Examensarbeit, 2006
118 Seiten, Note: sehr gut (1,00)
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlegung in „gemütlicher“ Runde: Ein Versuch über das „serapiontische“ Prinzip
2.1 Der analytische Blick auf die Erzählungen „Der Einsiedler Serapion“ und „Rat Krespel“ oder Zur Entwicklung eines Erzählprinzips
2.1.1 „Der Einsiedler Serapion“. Ein auf die innere Schau beschränkter Poet
2.1.2 „Rat Krespel“. Von der Duplizität des Daseins und dem Geheimnis der Kunst
2.1.3 Das Fundament oder Die Vorbedingungen „serapiontischen“ Erzählens: Vom wirklichen Schauen, von der Duplizität des Daseins und vom ordnenden Verstand
2.2 Niemals schlechtes Machwerk: Poetologische Merkmale „serapiontischen“ Erzählens
2.2.1 Durch feine Fäden fest zusammengehalten. Zur Integration in der „serapiontischen“ Erzählung
2.2.2 Lebendigkeit oder Über das „Ins-Leben-Treten“
2.2.3 Mystifikation: Was der „historische Besen“ für den geneigten Leser übrig lässt
2.2.4 Das Prädikat „serapiontisch“ – Zur komplexen Poetik der Serapionsbrüder
2.3 Exkurs: Ironie und Humor – Dualismus und Duplizität
3 Zur Umsetzung des „serapiontischen“ Prinzips in drei ausgewählten Erzählungen aus den „Serapionsbrüdern“
3.1 „Doge und Dogaresse“
3.1.1 Text und Bild – Die Erzählung eines Gemäldes
3.1.2 Das „redende Gespenst aus der Vorzeit“
3.1.3 Annunziata, Antonio und der Doge – Ikonographie und Karikatur
3.1.4 Zu Margaretha… diesem „seltsamen Bettelweib“
3.1.5 Über das „eigensinnig tolle Ding“
3.1.6 Kolbes Gemälde „tritt ins Leben“
3.1.7 Vom retardierenden Moment zur Katastrophe
3.1.8 Die Auflösung der Perspektive – Verlust des Zentrums?
3.1.9 Eine „serapiontische“ Bild-Interpretation
3.2 „Das fremde Kind“
3.2.1 „Es war einmal“…
3.2.2 Der „große hagere Mann“ aus der Stadt
3.2.3 Thaddäus von Brakel: „Lasse die Kinder nur gewähren“
3.2.4 Herrmann und Adelgunde als „kleine Roboter des Wissens“
3.2.5 Wider das steife Zeremoniell von Onkel und Tante. Felix und Christlieb
3.2.6 Pepasilio – Gnomenkönig Pepser – Magister Tinte. Wenn ein „serapiontischer“ Hofmeister „ins Leben tritt“…
3.2.7 Über das „seltsame Wunderkind“
3.2.8 Dramaturgie und Uneindeutigkeit
3.2.9 Der Wald als „fester Kern“
3.3 „Der Zusammenhang der Dinge“
3.3.1 „medias in res“ – Zwei Freunde und zwei Thesen
3.3.2 Der „wahre Ausbund von Bildung“ mit seinem „kurzen Gesicht“
3.3.3 Von den „Torheiten“ der Gesellschaft
3.3.4 Euchar – Edgar
3.3.5 Emanuela und der Talisman – Euchars „Angelegenheit“
3.3.6 Über die Präsidentin
3.3.7 Ein doppelter „Zusammenhang der Dinge“
3.3.8 Literatur und Wirklichkeit – wen man so Edgar nennt…
3.3.9 Der „über uns, in uns waltende höhere Geist“
4 Schluss
Die Arbeit untersucht das „serapiontische“ Prinzip E.T.A. Hoffmanns, um eine fundierte Poetik des Erzählens zu entwickeln und deren Umsetzung in drei ausgewählten Erzählungen aus den „Serapionsbrüdern“ zu analysieren.
2.1.2 „Rat Krespel“. Von der Duplizität des Daseins und dem Geheimnis der Kunst
Theodor führt mit dem Rat Krespel einen kunstaffinen „gelehrte[n] und gewandte[n] Jurist[en]“ (S. 39) vor, der – nach Stefan Ringel – „[…] unter dem Dualismus zwischen den Erscheinungen in seinem Innern und den Gegebenheiten der Außenwelt (leidet)“. Hiermit charakterisiert Ringel die Situation meines Erachtens jedoch nicht hinreichend genau. Das Problem liegt dabei in der undifferenzierten Verwendung der Begriffe „Dualismus“ und „Duplizität“, wie sie in der Hoffmann-Forschung immer wieder zu bemerken ist. Klaus Deterding plädiert zu Recht wiederholt für den differenzierten Begriffsgebrauch.
In Annäherung an die Handlungsmotivation des Rates sei zunächst nun die aufschlussreiche Schilderung seines Hausbaus genauer besehen. Krespel entwickelt die Idee des Ganzen in seinem Geist und verzichtet dabei auf jeglichen „Bauriß“ (S. 40), einen vorweisbaren äußeren Plan gibt es nicht. Freilich ist der Baumeister hierüber verwundert und erachtet das Vorhaben als „unsinnigen Bau“ (S. 41) – schließlich bleibt ihm (wie allen anderen) Krespels innere Konzeption verborgen. So wird der Erwartungshorizont der Handwerker und Zuschauer kontinuierlich durchbrochen; beispielsweise, wenn „wieder ein neues Fenster entstand, da wo man es gar nicht vermutet hatte“ (ebd.). Gleichwohl sprechen die sorgfältige Vorbereitung der Baumaterialien sowie die äußerste Präzision der Anweisungen des Rates allemal gegen ein bloß willkürliches Unternehmen.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Forschungsdiskussion um das „serapiontische“ Prinzip und begründet die Notwendigkeit, dieses anhand der Erzählungen „Der Einsiedler Serapion“ und „Rat Krespel“ neu zu systematisieren.
2 Theoretische Grundlegung in „gemütlicher“ Runde: Ein Versuch über das „serapiontische“ Prinzip: Dieses Kapitel erarbeitet die Grundlagen des Prinzips durch eine Analyse der poetologischen Erzählungen und definiert zentrale Begriffe wie Duplizität, Lebendigkeit, Integration und Mystifikation.
3 Zur Umsetzung des „serapiontischen“ Prinzips in drei ausgewählten Erzählungen aus den „Serapionsbrüdern“: Hier erfolgt die praktische Anwendung der entwickelten Theorie auf die Erzählungen „Doge und Dogaresse“, „Das fremde Kind“ und „Der Zusammenhang der Dinge“ zur Demonstration ihrer poetologischen Komplexität.
4 Schluss: Das Schlusskapitel resümiert die Ergebnisse, bestätigt die poetologische Relevanz des „serapiontischen“ Prinzips und regt weitere Untersuchungen für das Gesamtwerk Hoffmanns an.
E.T.A. Hoffmann, Serapionsbrüder, serapiontisches Prinzip, Duplizität des Daseins, Poetik, Integration, Lebendigkeit, Mystifikation, Fantasie, Realität, Wahn, Vernunft, Erzählstruktur, Rat Krespel, Doge und Dogaresse
Die Arbeit analysiert das literarische Konzept des „serapiontischen“ Prinzips im Erzählzyklus „Die Serapionsbrüder“ von E.T.A. Hoffmann.
Im Zentrum stehen die poetologischen Aspekte des Erzählens, insbesondere das Zusammenspiel von Integration, Lebendigkeit und Mystifikation.
Ziel ist es, eine differenzierte Poetik des „serapiontischen“ Erzählens zu entwickeln, die über oberflächliche Interpretationen hinausgeht und die Komplexität von Hoffmanns Erzählkunst aufzeigt.
Die Arbeit nutzt eine philologische Textanalyse der poetologischen Erzählungen und Unterhaltungen im Rahmenzyklus, ergänzt durch einen kritischen Diskurs mit der Forschungsliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung und eine detaillierte Anwendung auf drei konkrete Erzählungen („Doge und Dogaresse“, „Das fremde Kind“, „Der Zusammenhang der Dinge“).
Die wichtigsten Begriffe sind das „serapiontische“ Prinzip, die Duplizität des Daseins, die Verschlingung von Außen- und Innenwelt sowie der „feste Kern“ einer Erzählung.
Der Wahnsinn, insbesondere bei den Figuren Einsiedler Serapion und Rat Krespel, wird als Auseinandersetzung zwischen Realität und Fantasie interpretiert, die jedoch durch den Verstand moderiert werden muss.
Das Gemälde fungiert als „serapiontischer“ Hebel, der Text und Bild eng verknüpft und die Fantasie des Rezipienten zur Auseinandersetzung mit der Geschichte und dem Dargestellten anregt.
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