Diplomarbeit, 2006
163 Seiten, Note: Sehr gut
1. Einleitung
2. Emigration aus Zisleithanien
2. 1. Vorgeschichte der Arbeits- und Auswanderung nach Amerika
2. 2. Auswanderungsstatistiken
2. 3. Auswanderung aus der österreichischen Hälfte der Monarchie
2. 3. 1. Auswanderung bis 1900- die Anfänge
2. 3. 2. 1901-1914. Höhepunkt und Ende der Massenauswanderung
3. Was waren die Ursachen der Auswanderung?
3. 1. Push-Faktoren
3. 1. 1. Überbevölkerung???
3. 1. 2. Wirtschaftliche Gründe
3. 1. 3. Arbeitsmangel und Lohnunterschiede
3. 1. 4. Regionaltypische Motive
3. 1. 4. 1. Galizien, Bukowina und Dalmatien
3. 1. 4. 2. Vorarlberg
3. 1. 5. Juden
3. 1. 6. Persönlichkeitsmerkmale und individuelle Motive
3. 1. 7. Illegale Auswanderung
3. 1. 8. Politische und religiöse Motive?
3. 2. Pull-Faktoren
3. 2. 1. Warum Amerika?
3. 2. 2. Informationsaustausch und transatlantische Netzwerke
3. 2. 3. Das Amerikabild
3. 3. Push und Pull
4. Wer waren die Auswanderer?
4. 1. Auswanderungspolitik in der Monarchie
4. 2. Einwanderungspolitik der Vereinigten Staaten von Amerika
4. 3. Hauptauswanderungsgebiete und Ethnien
4. 4. Berufe der Auswanderer
4. 5. Geschlechterverhältnisse
4. 6. Alter der Wandernden
5. Die Reise nach Amerika
5. 1. Kettenwanderung
5. 2. Finanzierung der Überfahrt
6. Das Geschäft mit der Migration
6. 1. Nordatlantischer Dampferlinienverband und Continental Pool
6. 1. 1. Austro-Americana
6. 2. Die Büros der Schifffahrtsgesellschaften
6. 3. Auswanderungsagenturen
6. 4. Rolle der Reisebüros
6. 5. Agenten, Subagenten, Auswanderer
6. 6. Der alltägliche Geschäftsbetrieb
6. 7. Am Rande der Legalität
6. 8. Gedruckte Werbemittel
6. 8. 1. Reiseführer
6. 8. 2. Presse und Zeitungsannoncen
7. Auswandererfürsorge
7. 1. Religiöse Organisationen
7. 2. Auswandererfürsorge im Deutschen Reich
7. 3. Einwandererhilfsorganisationen in den USA
8. Welche Häfen wurden angesteuert?
8. 1. Hamburg und Bremen – die großen Konkurrenten
9. Auswandererverkehrswege
9. 1. Das Deutsche Reich als Durchwanderungsland
9. 2. Österreich –Ungarn und die Schweiz als Durchwanderungsländer
9. 3. Praktischer Betrieb in den deutschen Kontrollstationen
10. Im Hafen
10. 1. Hamburg vor Ausbruch der Cholera
10. 2. Auf der Veddel
10. 2. 1. Betrieb auf der Veddel
10. 3. Bremen
11. Die Seereise
11. 1. Die Schiffe
11. 2. Die Überfahrt im Zwischendeck
11. 2. 1. Der Alltag an Bord
11. 3. Die Einführung der III. Klasse
12. Ankunft in New York
12. 1. Isle of Hope, Isle of Tears
12. 2. Immigrationsprozess
12. 2. 1. Medizinische Untersuchungen
12. 2. 2. Registrierung und Befragung
12. 3. Zurückgewiesene
12. 4. The New World
13. Resümee
Diese Diplomarbeit befasst sich mit der Organisation der Auswanderung aus der österreichischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie in die USA um die Jahrhundertwende (ca. 1885 bis 1914). Ziel ist es, die Reise der Menschen von der Monarchie bis zur Einreiseprozedur in Ellis Island detailliert nachzuvollziehen und dabei sowohl die sozioökonomischen Hintergründe als auch die Rolle der Schifffahrtsgesellschaften, Agenturen und Reisebüros aufzuzeigen.
3. 1. 2. Wirtschaftliche Gründe
Die wirtschaftliche Entwicklung der Monarchie gestaltete sich regional stark unterschiedlich. Während einige Städte der Monarchie und Teile Böhmens und Mährens bereits früh industriell erschlossen waren, dominierte um 1900 in weiten Teilen Österreich-Ungarns immer noch die Landwirtschaft. Allerdings ergaben sich auch hier große Unterschiede: in den Alpengegenden fand man großteils Familienbetriebe mit Rinderzucht vor, in Teilen Böhmens und Mährens gab es kleine Familienlandwirtschaften, die von Getreideanbau und Tierzucht lebten, und in Galizien und Bukowina beherrschten einige wenige Großgrundbesitzer weite Teile des Landes und trieben damit die Kleinbauern in die Armut. Der östliche Teil der Monarchie war auf dem niedrigsten industriellen Stand.
1890 lebten in Galizien 77 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft, im Gegensatz zu 41 Prozent in Böhmen. Um die Jahrhundertwende mussten zwei Drittel der Bevölkerung Galiziens zusätzliche Arbeit als Tagelöhner verrichten, weil sie von der eigenen Kleinstlandwirtschaft nicht leben konnten.
Auch die amerikanische Konkurrenz und der Verlust der Absatzmärkte in Übersee sind nicht zu unterschätzen. Die Landwirtschaft Mittel-, Ost- und Südeuropas war den agrarwirtschaftlichen Umbrüchen nicht gewachsen und in Folge kam es in den 1880er Jahren zu einer Agrarkrise. Missernten verschärften die Lage und die Auswanderung nach Übersee stellte für einige die Lösung ihrer Probleme dar.
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den zeitlichen Rahmen der "New Immigration" (1885-1914) und das Ziel, die Organisation der Reise von der Monarchie bis nach Ellis Island sowie die wirtschaftlichen Zusammenhänge der Migration zu beleuchten.
2. Emigration aus Zisleithanien: Dieses Kapitel erläutert die Rahmenbedingungen und Statistiken der Auswanderung aus der österreichischen Reichshälfte, wobei der Wandel der Reisebedingungen durch verbesserte Infrastruktur und gesunkene Transportpreise hervorgehoben wird.
3. Was waren die Ursachen der Auswanderung?: Hier werden die Push-Faktoren (wie wirtschaftliche Not und soziale Disparitäten) und Pull-Faktoren (wie die Anziehungskraft Amerikas und transatlantische Netzwerke) anhand theoretischer Modelle und Fallbeispiele diskutiert.
4. Wer waren die Auswanderer?: Der Abschnitt definiert die demografische und soziale Struktur der Auswanderer, unterteilt nach Ethnien, Berufen und Altersgruppen, und setzt sich mit der Aus- und Einwanderungspolitik auseinander.
5. Die Reise nach Amerika: Hier wird der Prozess der Reisevorbereitung, die Kettenwanderung und die schwierige Finanzierung der Überfahrt thematisiert, wobei die zentrale Bedeutung privater Netzwerke für die Migration betont wird.
6. Das Geschäft mit der Migration: Das Kapitel widmet sich der Rolle von Reedereien, Auswanderungsagenturen und Reisebüros, deren lukrativem Geschäftsmodell und der teils illegalen Praxis der Anwerbung von Auswanderern.
7. Auswandererfürsorge: Dieser Teil beschreibt die Aktivitäten religiöser und privater Organisationen bei der Unterstützung von Migranten, da staatliche Fürsorge in der Monarchie weitgehend fehlte.
8. Welche Häfen wurden angesteuert?: Hier wird die Bedeutung der großen deutschen Häfen (Hamburg und Bremen) im Vergleich zum nationalen Hafen Triest dargelegt, wobei logistische Vorteile und Durchgangstarife eine zentrale Rolle spielten.
9. Auswandererverkehrswege: Der Abschnitt erläutert die Reisewege der Migranten innerhalb Europas, das Phänomen der Durchwanderungsländer und den Betrieb der preußischen Kontrollstationen.
10. Im Hafen: Dieses Kapitel beschreibt die Unterbringungssituation in den Hafenstädten und die Entwicklung hin zu organisierten Auswandererhallen, besonders am Beispiel der "Veddel" in Hamburg.
11. Die Seereise: Hier steht die Überfahrt selbst im Fokus, einschließlich technischer Fortschritte in der Schiffstechnik, der hygienischen Bedingungen und der alltäglichen Erfahrungen im Zwischendeck.
12. Ankunft in New York: Das abschließende Kapitel analysiert den Einwanderungsprozess auf Ellis Island, die medizinischen und administrativen Hürden für die Migranten und ihre Ankunft in der "Neuen Welt".
13. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Migration als komplexen, wirtschaftlich bedingten Prozess, bei dem die Organisation durch Reedereien und Agenten die Wanderungsbewegungen maßgeblich steuerte.
Habsburgermonarchie, Amerikawanderung, New Immigration, Ellis Island, Schifffahrtsgesellschaften, Auswanderungsagenturen, Zwischendeck, Kettenwanderung, Migration, Sozialgeschichte, Push-Faktoren, Pull-Faktoren, Transatlantikpassage, Zisleithanien, Arbeitsmigration.
Die Diplomarbeit untersucht die Organisation und die sozioökonomischen Aspekte der Auswanderung aus der österreichischen Hälfte der Habsburgermonarchie in die USA zwischen 1885 und 1914.
Zentrale Themen sind die Ursachen der Auswanderung (Push- und Pull-Faktoren), die Rolle der Reisebüros und Schifffahrtslinien, die Infrastruktur der Reise sowie der Einwanderungsprozess an US-amerikanischen Aufnahmestationen wie Ellis Island.
Ziel ist es, ein vielschichtiges Bild der oft beschwerlichen Reise der Auswanderer zu zeichnen und die wechselseitige Beziehung zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung der Schifffahrt und der Massenauswanderung aufzuzeigen.
Die Arbeit basiert auf einer sozialgeschichtlichen Auswertung von zeitgenössischen Statistiken, Berichten, Zeitungsartikeln, Reiseführern und Sekundärliteratur, um die Lebensrealität der Migranten nachzuvollziehen.
Der Hauptteil behandelt ausführlich die Motive der Auswanderer, die Rolle der Vermittlungsagenturen, die Reiserouten über Europa, die Bedingungen an Bord der Schiffe und das Prozedere der Einwanderung in New York.
Wichtige Begriffe sind Amerikawanderung, Zisleithanien, Zwischendeck, Auswanderungsagenturen, Kettenwanderung und Ellis Island.
Die deutschen Häfen Hamburg und Bremen boten durch den schnellen Ausbau der Eisenbahnverbindungen, etablierte Durchgangstarife und ein engmaschiges Agentennetz eine effizientere und oft besser organisierte Abwicklung der Reise als der österreichische Hafen Triest.
Agenturen spielten eine ambivalente Rolle: Sie erleichterten die Organisation der Reise durch Buchungsservices und Informationstransfer, waren jedoch oft in illegale Machenschaften verwickelt und handelten primär gewinnorientiert.
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