konservative Reaktion auf die Herausforderungen durch die Französische Revolution.
Ziel ist es, die ideengeschichtliche Genese konservativer Denkmuster innerhalb des Protestantismus zu erforschen und dabei die Rolle prominenter Persönlichkeiten und Kreise zu analysieren.
Es handelt sich um einen personen-, ideen-, kirchen- und theologiegeschichtlichen Beitrag, der sich auf eine breite Auswertung zeitgenössischer Primär- und Sekundärliteratur stützt.
Der Hauptteil erstreckt sich von der Analyse der aufklärerischen Theologie über den Fragmentenstreit und die preußische Religionspolitik bis hin zur detaillierten Untersuchung des Emkendorfer Kreises und der konservativen Reaktion auf die Französische Revolution.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Frühkonservativismus, Aufklärung, Offenbarungsglaube, monarchischer Absolutismus und christliche Ordnung definieren.
Jung-Stilling wird als „Patriarch der Erweckung“ und als Vertreter eines konservativen, apokalyptisch geprägten Weltbildes detailliert beleuchtet, insbesondere im Kontext seiner Reaktionen auf die Französische Revolution.
Die Zeitschrift „Eudämonia“ diente als zentrales Publikationsorgan für die antirevolutionäre und verschwörungstheoretische Publizistik und ist somit eine wichtige Quelle für das konservative Denken der Zeit.
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