Diplomarbeit, 2006
64 Seiten, Note: 1,7
1 Einführung und Überblick
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Zur Einführung in das Verhältnis von Kundenwert und Unternehmensethik
3 Grundlagen des wertorientierten Kundenmanagements
3.1 Definition des wertorientierten Kundenmanagements
3.2 Der Kundenwert im Rahmen des wertorientierten Kundenmanagements
3.2.1 Definition des Kundenwerts
3.2.2 Bausteine des Kundenwerts aus Sicht des Unternehmens
3.3 Differenzierte Kundenbearbeitung im Rahmen des wertorientierten Kundenmanagements
3.3.1 Differenzierte Kundenbevorzugung
3.3.2 Differenzierte Kundenausgrenzung
3.4 Equity-Theory und Anreiz-Beitrags-Theorie
4 Grundzüge der Unternehmensethik
4.1 Definition der Unternehmensethik
4.2 Ansätze einer Unternehmensethik
4.2.1 Ökonomische Unternehmensethik nach Homann
4.2.2 Korrektive Unternehmensethik nach Steinmann
4.2.3 Integrative Unternehmensethik nach Ulrich
4.3 Kritische Betrachtung der Konzepte
5 Ethische Überlegungen im Kontext eines wertorientierten Kundenmanagements
5.1 Übertragung unternehmensethischer Überlegungen auf das wertorientierte Kundenmanagement
5.2 Versuch einer Synthese der Equity-Theory mit den Ansätzen der Unternehmensethik unter Einbeziehung ethisch-normativer und rechtlicher Werte
5.2.1 Einführung eines Entscheidungsmodells für das wertorientierte Kundenmanagement
5.2.2 Erste Ebene: Tauschgerechtigkeit
5.2.3 Zweite Ebene: Rechtliche Zulässigkeit
5.2.4 Dritte Ebene: Ethische Vertretbarkeit
5.2.5 Vierte Ebene: Dialog
5.2.6 Modellerprobung
5.2.6.1 Deutsche Bahn
5.2.6.2 Deutsche Post
5.2.6.3 Maschinenbau
5.2.6.4 Novartis
6 Abschlussbetrachtung und Ausblick
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Instrumente und Konsequenzen eines wertorientierten Kundenmanagements einer ethischen Betrachtung zu unterziehen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwieweit Unternehmen ihre Kunden aufgrund unterschiedlicher Wertbeiträge differenziert behandeln oder gar ausgrenzen dürfen, ohne dabei gegen ethische Werte und rechtliche Normen zu verstoßen, und entwickelt hierfür ein ethisch legitimes Entscheidungsmodell.
3.3.2 Differenzierte Kundenausgrenzung
Tomczak/Reinecke/Finsterwalder verstehen unter dem Begriff der Kundenausgrenzung den „…intendierten oder unintendierten Ausschluß eines potentiellen, aktuellen oder ehemaligen Kunden von Leistungen, die vom jeweiligen Unternehmen angeboten werden“49. Demnach steht das Verhalten des Anbieters und nicht eine Abwanderung seitens des Kunden im Vordergrund der Betrachtung. Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich hauptsächlich auf den intendierten, bewussten Ausschluss aktueller Kunden vom Leistungsangebot des Anbieters.50
Der Prozess der Kundenausgrenzung seitens des Anbieters lässt sich nach Tomczak/Reinecke/Finsterwalder in vier Phasen unterteilen: Zunächst erfolgt eine Bewertung der Kunden anhand ökonomischer und nicht-ökonomischer Bestimmungsfaktoren51 (Phase 1). Der ermittelte Kundenwert stellt nun die Grundlage für die Kundenselektion, insbesondere für die Entscheidung, welche Kunden auszugrenzen sind (Phase 2), dar. In Phase 3 beziehungsweise 4 werden anschließend Strategien und Maßnahmen zur Ausgrenzung unprofitabler Kunden formuliert. Diese sollen im Folgenden näher betrachtet werden.
Geringe beziehungsweise negative Wertbeiträge des Kunden vorausgesetzt, hat das Unternehmen grundsätzlich zwei Strategien, die sich anhand des Grades der Ausgrenzung unterscheiden lassen. Man spricht hier von der Teilausgrenzung und der Totalausgrenzung (Phase 3).
Eine Teilausgrenzung52 liegt dann vor, wenn der Kunde zwar im Kundenstamm des Unternehmens bleibt, ihm aber nur noch ein reduziertes Leistungsspektrum zur Verfügung steht. Der Anbieter hat dabei die Möglichkeit eine aktive oder passive Teilausgrenzung vorzunehmen. Aktiv bedeutet, dass er einzelne Bestandteile der Geschäftsbeziehung kündigt (beispielsweise im Fall einer Bank die Kündigung eines bestimmten Kredits), wobei andere Elemente unverändert bleiben (beispielsweise die Führung eines Girokontos). Die passive Teilausgrenzung umfasst den Verzicht in der Vergangenheit aktiv angebotener Leistungen in Zukunft erneut zu offerieren.
1 Einführung und Überblick: Das Kapitel erläutert die zunehmende Fokussierung auf wertorientiertes Kundenmanagement unter Wettbewerbsdruck und definiert das Ziel, ethische Implikationen dieses Ansatzes zu untersuchen.
2 Zur Einführung in das Verhältnis von Kundenwert und Unternehmensethik: Dieses Kapitel stellt das Spannungsfeld zwischen dem ökonomischen Gewinnprinzip und gesellschaftlichen Forderungen nach ethischem Handeln anhand von Praxisbeispielen dar.
3 Grundlagen des wertorientierten Kundenmanagements: Hier werden Definitionen zum Kundenwert und Methoden der differenzierten Kundenbearbeitung sowie theoretische Grundlagen wie die Equity-Theory eingeführt.
4 Grundzüge der Unternehmensethik: Dieses Kapitel stellt die Ansätze von Homann, Steinmann und Ulrich vor und reflektiert deren Konzepte kritisch im Hinblick auf ihre Anwendbarkeit.
5 Ethische Überlegungen im Kontext eines wertorientierten Kundenmanagements: Der Hauptteil führt eine Synthese aus Tauschgerechtigkeit und Ethik durch und entwickelt ein Entscheidungsmodell, das anhand der Beispiele Deutsche Bahn, Deutsche Post, Maschinenbau und Novartis erprobt wird.
6 Abschlussbetrachtung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und zeigt auf, dass ein ethisch legitimes Kundenmanagement neben ökonomischer Legalität auch eine ethische Begründung auf verschiedenen Ebenen erfordert.
Kundenwert, Unternehmensethik, wertorientiertes Kundenmanagement, Kundenbevorzugung, Kundenausgrenzung, Equity-Theory, Anreiz-Beitrags-Theorie, Tauschgerechtigkeit, Gewinnprinzip, soziale Verantwortung, Entscheidungsmodell, Marktbearbeitung, Kundenbeziehungen, Legitimationsdruck, Sozialverträglichkeit
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen einem rein gewinnorientierten Kundenmanagement und ethischen sowie rechtlichen Anforderungen an das unternehmerische Handeln.
Zentral sind der wertorientierte Kundenansatz, die Unternehmensethik, die Methoden der Kundenbevorzugung und -ausgrenzung sowie deren ethische Bewertung.
Ziel ist die Entwicklung eines Entscheidungsmodells, das es Unternehmen ermöglicht, Kunden nach ihrem Wertbeitrag zu behandeln, während gleichzeitig die ethische Legitimität und soziale Verträglichkeit gewahrt bleiben.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung durch verschiedene ethische Ansätze und die Equity-Theory, kombiniert mit einer explorativen Analyse und der Entwicklung eines Anwendungsmodells, welches an Praxisbeispielen erprobt wird.
Im Hauptteil werden theoretische Konzepte der Kundenbearbeitung, wichtige Ansätze der Unternehmensethik und deren Integration in ein Entscheidungsmodell sowie die praktische Erprobung dieses Modells behandelt.
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Kundenwert, Unternehmensethik, Tauschgerechtigkeit, Kundenausgrenzung und ethische Legitimität charakterisiert.
Während die Bevorzugung darauf abzielt, wertvolle Kunden durch gezielten Einsatz des Marketing-Mix stärker an das Unternehmen zu binden, zielt die Ausgrenzung darauf ab, bei unprofitablen Kunden die Kosten zu senken oder die Geschäftsbeziehung aktiv zu beenden.
Die Equity-Theory dient als theoretischer Prüfstein, um zu bestimmen, ob das Verhältnis von Beiträgen und Anreizen zwischen Kunde und Unternehmen als gerecht empfunden werden kann, was die Basis für eine ungleiche Kundenbehandlung bildet.
Novartis verdeutlicht, dass bei lebenswichtigen Gütern wie Medikamenten eine rein ökonomische Tauschgerechtigkeit an ihre Grenzen stößt und eine weitergehende ethische Mitverantwortung über den reinen Kundenwert hinaus erforderlich ist.
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