Bachelorarbeit, 2006
52 Seiten, Note: 1,0
1. Vorbemerkungen
2. „Unerwartete Rückkehr“ – Close Reading
I
II
III
IV
V
VI
VII
VIII
IX
X
3. Zentrale Motive
3.1 Identität
3.2 Bilder
3.3 Beobachtung
3.4 „Sie alle: ein Bündel Schiefgegangenes“
3.5 Rückkehr in die Vergangenheit
3.6 Und die Liebe?
4. Abschließende Bemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Theaterstück „Unerwartete Rückkehr“ von Botho Strauß durch eine zweistufige methodische Vorgehensweise: Zunächst erfolgt eine subjektiv-assoziative Analyse in Form eines Close Readings, die anschließend durch eine fachwissenschaftliche Einordnung der zentralen Motive und Themen sowie durch die Hinzuziehung von Roland Barthes’ „Fragmente einer Sprache der Liebe“ theoretisch untermauert und reflektiert wird.
I
In der ersten Szene des Textes wird der Leser an eine Berghöhe in den Schweizer Alpen geführt: „Aussichtspunkt auf halber Berghöhe“ Berge vermitteln oftmals den Eindruck von Abgeschiedenheit, Abgrenzung von einer Außenwelt.
Der Mann, von dem wir in Verlauf des Stückes erfahren werden, dass es sich um Stefan Kauntzsch, einen 62-jährigen ehemaligen Verwaltungsangestellten eines staatlichen Museums handelt, sitzt auf einer Bank sieht durch ein Fernglas in das vor ihm befindliche Tal. Er rastet auf „halber Berghöhe“ und hat damit sowohl die Möglichkeit des Aufstiegs auf den Gipfel, als auch des Abstiegs in das Tal. Momentan scheint er jedoch die Aussicht von der Plattform zu genießen. Von jener aus wird ihm der Blick von einer erhöhten Position in eine möglicherweise abgeschlossene Lebenswelt ermöglicht. Er befindet sich in einer Beobachterrolle.
Dieser Eindruck wird von dem von ihm benutzten Fernglas verstärkt. Durch das Fernglas kann der Mann etwas aus weiter Ferne betrachten, ohne dass er in das Beobachtete verwickelt wird, aber auch ohne dass der, das oder die Observierte den Beobachtenden bemerkt. Er sitzt bequem auf einer Bank, um zu sehen, was im Tal vor sich geht. Das Fernglas könnte hier zudem auf einen subjektiven, verengten Blickwinkel des Mannes verweisen: Mit einem Fernglas ist nur ein Bildausschnitt zu sehen, lediglich ein Fragment der Realität. Nur das, worauf das Fernglas gerichtet wird, hat in diesem Moment Bedeutung.
1. Vorbemerkungen: Einleitung in die Themenstellung, die methodische Vorgehensweise des Close Readings und die Einbindung von Roland Barthes als theoretische Referenz.
2. „Unerwartete Rückkehr“ – Close Reading: Szenische Analyse der Entwicklung der vier Hauptfiguren und ihrer wechselseitigen Beziehungsdynamiken.
3. Zentrale Motive: Vertiefende Untersuchung der Schlüsselmotive Identität, Bildhaftigkeit, Beobachtung, gesellschaftliche Desintegration, Vergangenheit und Liebe.
4. Abschließende Bemerkungen: Zusammenfassende Einordnung des Stücks in das Werk von Botho Strauß und Reflexion über den fragmentarischen Charakter der dramatischen Konstruktion.
Botho Strauß, Unerwartete Rückkehr, Close Reading, Identität, Motiv, Roland Barthes, Liebe, Voyeurismus, Vergangenheit, Fragment, Theater, Rache, Beziehungsdynamik, Existenz, Kommunikation
Die Arbeit analysiert das Theaterstück „Unerwartete Rückkehr“ von Botho Strauß, um durch eine Close-Reading-Methodik und motivgeschichtliche Untersuchung das Beziehungsgeflecht und die Identitätssuche der vier Protagonisten zu erschließen.
Im Zentrum stehen die Konzepte von Identität in Abhängigkeit, die Rolle von Beobachtung und voyeuristischem Verhalten, die Bedeutung von Erinnerungsbildern sowie die Problematik der Liebe in einer modernen, als fragmentiert empfundenen Welt.
Das Ziel ist es, den assoziativen Leseprozess des Theaterstücks transparent zu machen und durch eine wissenschaftliche Analyse zu untermauern, wie die Figuren versuchen, sich selbst durch Projektionen und Rollenzuschreibungen zu definieren.
Die Arbeit nutzt die Methode des Close Readings für eine erste, subjektiv-assoziative Erschließung des Textes, die anschließend durch die Einbeziehung der Forschungsliteratur sowie der Theorie von Roland Barthes („Fragmente einer Sprache der Liebe“) systematisch verdichtet wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte szenische Analyse, gefolgt von einer systematischen Erörterung zentraler Motive, die unter anderem auf die krisenhafte Kommunikation und das Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart fokussiert.
Wichtige Begriffe sind unter anderem „Fragmente“, „Projektion“, „Stereotyp“, „Rollenkonformität“ sowie die spezifische Straußsche Ästhetik des „offenen Dramas“.
Das Fernglas dient als zentrales Symbol für die Beobachterrolle und den Voyeurismus des Protagonisten Stefan, der dadurch die Distanz zu seiner Umgebung wahrt und gleichzeitig ein subjektiv verengtes Bild der Realität konstruiert.
Die Autorin interpretiert ihr Handeln am Ende als einen verzweifelten Versuch der Selbstrestauration und eine Flucht aus der emotionalen „Verkrustung“, die letztlich jedoch an der Realität scheitert.
Die erwähnte Abtreibung wird als gravierendes Ereignis der Vergangenheit gewertet, das die Beziehung zwischen den Figuren nachhaltig belastet und als Ausgangspunkt für Stefans Rachephantasien und das Misstrauen gegenüber der Vergangenheit seiner Frau dient.
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