Diplomarbeit, 2006
127 Seiten, Note: 2+
1 Einleitung
2 Das Frankfurter Institut für Sozialforschung
2.1 Die Gründung des Instituts
2.2 Der Beginn der Horkheimerschen Ägide am Institut
2.3 Die Flucht
3 Die Entwicklung der Kritischen Theorie der Gesellschaft und die Bedeutung des Autoritarismus als Gegenstand
3.1 Die frühe Kritische Theorie
3.2 ‚Interdisziplinärer Materialismus’
Exkurs I: ‚Elemente des Antisemitismus’
3.3 Auschwitz als Zäsur für die Kritische Theorie
4 Die Integration der Psychoanalyse in die Kritische Theorie der Gesellschaft
4.1 Die Notwendigkeit der Psychoanalyse zur Erklärung der Gesellschaft
4.2 Genese einer analytischen Sozialpsychologie
Exkurs II: Grundbegriffe der Psychoanalyse
Das topographische Modell
Das Instanzenmodell
Triebtheorie
Infantile Sexualität
Charakterstruktur
5 Die empirischen Untersuchungen über Autorität
5.1 Die Arbeiter- und Angestellten- Enquête
5.2 ‚Studien über Autorität und Familie’
5.3 ‚Studies in Prejudice’
5.3.1 ‚Falsche Propheten’
5.3.2 Die autoritäre Persönlichkeit
5.3.2.1 Die Fragestellung und Ziele
5.3.2.2 Das Vorgehen
5.3.2.3 Die F-Skala
6 Die Psychopathologie und Subjektgenese des autoritären Charakters
6.1 Ich-Schwäche
6.2 Gesellschaftliche Ohnmacht und narzisstische Kränkung
6.3 Pathische Projektion
6.4 ‚Die Psychologie der falschen Beschuldigung’
6.5 Ambivalente Gefühle gegenüber den Autoritäten
6.6 Cui Bono. Funktion und Wirkung antisemitischer Stereotypie
6.7 Die Massenbildung
6.8 Die Rolle des Führers und antisemitische Propaganda
7 Autoritarismus in der Kritischen Theorie nach 1945
7.1 Der Zusammenbruch des Dritten Reichs und die Folgen für den Autoritarismus und Antisemitismus
Exkurs III: Lügendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland
7.2 Das ‚Gruppenexperiment’
7.2.1 Ergebnisse der Studie
7.2.2 Reaktionen auf die Schuldfrage
7.2.3 Abwehr der Erinnerung
8 Überblick über Kritische Stimmen zur Autoritarismusforschung der Kritischen Theorie
9 Zur Aktualität des Autoritarismus
9.1 Zur Kontinuität des ‚autoritären Charakters’ im Spätkapitalismus
9.1.1 Wandel der Familienstruktur – die ‚Entväterlichung’ der Gesellschaft und ihre Folgen
9.1.2 Die Zerstörung des Individuums und der ‚neue Typus’ des autoritären Charakters
9.1.3 Die Unfähigkeit zur Reflexion
9.1.4 Dialektik des Ichs
9.1.5 Die ‚Dialektik des Ichs’ und ihre gesellschaftliche Verwobenheit
Exkurs IV ‚Sekundärer Antisemitismus’
9.2 Ausdrucksweisen des Antisemitismus in der Gegenwart als Indikator der Aktualität des ‚autoritären Charakters’
9.2.1 Antizionismus – der Antisemitismus von links
9.2.1.1 Antisemitische Elemente im anti-imperialistischen Weltbild
9.2.1.2 Antizionismus als spezielle Form des Anti-Imperialismus
9.2.1.3 Antizionismus und ‚sekundärer Antisemitismus’
9.2.2 Die Auseinandersetzungen über Antisemitismus und Geschichte in der politischen Kultur der Bundesrepublik
9.2.2.1 Die ‚Goldhagen-Debatte’ und Schuldabwehr im wiedervereinigten Deutschland
9.2.2.2 Die ‚Walser-Bubis-Debatte’
9.2.2.3 Die Möllemann-Affäre
9.2.2.4 Der Skandal um Martin Hohmann
10 Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Autoritarismus im Umfeld der „Frankfurter Schule“ und dessen inneren Zusammenhang mit dem Antisemitismus. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich autoritäre Verhaltensweisen nicht zufällig entwickeln, sondern in objektiven gesellschaftlichen Prozessen verwurzelt sind, und wie diese bis heute eine permanente Gefahr darstellen.
Die Psychologie der falschen Beschuldigung
Ernst Simmel weist darauf hin, dass die Projektion, also eine Rationalisierung aggressiver Triebe, eine vorbereitende Funktion für antisemitische Gewalt hat:
Den Massakern an den Juden ging stets eine Hetzkampagne voraus, in der die Juden eben jener Verbrechen bezichtigt wurden, die der Antisemit zu begehen im Begriffe stand. Bevor der Massenmensch die Juden ausraubt, ihre religiösen Symbole zerstört, ihre Körper verstümmelt und ihre Frauen vergewaltigt, beschuldigt er die Juden eben dieser Grausamkeiten (Simmel 1993, S. 74).
Was den Juden konkret vorgeworfen ist hierbei nicht sehr wichtig, auch wie realistisch die Anschuldigungen sind, spielt kaum eine Rolle, vielmehr ist es das psychologisch geschickte Anknüpfen antisemitischer Propaganda an das Unbewusste des Einzelnen, was dem Antisemitismus zum Ausbruch verhilft (vgl. Adorno 1951, S. 34 ff.). Auch Simmel betont, dass sich der Antisemit über den konkreten Inhalt der Anschuldigungen kaum Gedanken macht, „solange sie seinem Bedürfnis nach Aggressionsabfuhr dienen“ (Simmel 1993, S. 75).
1 Einleitung: Einführung in das Thema Autoritarismus und Antisemitismus sowie Darlegung der Forschungsabsicht, diese im Rahmen einer kritischen Gesellschaftstheorie zu betrachten.
2 Das Frankfurter Institut für Sozialforschung: Darstellung der Gründungsgeschichte, der Ägide von Horkheimer und der erzwungenen Flucht des Instituts vor den Nazis.
3 Die Entwicklung der Kritischen Theorie der Gesellschaft und die Bedeutung des Autoritarismus als Gegenstand: Erörterung der Grundlagen der Kritischen Theorie und deren Reaktion auf die Zäsur durch Auschwitz.
4 Die Integration der Psychoanalyse in die Kritische Theorie der Gesellschaft: Analyse der theoretischen Einbindung von Freud in den Marxismus, um irrationale gesellschaftliche Bindungen zu verstehen.
5 Die empirischen Untersuchungen über Autorität: Vorstellung zentraler Forschungsprojekte wie der Arbeiter- und Angestellten-Enquête und der „Studies in Prejudice“.
6 Die Psychopathologie und Subjektgenese des autoritären Charakters: Untersuchung von Mechanismen wie Ich-Schwäche, pathischer Projektion und narzisstischer Kränkung.
7 Autoritarismus in der Kritischen Theorie nach 1945: Diskussion der Folgen des Zusammenbruchs des NS-Regimes und des „Gruppenexperiments“ zur Schuldabwehr.
8 Überblick über Kritische Stimmen zur Autoritarismusforschung der Kritischen Theorie: Auseinandersetzung mit der Rezeption der Studien und den Kritikpunkten an den empirischen Arbeiten.
9 Zur Aktualität des Autoritarismus: Analyse der Kontinuität autoritärer Strukturen im Spätkapitalismus und heutiger Formen wie dem Antisemitismus von links.
10 Schluss: Resümee über die fortdauernde Bedeutung der Kritischen Theorie für das Verständnis aktueller gesellschaftlicher Barbarei-Tendenzen.
Autoritarismus, Kritische Theorie, Antisemitismus, Psychoanalyse, Frankfurter Schule, autoritärer Charakter, gesellschaftliche Ohnmacht, Projektion, NS-Vergangenheit, Schuldabwehr, Spätkapitalismus, Ideologiekritik, Nazismus, Faschismus, gesellschaftliche Totalität.
Die Arbeit untersucht die empirischen und theoretischen Arbeiten der „Frankfurter Schule“ zur Entstehung und Persistenz autoritärer Charaktere und deren engen Zusammenhang mit Antisemitismus.
Im Zentrum stehen die Verbindung von Psychoanalyse und Gesellschaftstheorie, die Analyse faschistischer Tendenzen nach 1945 sowie die Untersuchung der „sekundären Antisemitismus“-Phänomene in der deutschen Nachkriegsgesellschaft.
Ziel ist es aufzuzeigen, dass autoritäre Verhaltensweisen keine historischen Ausnahmen sind, sondern tief in der spätkapitalistischen Gesellschaft verwurzelt bleiben, was eine ständige kritische Analyse erfordert.
Der Autor nutzt vor allem die Methode der Ideologiekritik sowie eine tiefgehende Literatur- und Sekundäranalyse der Studien des Frankfurter Instituts für Sozialforschung.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Interdisziplinarität, die Darstellung empirischer Autoritarismusstudien (F-Skala etc.) sowie die Untersuchung psychopathologischer Mechanismen wie Ich-Schwäche und Projektion.
Begriffe wie „autoritärer Charakter“, „sekundärer Antisemitismus“, „pathische Projektion“ und „Ich-Schwäche“ bilden das theoretische Fundament der Analyse.
Der sekundäre Antisemitismus wird als Form der Schuldabwehr nach 1945 definiert, bei der die Shoa-Opfer (oder Israel) zu Sündenböcken gemacht werden, um ein ungestörtes positives deutsches Selbstbild aufrechtzuerhalten.
Dieses Konzept erläutert, wie Antisemiten ihre eigenen destruktiven Impulse auf Juden projizieren, um sich moralisch zu entlasten, was eine rationale Auseinandersetzung mit ihnen erschwert.
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